Vorspann AoE Intermezzos Von Fuchs und Greif
Weißer Bärenpelz Rot von Blut Grausame Schönheit Nicht allein
Das Antlitz des Bösen Auge in Auge

Das Antlitz des Bösen

In dem Zwietracht die Gemeinschaft berührt und die Ursache näher rückt

(nächster Tag)

Altnorden ist ein typischer Weidener Ort, der wohl gut und gerne seine anderthalb tausend Einwohner haben mag. Geschichtlich angemerkt war es zu Bosparans Zeiten lange die nördlichste Bastion des Alten Reiches. Hier finden sich, wie so oft, die Häuser im possierlichen Spitzgiebelstil, doch auch an dieser Ortschaft erkennt man noch die nachwirkungen des noch längst nicht weit genug zurückliegenden Krieges. Der Wall um die Ortschaft herum hat schweren Schaden erlitten und große Anstrengungen werden unternommen, um sie so schnell wie möglich wieder instandzusetzen, wer mag es diesen Leuten verdenken? Ein großer Teil des Walls ist zu einer riesigen Baustelle geworden, an der rund um die Uhr gearbeitet wird. Die Baustelle ist unübersichtlich und sehr groß, so daß es mich nicht weiter verwundert, daß auf der Baustelle die meisten Verschwundenen zu beklagen sind. 8 Arbeiter verschwanden nacheinander von der Baustelle, dazwischen verschwand auch eine Frau aus der Stadt, kurz darauf ein Mann,. Alle von ihnen verschwanden nachts, etwas, das mich durchaus dazu brachte die Vorgänge auf der Baustelle einmal näher zu untersuchen.

Man arbeitet rund um die Uhr in vier Schichten, die sich stets abwechseln. Tag und Nachtschichten wechseln nicht, Arbeiter sind entweder nur tags oder nur nachts beschäftigt. Jede Schicht hat einen Vorarbeiter, der mit stets derselben Schicht Dienst tut. Der eine von ihnen ist ein Mann mit Namen Halman, heute abend wird seine Schicht sein. Der Name des anderen ist Wolfrath. Wir haben beschlossen auf den Einbruch der Dunkelheit zu warten, um unsere Fragen über sie und ihre Schichten stellen zu können. Die Tagesschicht und die nachtschicht scheint sich nur selten zu begegnen. Die Arbeiter, die auf der Baustelle waren, als wir heute gen späten Nachmittag Altnorden erreichte, zwar durchaus bereit uns Auskunft zu geben, doch schienen sie wenig zu wissen. Die Nachtschicht ist hart, wen wundert es. Stets ausserhalb des Tageslichtes zu arbeiten, mag sich wohl über kurz oder lang auf das Gemüt auswirken. Deshalb ist es auch schwierig, schwieriger als sonst, die verschwundenen Fälle eindeutig einer vampirischen Ursache zuzuordnen. Nach allem was man mir erzählte, ist es schon öfter vorgekommen, daß Arbeiter die Baustelle schlichtweg verließen, weil sie die Bedingungen nicht mehr ertragen wollten. Offensichtlich herrscht an Arbeitskräften entweder kein Mangel, oder es fehlt an Investigationsmöglichkeiten. In jedem Fall weiß wohl niemand genau, wer freiwillig und wer unfreiwillig verschwunden ist. Ich denke, wir müssen die Nachtschicht abwarten und mit den anderen Arbeitern sprechen - insbesondere mit dem Vorarbeiter.

Eine Randbemerkung, die mir eben gerade noch einfällt. Lieto hat mir etwas interessantes erzählt. Er beobachtete, wie im Hofe des Gasthauses, in dem wir Quartier genommen haben, ein kleines Mischlingskind, das sich wohl daran gemacht hatte, einiges an Essen zu stehlen, mit Schlägen und Tritten herausgejagt wurde. Es handelte sich seinen Worten nach um einen kleinen Halbork... Ich gestehe, daß mir nicht einmal bewußt war, daß solche Wesen existieren. Die Erkenntnis, daß Orks und Menschen untereinander auf ähnliche Art und Weise kompartibel sind wie Elfen und Menschen (nicht aber, wenn ich hier noch einmal darauf hinweisen darf, wie Zwerge und irgend eine andere Rasse dieses Kontinentes - zumindest meines Wissens nach) läßt einige interessante Schlussfolgerungen zu. Soweit ich weiß, waren bisher Mischlinge aus Elfen und Menschen die einzigen Kreuzungen. Von Mischlichgen von Achaz mit einer anderen Rasse ist mir nichts bekannt, und die Tatsache, daß es gerade jene drei Rassen sind, die untereinander mischen, stimmt mich nachdenklich.

