Vorspann AoE Intermezzos Von Fuchs und Greif
Weißer Bärenpelz Rot von Blut Grausame Schönheit Nicht allein
Das Antlitz des Bösen Auge in Auge

Auge in Auge

In dem ein Showdown keiner ist

(nächster Abend)

Ist das KALT!! Ich kann kaum die Feder halten! Es war wirklich eine selten dämliche Idee hier draußen in freier Natur zu übernachten, und das bei den Temperaturen! Es ist eisig... eisig. Gerade hat mich Goran zur Wache geweckt. Es war ein bisschen seltsam, so dicht an den anderen zu schlafen, auch wenn Iolaos es sehr geschickt verstanden hat, Poki'i zwischen uns beide zu manövrieren... auch wenn mir nicht so ganz klar ist, was das soll. Nun ja. Vielleicht gelingt es mir während der Nachtwache, ihn ein bisschen besser zu verstehen. Schließlich muss ich ja irgend einen Frevel getan haben, um seine abweisende Behandlung zu verdienen...
Den Himmlischen sei Dank für Goran. Wenigstens hat er heißes Wasser aufgesetzt... eine kleine Linderung in dieser eisigen Kälte.

(einen Abend später)

Ich glaube, ich habe einen furchtbaren Fehler begangen. Nandus, Travia, Hesinde, Praios, mögt ihr mir vergeben. Ich glaube, Goran und ich haben einen schrecklichen Fehler begangen. Es ist eine interessante Frage, wie wir uns gegenüber Wesen wie dem kleinen Halbork verhalten sollen. Wie steht es um ihre Seele? Sind sie... verloren? Oder nicht? Es ist schwierig, dies zu beurteilen, umso mehr, da man sich weder in Punin, noch im lieblichen Feld, noch auf Maraskan, noch in Al'Anfa jemals derartige Gedanken gemacht hat. Goran und ich sahen uns einer Situation gegenüber in der wir entscheiden mußten und uns irrten... denke ich.
Doch ich sollte am Anfang beginnen. Während meiner Nachtwache mit Iolaos stellten wir mit einem Male fest, daß eine der Decken, die unsere Pferde vor der Eiseskälte schützen sollte, verschwunden war. Es war nicht schwer, herauszufinden, wo sie hinverschwunden war, und nur einige Momente später saß ein kleiner Halbork an unserem Feuer, eingewickelt in eine Decke, während ich versuchte, aus einem alten Hemd so etwas wie einen Schuh zu improvisieren (den anderen hatte er verloren).
Es scheint als sei uns der Kleine gefolgt, auf unsere zugegebenermaßen eher lose Freundlichkeit hin. Es ist eine arme Kreatur, vermutlich von niemandem gewollt und Prügelknabe von jedem, der eine offene Rechnung zu begleichen hat. Er kann einen dauern, wenn die Situation nicht von vorneherein so seltsam gewesen wäre, wäre es vielleicht auch anders gekommen. Wie auch immer, wir ließen den Kleinen an unser Feuer und versuchten, uns mit ihm zu unterhalten. Er mag ungefähr zehn Jahre alt sein und ist eine der abstoßendsten kleinen Kreaturen, die mir jemals untergekommen ist, aber ich bin rational genug zu wissen, daß er dafür nichts kann. Er sprach zunächst nur orkisch mit uns - mit Iolaos, um genau zu sein (ich muss mich wahrhaft einmal bemühen, diese Sprache zu lernen, sie hat zwar einen grauenvollen Klang, doch ist Realität, daß sie gesprochen wird und nicht allzu selten.), und fasste erst nach und nach so etwas wie Vertrauen zu uns.
Sein Name ist Yorrak, und er ist wie nicht anders zu vermuten der Sohn eines Orkes und einer menschlichen Mutter. Warum er uns gefolgt ist, vermag ich nicht so genau zu sagen. Wahrscheinlich war es wirklich die Tatsache, daß wir ihm nicht von vorneherein feindlich gegenüberstanden.
Wir erfuhren einige seltsame Dinge von ihm. Er erzählte uns, daß er der Sohn eines Sippenhauptmannes sei, der marodierend durch diese Gegend ziehe - und daß dieser Haufen in letzter Zeit von einer Elfe befehligt werde. Einer Elfe! Die Orks vorsteht! Nicht nur ich dachte dabei augenblicklich an Lysiera, oder wie auch immer sie in Wahrheit heißen mag. Was mögen die Beweggründe sein, die eine Elfe, die in der Lage ist, sich in einen weißen Drachen zu verwandeln, hier nach Weiden bringt? Was hat sie vor? Nichts gutes, wage ich zu behaupten.
Wir versorgten den Kleinen also mit dem Nötigsten, auch wenn uns beiden nicht ganz klar war, wie wir dies den anderen Gefährten erklären sollten. Den Jungen mitzunehmen, stand außer Frage, Botschafter des Herzogs in Begleitung eines Halborks, welch Lächerlichkeit. Er ist in gewisser Weise ein drolliges Geschöpf doch ist unsere Mission von zu großer Wichtigkeit, und zu viel hängt davon ab, daß man in diesem harten, zurückweisenden Land voll seiner merkwürdigen Bewohner zumindest ein wenig Vertrauen schenkt. Ein Orkkind, nein ein Halborkkind (nicht viel besser), würde dies sicherlich nicht unterstützen.
Und so schlichen wir uns - ich schäme mich, es zu sagen - ein wenig aus der Verantwortung, versuchten dem Kleinen, klarzumachen daß er uns nicht begleiten könne und stießen auf taube Ohren.
Was habe ich eigentlich erwartet?

Lieto war es dann, der die Entscheidung fällte und den Kleinen mit gespanntem Bogen hinfortsandte.
Nandus, steh mir bei, wir haben eine hilflose Seele in den Winter hinausgejagt.
Und was war dies für ein Zorn in Lietos Augen? Sonst kennt er Mitgefühl durchaus... Ist es noch die Erinnerung an die List des kleinen Mädchens?
Armer Lieto... ich wünschte, ich könnte dir helfen.

Yorrak hat, wohl als Dank für die Decke, die er von unseren Pferden stahl, eine kleine Münze in die Mähne von Lietos Pferd geflochten, die eine schlichte Darstellung der Göttin Travia zeigt. So wird unsere Härte mit Freundlichkeit vergolten...

Intermezzo an dieser Stelle: Kleine Schritte

(Der Mittag des nächsten Tages)

Mensheim... Ankunft in einer weiteren Stadt Weidens, in der Stadt, der man nachsagt, daß hier das Übel besonders stark sei. Ein Mittagsmahl in einer Taverne und ich habe endlich einmal Zeit mir die Fragmente der Orakelsprüche zu Fasar anzusehen, die ich abgeschrieben habe von der Schriftrolle, die die Spectabilität aus Rashtul mit sich trug.

Vers 1.3: Wenn der Kaiser aus Borons Schlund ins Goldene Land vertrieben wird, werden die Legionen des Blutgottes ins Herz des Greifen stoßen und ein Sohn des Fuchses wird den Namen seines Oheims und seiner Muhme tragen.

Der Kaiser aus Borons Schlund ins Goldene Land vertrieben... bezieht sich dies vielleicht auf den verschwundenen Kaiser Hal? Die Legionen des Blutgottes sind die Orkhorden, die ins Herz des Greifen (nach Greifenfurt - oder ist doch Gareth gemeint?) und weiter zogen. Doch was der Sohn des Fuchses sein soll... das weiß ich nicht. Ein Geweihter Phexens? Oder... trägt nicht auch das Herrscherhaus des Neuen Reiches den Fuchse im Wappen? Ich bin verwirrt...

Vers 2.4: Wenn die Ketzerin den Ketzer knechtet wird der weiße Pelz des Bären rot sein von Blut, und es wird ihr Blut sein und doch nicht ihres, und das formlose Grauen wird annehmen grausame Form

Der weiße Pelz des Bären dürfte das schneebedeckte Weiden sein, und daß er rot von Blut ist, nun ich fürchte das wissen wir bereits. Das formlose Grauen wird annehmen grausame Form... zielt dies darauf ab, Borbarad ans Tageslicht zu bringen? Zu manifestieren? Wie können wir es verhindern?