Doch dies ist kein Rätsel, das ich heute werde lösen können, vielmehr mag es insgesamt interessant sein, mehr zu erfahren, ich werde es einmal im Hinterkopf behalten für Zeiten, in denen ich leichter an verwertbare Informationen kommen kann.

Und wiederum frage ich mich: Wie hält man es in einem Land ohne einen einzigen Hesindetempel aus?? Nandus, Nandus, dein Licht auf Weiden...

Eben gerade betrat Goran den Raum. Er hat sich noch ein wenig auf der Baustelle umgehört und etwas erzählt, das möglicherweise von Bedeutung sein könnte. Von den beiden Nachtvorarbeitern ist wohl nur einer verheiratet. Wolfrath ist ein ehemaliger Schmied aus dem Tobrischen, den es aus welchen Gründen auch immer hier her verschlug. Halman jedoch hat eine Familie, die in der Stadt wohnt.

Und die Frau, die im Zuge der Ereignisse verschwand, ist die seine...

in den Morgenstunden des nächsten Tages

Eine durchwachte Nacht und ich bin müde genug, daß ich wohl mit der Feder in der hand einschlafen könnte, doch sollte ich wohl besser jetzt die verschiedenen Fakten aufschreiben, die uns seit dem Abend zugetragen wurden. Zusammenhanglos wie sie im Moment noch scheinen, mag Erinnerung sonst verschwommen werden, wenn ich versuche, meine Rekapitulation auf nach dem Schlaf zu verschieben. Wir sprachen also mit Halman, dem Vorarbeiter der heutigen Nachtschicht und erfuhren die genauen Daten der verschwudnenen Menschen. (7., 8., 18., 29. Rondra, 1., 13., 27. Efferd, 12., 14., 25 Travia). Das entfernt mich wieder von der Theorie, die ich seit einigen Tagen hege, daß das Üel tatsächlich von Norden nach Süden gewandert ist. Das Muster ist gebrochen, so weit ich erkennen kann, oder ich sehe es bisher nur noch nicht. Bedauerlich. Es hätte uns vielleicht geholfen, den Ort einzugrenzen an dem das �el seinen Ausgang nahm. Vielleicht wird uns stattdessen die Stärke der Verseuchung zum Ursprung des Ganzen führen. Ich bin von dem Gedanken abgekommen, die Vampirplage als einen Flächeneffekt zu sehen, der sich von einem Ort hinweg ausbreitet, so muss es eine wandelnde Ursache sein, denn nach allem was ich weiß ist das Auftauchen von Vampiren an so vielen Orten zugleich in zeitlicher Koinzidenz wohl kaum mit Zufall zu erklären. Die Frage ist nur - gab es einen Ursprungsvampir, der an einem Orte blieb, während sich seine 'Kinder' weiter ausbreiteten? Oder zieht der Ursprung selbst durchs Land um Tod und Verderben und die Pest des Vampirismus über das Land zu senden? Die Antwort auf diese Frage muss ich wohl auf einen späteren Zeitpunkt verschieben und zurück zur Wallbaustelle Altnordens kehren, auf der wir noch mehr erfuhren.

Üer die Art und Weise, wie die einzelnen Personen verschwanden, vermochte der Vorarbeiter uns nicht besonders viel zu sagen. Einer der Handwerker beschwor, daß sein Lehrling direkt hinter ihm gewesen sei, doch als er sich umgewendet habe, habe er nichts mehr erkennen können. Ein weiterer sei schlichtweg von der Mauer verschwunden. Spuren wurden überhaupt keien gefunden und den Ausagen Halmans nach zu urteilen gibt es auch keine Augenzeugenberichte davon, wie der eine oder andere verschwand.

Allerdings... und das ist etwas, das mich doch wunder nimmt. Wir erfuhren, daß nicht nur Halmans Frau zu den verschwundenen gehört. Der Klatsch auf der Baustelle trug uns noch etwas ganz anderes zu. Es gibt eine Verschwundene, von der wir noch gar nichts wissen.

Seine Tochter...