Die weiteren Verse, die nun den dritten Spruch des Orakels darstellen sind mir ein vollkommenes Rätsel. Vielleicht wird es sich später eröffnen.

Vers 3.1: Wenn zwiefach Offenbarungen sich zwiefach offenbaren, werden Zwei eins und ungeschlagen, und Eins zwei und untrennbar sein, und SEINE Feinde werden ihre Freunde sein und SEINE Freunde ihre Feinde.

Vers 3.2 Wenn von allen einer ahnt was die Ahnen aller mahnen werden sich die erwählten Stämme erheben um zu erheben einen Erwählten, auf daß der Eine alle acht über sich, alle sieben um sich, alle sechs in sich und alle fünfe unter sich vereine.

Vers 3.3: Wenn das Rund des Frevlers in der Runde der Frommen ruht, wird er den Größten gehören und die Größten ihm und es wird sich schließen der Kreis um einst zu beenden was einst beginnt.

Vers 3.4: Wenn Mönch und Meuchler den Platz für die Nacht teilen, werden die Bannlande erbeben und drei Tore aufgestoßen und es werden wahre Pforten des Grauens sein für alle die, die da aufrecht sind im Geiste.

Vers 3.5: Dann wird erscheinen der Dritte der Sieben Gezeichneten, und sein Zeichen wird sein die zweite Haut und das Wissen um SEINE Macht

Allein der letzte Vers kommt mir wieder bekannt vor... doch was die zweite Haut sein wird ist mir ebenfalls fremd...
Nandus, ich hoffe, daß mein Weg durch dieses Labyrinth gefunden werden kann.

Doch verlassen wir diese düsteren Themen um zurückzukehren nach Mensheim, und zu direkteren Problemen. Wir befinden uns in einer typisch weidenschen Stadt, wenn auch die Kleidung schon eher darpatisch anmutet. Die Gesellschaft ist geprägt von Rinderbaronen, vielen Katen und Blockhütten Armer und Leibeigener. Jemand sollte sich um sie kümmern, ihnen Hesindes Gaben näherbringen. Doch dies ist nicht meine Aufgabe. Nicht im Moment. Dennoch kann es nicht schaden, es in Kuslik und Vinsalt zu erwähnen. Doch je, ich fürchte, daß der unselige Ärger zwischen Brin und der Horaskaiserin solches wohl ohnehin verhindern würde. Bisweilen fehlen die Gaben des Herrn geradezu eklatant in den Reihen der Mächtigen...
Doch ich schweife ab.
Über der Stadt thront der Baronssitz, zu dem wir wohl über kurz oder lang auch werden gehen müssen. Doch ehe wir die hohen Herrschaften belästigen sollten wir versuchen, mehr herauszufinden über das, was hier vor sich geht. Also brechen wir auf zum Vogt der Stadt, in der Hoffnung, daß wir auf diese Art das eine oder andere herausfinden werden.

Gegen der Mittagszeit des nächsten Tages

Und so beginnt die Spirale sich schneller zu drehen. Die finstere Schlange sitzt ruhig in ihrem Netz und hat ihre Fühler ausgestreckt. Sie weiß, wer wir sind und in wessen Auftrag wir kommen, und ebenso wissen wir, in welches Vipernnest wir in dieser Nacht gehen werden. Herr Nandus, Herrin Rondra, welch ein Tanz.
Doch ich verwirre mich und das arme Buch, das doch nur Chronist dessen sein kann, was ich seinen Seiten anvertraue. Also beginnen wir bei den Worten des Vogtes.

Mensheim hat zwei Verschwundene und 6 Tote zu beklagen, was in meinen Ohren zunächst gar nicht so viel klingt. Doch fügte der Vogt hinzu, daß gerade im Umland noch mehr Personen nicht mehr aufgetaucht sind. Dort fehlten ihm wohl genaue Daten (führt überhaupt in diesem Land irgendjemand irgendwelche sorgfältigen Aufzeichnungen?), also beschränke ich mich zunächst auf das, was hier passiert ist.