Erst nachdem dies geschehen war, nachdem Frau und die jüngste Tochter, die wohl kaum fünf Götterläufe zählt, entschloss sich Halman, seine verbliebenen Kinder zu Verwandten nach Auen zu schicken. Ein weiser Entschluss, der Mann scheint schwer gebeutelt.

Oder der Ursprung des ganzen... um der Wahrheit die Ehre zu geben mag ich da noch nicht urteilen. Sei Leumund unter den Arbeitern ist tadellos. In den harten Nachtschichten hat sich offensichtlich so etwas wie eine eingeschworene Kameradschaft ausgebildet, und man hält zu den Vorarbeitern. Beide werden sie als kompetent, zuverlässig und fleissig beschrieben, und dies übereinstimmend von vielen Arbeitern, die wir befragten. Allerdings erfuhren wir auch, daß sich die beiden nicht besonders gut leiden können.

Die ganze Nacht haben wir auf der Baustelle gewacht, doch nichts von Belang ist passiert. Halt... ganz richtig ist das nicht, wenn man der Sache einen zweiten Gedanken widmet. Iolaos erwischte wohl den kleinen Halbork beim Stehlen, ließ ihn aber mit seiner kümmerlichen Beute aus Essen laufen.

Mittlerweile fängt der Kleine an, mich zu dauern. Um ehrlich zu sein, weiß ich nicht genau, wie nah Halborks an Tieren und wie nah an den unsrigen sind, aber allein die Vorstellung, daß er vielleicht ein recht normales Kind ist, macht mich schaudern. Nun... ich weiß zu wenig über Orks um wirklich etwas sagen zu können. Sie sind Geißel und Schrecken dieser Gebiete, man fürchtet sie hier immer noch allerorten, und zurecht.

Doch so gibt es nur wenig Möglichkeiten für ein Geschöpf wie ihn...
Es ist Zeit, der Nacht- oder wohl besser Tagruhe zu frönen...
Man könnte fast den Eindruck erhalten, daß wir beginnen, so zu leben, wie das was wir jagen.

Aber natürlich ist das Unsinn. Praios, Licht des Tages, diese Unterstützung könnten wir wohl brauchen...

(früher Abend desselben Tages)

Ein solch seltsamer Schlafrhytmus ist grauenhaft. Ich fühle mich wahrhaft zerschlagen und mein Magen ist vollkommen verwirrt von den seltsamen Essenszeiten, die man sich wohl oder übel abgewöhnt. Hoffentlich dauert dieses Leben nicht zu lange.

Wir sitzen in dem Gasthaus, in dem wir schon die letzte Nacht verbrachten und ich nutze die Zeit bis zum Abendessen, um das wenige, das wir vor dem Abend zu tun imstande waren, zusammenzufassen. Es gibt einen recht gut ausgestatteten Praiostempel in diesem Ort und Eingedenk meines Stoßgebetes am Morgen entschlossen wir uns, uns dort über das Wesen der Vampire nä her zu informieren. Wenn man keine Hesindekirche hat, darf man eben nicht wählerishc sein, und die Diener des Götterfürsten sind in derartig widernatürlichen Wesenheiten wohl bewandert.

Ich fand hier bestätigt, was wir schon vermuteten. Die Verletzbarkeit von Vampiren hängt stark mit ihrem Glauben zusammen, den sie als Menschen gehegt haben. Wer praiosgläubig war, meidet das Sonnenlicht. Wer traviagläubig war, ist gebunden an seine Heimat. Derlei Beispiele mag es noch mehrere geben. Was immer sie glaubten, wendet sich nun, in diesem unheiligen Leben, gegen sie, die Zwölfe seien gelobt. Vielleicht mag uns dies als Anhaltspunkt dienen, um letztendlich in der Lage zu sein, sie zu bekämpfen.

Nun denn - diese Nacht wird weitere Investigationen auf der Baustelle bringen.

Iolaos ist bei den Arbeitern gewesen, um sich über die Arbeitsbedingungen zu erkundigen. Die Nachtschichten, obwohl besser bezahlt, sind aus verständlichen Gründen nicht beliebt, doch genießen sämtliche Vorarbeiter höchsten Respekt eine Tatsache, bei der ich mir nicht sicher bin, wie ich sie zu deuten habe. Sonst hat er auch nicht viel herausgefunden, die Ratlosigkeiten ist allenthalben vorhanden.

Auch bei uns, so ungern ich dies sage....

(in den frühen Morgenstunden)

Dieser unglaubliche, unendlich entsetzliche, neunmal vermaledeite, verflixte, unfähige, dumme, leichtsinnige, sture DRUIDE!!!

Ich kann es wahrhaft nicht glauben, daß in jemandem, der solche Weisheit für sich beansprucht eine derartig gnadenlose Dummheit, Borniertheit und Starrsinnigkeit vereint sind. Wenn ich es mir genau überlege, fällt es mir schwer zu glauben, daß diese Kombination in dieser Ausprägung überhaupt in der Lage ist einen lebensfähigen Menschen zu produzieren. Ich gefährte mich und andere? Hah! Hah sage ich! Mag ich im �brschwang bisweilen vielleicht ein wenig über das Ziel hinausschießen, so gibt es doch nur wenig, was die Dummheit im Handeln Setaous übertreffen kann.

Nandus, Nandus, schenke ihm Weisheit, Wissen, nicht nur in den Untiefen seines Gedächtnisses (das zugegebenermaßen besser ist als er verdient!!) zu vergraben, sondern bisweilen auch einmal in seinen Beständen zu graben und daraus Schlußfolgerungen zu ziehen, die seine (und unsere) Situation verbessern würde.

Und wo wir gerade dabei sind, Herr Boron, schenke mir Langmut!

Bisweilen bewundere ich Goran wirklich für seine ruhige Selbstbeherrschung, aber diese ganze Angelegenheit hat glaube ich auch er nicht gerne gesehen.

Doch nun, dieses Pergament ist nicht dazu da, meine Launen und meine Wut auszuhalten - auch wenn ich zugebe, daß es mich schon allein besänftigt, meine Wut einmal niedergeschrieben zu haben - sondern um als Chronik dessen zu dienen, was mir auf meinem Weg begegnet.

Also werde ich beginnen. Doch um zu verdeutlichen, was geschah, werde ich nicht aus dem beginnen, was ich selbst wußte, sondern aus dem was ich rekonstruierte, aus Erzählungen Lietos und Setaous (er kann tatsächlich sprechen, ist es nicht erstaunlich? Dumm daß er es zu spät tat!)

Wir beschlossen also, die Baustelle in dieser Nacht ein weiteres Mal zu überwachen. Iolaos, Goran und ich wollten die erste Schicht übernehmen, um dann später von Setaou und Lieto abgelöst zu werden. Zugegeben - im Nachhinein betrachtet war das eine hinreichend schlechte Idee, die Kombination auf diese Art zu wählen, aber ich hatte nicht mit der Unvernunft Setaous gerechnet. Gerade nach all dem was uns bereits... nun ich schweife ab, und auch wenn ich das Papier noch länger mit meinen wütenden Tiraden traktieren könnte, so werde ich davon doch besser erst einmal Abschied nehmen. Sonst komme ich überhaupt nicht dazu, zu berichten.

Also... Wir begannen unsere Wache auf der Baustelle und patroullierten zwischen Gerüsten und Gestängen hindurch. Ich gestehe, daß wir ein wenig unbedarft waren, und uns nicht so recht Gedanken gemacht hatten, was wir denn tun würden, wenn wir den Vampir enttarnt hätten. Gewißt hatten wir vage Vorstellungen von Donarien der Götter, von Licht, von Magie und frischem Holz, aber so weit, daß wir uns vorbereitet hatten ging das ganze zu unserer Schande im Endeffekt wohl doch nicht. Wir wanderten also recht unbehelligt über die geschäftige nächtliche Baustelle, in der Hoffnung, nirgendwo allzu sehr im Wege zu stehen, während sich Lieto offensichltich in Absprache mit Setaou auf eigene Wege begab. Er brach auf zum Haus des heute nicht diensthabenden Vorarbeiters Halman, das sich in der Stadt, fernab der Baustelle befindet, um zu beobachten, ob jener Arbeiter in dieser Nacht ruhig in seinem Bette schlief oder doch etwas anderes tun konnte. Und noch während wir uns mit einem vollkommen ratlosen Vorarbeiter Wolfhart befaßten, dem die Anspannung deutlich anzusehen war, und der nicht die geringste Ahnung hatte, warum es stets seine Schicht war, die von den Vorfällen heimgesucht wurde, sah Lieto Vorarbeiter Halman sein Haus verlassen und nutzte die Gunst der Stunde. Statt dem Mann zu folgen drang er in das Haus ein.