Am 1. Praios verließ der junge Sohn der Haushofmeisterin des Barones morgens arglos das Haus, um im ersten Lichte der Praiosscheibe am Fest des Lichts einfach zu vergehen. Offensichtlich war er irgendwann während der Namenlosen Tage von der Namenlosen Seuche befallen worden, ohne sich dessen bewußt zu sein. Das schließt einen offenen Angriff durch den Vampir wohl aus. Wie ist er infiziert worden, ohne zu ahnen, was ihm geschah?

Am 3. Praios fand sich der Dorfkrämer unbekleidet in seinem Schlafgemach, das Genick gleich einem morschen Stock gebrochen.
Am 16. Praios fand sich eine Dienstmagd des Schlosses tot im Wald, am 1. Rondra verlor ein durchreisender Krieger wohl sein Leben. Ein Bauernsohn verschwand am 17. Rondra, er gehörte zu einer der Familien, die ihre Felder vor den Toren der Stadt haben, doch innerhalb der Mauern leben. Am 29. Rondra wurde ein Holzfäller tot im Wald aufgefunden, und am 25. Travia starb eine Nachtwächterin während ihrer Wache im Turm der Stadtmauer.
Und noch eine Merkwürdigkeit: Letzte Woche wurden hier zwei tote Orks gefunden - seltsam, wie ich finde.

Es scheint also als treibe in dieser Stadt mindestens ein Vampir sein Unwesen, raube und töte. Um mehr zu erfahren besuchten wir die Familie des jungen Angrist Benkmahd, dem Bauernsohn, der den 18. Rondra nicht mehr erlebte. Ich war durchaus überrascht zu hören, daß er wohl eine Liason mit der Tochter des Barones unterhielt. Ich bin ja nun gewiß nicht prüde, dies ließe sich im lieblichen Feld (und mit einem Bruder wie Andro) wohl kaum bewerkstelligen, wenn man nicht einen gewissen Hang zur Realitätsferne hegt. Dennoch halte ich es für ungewöhnlich, daß die Tochter eines Barones solchen Umgang pflegt. Mir scheint, die junge Dame hält Rahja sehr hoch in Ehren.

Wir fragten bei dem Nachbarn des gestorbenen Krämers nach und erfuhren, daß er wohl spät in der Nacht noch Besuch erhalten habe. Ein Reiter sei ihn besuchen gekommen und eine ganze Zeit lang geblieben. Ist in diesem Reiter der Mörder zu suchen?
Es gibt wenige Personen, die in einem derart abergläubischen und auch nicht allzu reichen Lande des Nachts noch durch die Gegend reiten würden. Hier tut derlei wohl die Baroness bisweilen. Zwei der Toten trafen die Baroness am Abend ihres Sterbens...

Ein wenig erstaunt ob dieser Sitten begannen wir, uns in den Tempeln der Rondra und der Peraine nach dem Baron und seiner Familie zu erkundigen. Offensichtlich sind sowohl Jarl Staubhold von Mersingen-Eberstamm als auch seine Tochter Ullgrein Absolventen der Kriegerakademie zu Baliho und sehr der Herrin Rondra gefällige Personen. Daß Ullgrein den Freuden der Schönen Göttin nicht abgeneigt ist, ist hier wohl kein Geheimnis, und die Geschichten ihrer Eroberungen datieren wohl noch weit vor den Beginn der ganzen unseligen Ereigniskette. Man beschreibt sie als eine hübsche junge Dame, nun, wie viele einfache Burschen sind wohl dem Kitzel erlegen, sich einmal im Bette der Herrin wie der Herr zu fühlen?
Die Torheit der Männer ist manchmal kaum zu ertragen.
Iolaos ignoriert mich im übrigen immer noch.
So sehr wie Ullgrein sich wohl Rahja ergibt, huldigt der Baron neben der Kriegsherrin Rondra wohl auch noch Boron - Gorans Herz muss aufgegangen sein bei dieser Nachricht... oder vielleicht auch nicht. Denn was der Priester der Peraine uns erzählte, mehr voll Stolz denn voller Argwohn, nicht wissend, was er dort sagte, ließ alle Puzzleteile an den richtigen Ort fallen.
Vor mehr als zwei Monaten verkündete der Baron, seine Schwester, die im Tobrischen lebt, sei am Raschen Wahn verstorben, jener Krankheit, die man für gewöhnlich mit einem Frevel gegen die Zwölfe in Verbindung bringt. Um seine Schwester zu sühnen und den Wohlwollen der Götter wieder auf sie und die Familie zu lenken - so behauptete er - habe er ein Gelübde abgelegt, tags zu schlafen und die Nacht im Gebet zu verbringen. Hah! Gewiß ist dies Vorhaben sehr borongefällig, Goran selbst bestätigte es mir. Aber das in Verbindung mit den anderen Indizien? Zum Lachen!!
Die Krönung ist, daß er stets zu Neumond seine Sühne in einer Jagdhütte im Wald verbringt. Boronssühne! Daß er sich überhaupt wagt, den Namen des ... ach, was rede ich. Seine Seele ist verdammt und verloren, zerfressen von unsterblicher Gier, er würde alles tun um dieses Unleben fortzusetzen. Und wenn es ist, seinen eigenen Herrn zu schmähen.
So sitzt also das Übel bequem und gemächlich im Schlosse zu Menzheim. Was auch immer diese Neumondtreffen zu bedeuten haben, denn so mächtig die Baronsvampire sein mögen, sind sie wohl nicth die Wurzel der Vorkommnisse. Wer hat die Seuche hier hin geführt?