Wir drei, die wir auf der Baustelle blieben, hatten keine Ahnung vom Alleingang Setaous. Der Abend verlief recht langweilig, bisweilen erhielt ich finstere Blicke, wenn ich nach diesem oder jenem Prozeß fragte - obwohl ich es rasend interessant fand. Mir war bisher gar nicht bewußt, wie viele verschiedene Arbeitsschritte notwendig sind um einen derartigen Wall zu errichten! Nun ja, ich schweife ab. So schritt die Nacht voran, und selbst als Lieto nach zwei Stunden nicht von seinem Streifzug zurückgekehrt war, sah Setaou sich nicht berufen, uns darüber zu unterrichten. Er tauchte kurz auf der Baustelle auf - wohl um zu sehen, ob er da war - doch ehe einer von uns ihn hätte fragen können, war er schon wieder fort. Wir haben uns daran gewöhnt, daß Setaou nicht erklärt, warum er was in welcher Art und Weise tut und so sorgten wir uns nicht.

Offensichtlich ließ der Druide noch einige Zeit verstreichen, bevor er nachsehen ging, was mit Lieto geschehen sei - selbstverständlich, ohne uns davon zu unterrichten, der Tor!!

Es scheint als sei er also in das Haus selbst hineingedrungen, und fand den Weg hinab in den Keller. Dort fand er einen grausigen Raum vor, erhellt von einigen Fackeln, die diffuses und schummriges Licht warfen. Ketten hingen an den Wänden, im lehmigen Boden befanden sich verräterische Ausbeulungen, der süßliche Gestank von Verwesung hing in der Luft. Auf dem Boden fand er Lieto liegen, ohne Bewußtsein, mit den Malen eines Vampirbisses im Hals, Praios möge uns helfen! Er schien viel Blut und Kraft verloren zu haben, doch noch ehe sich Setaou fassen konnte, bemerkte er ein kleines, blondes Mädchen in einer Ecke des Raumes, das sich überaus geschwind auf ihn zubewegte.

Dies erklärte, wo sich die kleine Tochter des Vorarbeiters aufhielt. Das unselige kleine Mädchen war von dem Fluch der Vampire befallen worden und hatte Lieto dorthingehend manipuliert, daß er ihre Ketten gelöst hatte. Seine Freundlichkeit ist ihm schlecht bekommen, noch jetzt, wo längst wieder Tag ist und alle außer mir bereits in Schlaf liegen, sieht er erschöpft und blass aus, ich hoffe, es wird ihm bald besser gehen.

Nun, das Mädchen stürzte sich auf Setaou, doch es gelang ihm, das Kind lange genug aufzuhalten, um Lieto die Kellertreppe hinaufzuschleppen und die Tür abzuschließen.

Natürlich dauerte der Frieden nicht lange. Das Mädchen begann, an die Kellertür zu trommeln und die Situation geriet wohl vollends ausser Kontrolle, als der Herr des Hauses zurückkam und Lieto auf seinem Küchentisch liegend vorfand. Es stellte sich heraus, daß der Vorarbeiter Halman, mit dem wir gestern noch in aller Unschuld sprachen, ebenfalls eines dieser unheiligen Wesen war. Nandus möge mir helfen, wie gut sie sich verstecken können...

Nun, es entspann sich wohl ein Kampf, bis der Lärm von Nachbarn bemerkt wurde und sich eine Traueb von Menschen ausserhalb des Hauses sammelte. Glücklicherweise, muss ich für unseren törichten Gefährten sagen, denn die Gegenwart so vieler Menschen machte es dem Vorarbeiter schwer, weiter auf Setaou einzuprügeln, also wechselte er die Taktik, und das Klopfen seines Kindes gegen die Kllertür machten seine Anschuldigungen Setaous gegenüber unangenehm glaubwürdig.