Um dem Vergnügen die Spitze aufzusetzen, gelangte vor einigen Stunden eine Einladung hier an. Man läd uns für heute abend ins Schloss.
Wie die beiden erfahren haben, was genau wir hier suchen, ist und bleibt mir ein Geheimnis. Wir haben nicht gerade mit dem Ring Herzog Waldemars unter der Nase der Hiesigen herumgewedelt, aber vielleicht waren sie einfach wachsam genug um zu hören, daß wir uns erkundigten. Wenn sie sich geschickt verhalten, lauschen sie aufmerksam.
Also ist die Einladung auch kein weiteres Beispiel Weidener Gastfreundschaft. Wir gehen auf das Schloss unter der Maske der Etikette und mit dem blanken Dolch im Gewande. Und beide wissen wir beides.
Herrlich, fast wie daheim...
Diese Umgebung ist wohl nicht gut für mich, wenn ich schon sarkastisch werde...
Wir haben Wein und eine kleine Schatulle als Gastgeschenk gekauft. Der Wein ist mit Hintergedanken - zugegeben. Wenn Ullgrein ihn trinkt, haben wir uns vielleicht getäuscht und alles sieht harmloser aus als es uns im Moment erscheint.
Und vielleicht taucht morgen Borbarad persönlcih bei usn auf, entschuldigt sich für die Unannehmlichkeite, entfernt die weiße Strähne aus meinem Haar und verschwindet zurück in den Limbus aus dem er gekommen ist.
Sicher, Esybilla...
Nun ja. Also Wein.

Lieto ist von oben wieder heruntergekommen, es ging ihm nicht gut, er wollte ein wenig schlafen, bevor heute Abend der Tanz losgeht. Er sieht gar nicht gut aus. Sind das Windpocken auf seinem Gesicht?
Ich denke wir sollten noch einmal in den Perainetempel gehen.

Ein wenig später

Es SIND Windpocken. Da hat er sich doch tatsächlich vermutlich in einer der Bauernkaten, in der wir übernachtet haben, angesteckt. Nun ja, nichts gefährliches, wenn ich das so sagen kann. Kurios ist allerdings, das der Geweihte (es war ein anderer als der, den wir gestern befragten) uns erzählte, offensichtlich stromere eine Orkbande hier herum, die sich nach jemandem wie uns erkundigt hatte.
Hoppla...?
Nun, eine Sache nach der anderen. Heute abend sind wir ehrenwerte Gäste des Barons. Heute abend tanzen wir den Tanz, den ich aus langer Jahre Erfahrung kenne.
Nur schade, daß ich Andro nicht habe, um es mit mir zu teilen.
Ich werde dieses Buch hierlassen, für den Fall, daß wir den geselligen Abend nicht überleben, mit einer Notiz, daß dies im Falle meines Verschwindens zu lesen sei.
Ich bin nicht unzuversichtlich, wir sind präpariert, so gut wir es können. Doch man weiß nie. Das Schicksal ist launisch.
Nandus, leite unseren Geist, Rondra, leite unsere Taten.
Ihr Zwölfe und all eure himmlischen Kinder... Eure Taten zu erfüllen ziehen wir aus. Wacht über unsere Schritte.