Aber glücklicherweise schien der Fuchs unseren unglückselig dummen Gefährten noch nicht aufgegeben zu haben, denn die Kunde von dem Aufruhr an Vorarbeiter Halmans Haus erreichte auch die Baustelle und war für uns Grund genug, die Baustelle in dieser Richtung zu verlassen. Wir bahnten uns einen Weg durch die Menschenmenge, die, teilweise in Nachtgewändern, teilweise in hastig übergeworfenen Kleidern, das Haus umstand und kamen gerade noch rechtzeitig. Der Vorarbeiter - der Vampir, korrigiere ich mich zu sagen - ergriff die Flucht und von nun an war es leicht, das Feld zu übernehmen. Ich bezwang meinen �ger über die beiden und forderte energisch, daß ein Priester des Praios geholt werde. Schließlich tauchte der auf, und als wir dann die Kellertür öffneten, und wir den Geweihten baten, sich dem Kind zu nähern, zeigte das Mädchen, das sich seit Eintreffen der Menge wie ein normales Kind ihres Alters verhalten hatte, seine wahre Natur. Doch die Macht des Götterfürsten bannte den Vampir, und nichts als ein Aschehäufchen blieb zurück...

Schadensbilanz....

Lieto ist schwer verletzt, gebissen von einem Vampir und die Zwölfe und ihre himmlischen Kinder alleine mögen wissen, was dort noch an Spätfolgen nachkommen mag. Mittlerweile hat Lieto seine Ohnmacht verlassen, doch seinem Gesicht ist deutlich die Erschütterung anzumerken, die der Vorfall hinterlassen hat. Druide, du TOR!!

Nun ja, kehren wir zurück in das Haus. Wir weihten den Praiosgeweihten in das ein, was wir bisher herausgefunden hatten, und zu dieser seltenen Gelegenheit verwendeten wir den Siegelring des Herzoges, um die Möglichkeit zu erhalten, weiter in diesem Haus zu bleiben. In diesem Land gibt es nur wenige, die nicht der Travia ergeben sind. Und erst heute mittag mutmaßten wir, daß ein Traviaverfluchter wohl immer wieder zu seinem Heim gezogen würde.

Also bestand die begründete Vermutung, daß Halman bald in sein eigenes Haus zurückkehren würde. Eingedenk der Idee, daß man sich auf eine solche Bewegung ein wenig besser vorbereiten sollte, entzündeten wir ein Feuer im Herd. Herdfeuer mag einen Traviaverfluchten durchaus verletzen, und so statteten wir uns mit Fackeln aus und warteten.

Es war schließlich Iolaos, der uns zu sich rief.Und dort erwartete uns eine �erraschung. Der kleine Halbork, der uns jetzt shcno ein paar Mal begegnet ist, stand im Garten und deutete auf ein Gebüsch, in dem vage Schemen auszumachen waren, bevor er wieder die Flucht ergriff. Anscheinend versuchte er, sich bei Iolaos für das Essen, das er ihm überlassen hatte, zu bedanken.

Wir verließen das Haus und konfrontierten ihn. Er ergriff die Flucht, durch die ganze Stadt, bis wir ihn schließlich im Morgengrauen auf einem Feld außerhalb Altnordens stellten. Es schien, als sei er nicht in der Lage, sich weiter von seiner Heimat zu entfernen, so daß er sich gezwungen sah, uns zu stellen. Er verlangte Durchlaß, wir verweigerten. Und im Osten näherte sich die Sonne langsam dem Horizont. Wir griffen ihn mit den Fackeln an, doch er bekam mich zu fassen, und so spürte ich auch den unheiligen Kuß eines solchen Wesens.

Es ist ein seltsames Gefühl. Als verlieren die Beine jedweden Halt, ein Rausch voller Angst, aber nicht nur dies. Es scheint etwas finsteres in dieser Berührung zu liegen, etwas, das einen Teil meines Selbst jubilieren und einen anderen aufschreien läßt.

Und nicht zuletzt ist es das grausige Gefühl, als berühre etwas jenen geheimen Schrein in meinem Inneren, der nur dem Meister der Meister selbst gehören sollte.

Dämonisches, teuflisches, namenloses Werk. Ich wehrte mich und die nur wenige Sekunden dauernde Berührung wurde unterbrochen durch das Aufgehen der Sonne.

Doch nun beginne ich mich zu fragen, wo die Wurzeln der Vampire liegen. Wenn ich in Verbindung bringe, was mich berührte, was ich spürte, und was ich weiß, so bleibt mir nur eines.

Das Wirken des Namenlosen.... Nandus steh mir bei.

Querverweis zum Weiterlesen:
Das Ende der Unschuld- Schlaglichter aus dem Vorleben Iolaos' (Führt in den Bereich "Geschichten über Iolaos")
Wie ein Choral der Vergänglichkeit - Die Herkunft Setaous (Führt in den Bereich "Geschichten über Setaou")

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