Noch in der Nacht

Fern im Rahja färben bereits die ersten Ahnungen der Praiosscheibe den Himmel um den Spuk der Nacht endgültig zu Staub und Asche verenden zu lassen. Wir waren siegreich, zum Teile zumindest, da ich noch lebe und atme, um diese Zeilen zu schreiben. Doch der Sieg schmeckt schal, da wir wissen, daß wir kein Stück klüger sind, was die Ursache dieses Übels betrifft.
Was kann ich sagen von einem Kampfe, der nicht glorreich war, von einem Kampfe, der mit dem Belauern beider Parteien begann, mit der freundlichen, geschliffenen Konversation, bei der ich mich fast ins Horasiat zurückversetzt fühlte. Er war ein gewandter Konversationalist, der Baron von Mersingen-Eberstamm, ein Mensch, kultiviert, wie ich ihn hier nicht erwartet hätte. Die freundliche Unterhaltung ließ beinahe vergessen, warum wir eigentlich gekommen waren. Und doch belauerten wir einander, er un dich, in dem uralten Tanz, den ich seit meiner Kindheit zu beherrschen gelernt habe. Die anderen beschränkten sich im wesentlichen darauf zu beobachten - wer hätte es gedacht. Es ist nicht Iolaos' oder Lietos Art, gewandt beim Abendessen zu parlieren, und sich Setaou in einer solchen Situation vorzustellen hat schon beinahe etwas groteskes. Und doch war es Goran, der in der unvergleichlichen Art der Diener Borons unsere wortreiche Schlacht beendete. Er begann, einen Segen zu sprechen, und solcherlei nahm der Baron nicht gut auf. Ein Kampf entbrannte, zwischen uns und den Anwesenden. Der Herzogsring, den ich einer blinden Eingebung folgend, hervorholte, sorgte zumindest dafür, daß ein Teil des Gesindes nicht eingriff, glücklicherweise waren sie wohl auch befremdet von dem Verhalten ihres Dienstherren. Unglückseligerweise waren jedoch zwei der Bediensteten des Anwesens bereits von dem finsteren Fluch befallen, so daß wir uns insgesamt vier vampirischen Gegnern gegenübersahen. Gorans Rabenschnabel wirkte Wunder im Kampf gegen den Baron, und als Iolaos die Baroness im Kampfe stellte, ohne daß einer von uns anderen eingriff, schien sich auch an dieser Front das Blatt zu wenden. Ich fühlte mich herzlich hilflos in diesem Kampf, denn Rondrianerin bin ich nun gerade nicht, und mir ist es bisher noch nicht gelungen, eine Möglichkeit zu finden, die Verletzlichkeit den Geboten Rahjas gegenüber in eine Waffe zu schmieden. So beschränkte ich mich auf Schutz und Schadensbegrenzung, während die anderen sich gegen die unheiligen Wesen stellten.
Was also bleibt von einem Kampfe, der voraussehbar war, und dessen einzig positiver Aspekt ist, daß er zu unseren Gunsten ausging? Was bleibt von einem Schloß, dessen Fenster verriegelt waren und wo in den Schlafgemächern der Herren schwarze Särge statt der üblichen Lagerstatten stehen? Wir sind immer noch nicht schlauer, Nandus möge mir vergeben. Mir füllt kein Mittel ein, wie ich den Herren hätte entlocken können, was ihnen geschah - ich fürchte die Bande ihres Blutes sind zu stark - und doch bleibt mir die Bitterkeit, daß ich viellleicht hätte mehr erfahren können. Was nun? Die süße Erholung Borons möge mich in dieser Nacht umfangen, denn vielleicht wird sie mir Erkenntnis senden.

Intermezzo später: Träum vom Fliegen

Querverweis zum Weiterlesen:
Das Ende der Unschuld- Schlaglichter aus dem Vorleben Iolaos' (Führt in den Bereich "Geschichten über Iolaos")
Wie ein Choral der Vergänglichkeit - Die Herkunft Setaous (Führt in den Bereich "Geschichten über Setaou")

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