Vorspann AoE Intermezzos Von Fuchs und Greif
Weißer Bärenpelz Rot von Blut Grausame Schönheit Nicht allein
Das Antlitz des Bösen Auge in Auge

Nicht allein

In dem man lernt, daß die Ereignisse auch andere riefen

(nächster Tag)

Moosgrund, ein kleiner Flecken zwischen Anderath und Mittenberge, an dem wir uns für die Nacht in einem kleinen Gasthof einquartiert haben. Auch hier sind Menschen verschwunden, dreizehn an der Zahl (schon allein die Anzahl der Menschen macht mich deutlich schaudern.

Prominentestes Beispiel für eine verschwindene Person ist wohl Helmtrude Blauhiller, eine Wachmännin, die auf ihrem Posten verschwunden ist. Am 27. Effert verschwand ein Holzfäller, ebenso wie der Sohn der Rondrageweihten dieses Dorfes. Am 29. Travia verschwand ein Fallensteller und am 23. Travia ein weiteres Mädchen. Außerdem kostete dieser Tage eine - und es ist schon schmerzhaft, das nur zu schreiben - achtköpfige Großfamilie getötet. Der Vater wurde auf dem Hof erschlagen während der Rest der Familie im brennenden Haus zu Boron fuhr.

Ein schrecklicher Tod...

Doch können wir zumindest wissen, daß jene, tragisch wie ihr Tod auch sein mag, sonst nirgends mehr Unheil anrichten werden. Sie sind in Borons Hallen, auf Einlaß in das der Paradiese wartend, das ihnen zugedacht wurde, ich nehme an, das der Peraine oder der Travia, auch wenn ich nicht vorschnell urteilen werde und will.

Der Vogt hier scheint recht ratlos zu sein, beziehungsweise ich denke, daß er dieselbe Vermutung hegt, wie wir auch oder wie beinahe jder der Offizielleren, mit denen wir bisher gesprochen haben. Allerdings teilt er wohl den merkwürdigen Brauch der Weidener, das �el nicht auszusprechen, um seine Aufmerksamkeit nicht zu erregen. Bei manchen Dingen mag das weise sein, hört man doch nur zu oft, wohin zu geringe Vorsicht führt. Aber hier... nun ja.

Der Wirt unseres Gasthauses war nicht ganz so vorsichtig. Immer noch durch eine profunde Angst und den Versuch der Verschleierung seiner Worte hindurch (was ihm, nebenbei bemerkt, nicht besonders gut gelang, offensichtlich war, was er aussagen wollte) gab er uns einen Hinweis, daß ein Mann, der sich mit Problemem wie denen Weidens im Moment auskennt. Meine Frage, ob er einen Vampirjäger meinte (natürlich konnte ich es mir nicht versagen, das Wort auszusprechen) ließ ihn zwar erbleichen, aber nicht leugnen. Also scheint es, als entspräche dies der Wahrheit. Der Vampir sei ein einfacher Mann mit einem Allerweltsgesicht, keine Beschreibung, anhand derer ich ihn wirklcih wiedererkennen würde, wen wundert dies....

Nun ja, offensichtlich ist er wieder fort, gen Süden, gen Mensheim, so wie uns alle Beschreibungen in diese Richtung zu leiten scheinen. Es ist fast beruhigend, daß der Weg vor uns so klar zu liegen scheint, oder werden wir letztendlich doch getäuscht?

Ah noch eine Kleinigkeit nebenbei, die mir gerade entfallen war... heute morgen, kurz nach unserem Aufbruch aus diesem Weiler, den ich zwar nicht verflucht nennen will, der für uns allerdings mehr oder minder nur schlechtes bot, wurde Pooki'i, Iolaos' Mischlingshund, von etwas aus dem Gebüsch angefallen, das sich hinterher als ein Goblinvampir herausstellte. Ein pfeil war nicht in der Lage, ihn zu verletzen, aber mein Ignifaxius tat gute Dienste und streckte ihn nieder. Wie seltsam daß die Tötung durch Magie dieses Mal funktionierte...

Fassen wir zusammen, was Moosgrund uns an Erkenntnissen brachte.

Einige Verschwundene und einige Tote. Die verbrannte Familie bin ich fast schon geneigt, einem Unfall oder einer anderen Ursache zuzuordnen, vampirisches Wirken kann ich in diesem nicht wirklich erkennen.

Die Seuche der Vampire beschränkt sich unter Umständen also nicht nur auf Menschen, es können auch Goblins und andere betroffen werden.

Offensichtlich gibt es Individuen, die sich noch besser mit dem was wir bekämpfen auskennen. Es wäre sicherlich weise, den Rat eines solchen Vampirjägers zu suchen. Ich nehme an er hätte viele, sehr viele nützliche Ratschläge für uns. Und da er in unsere Richtung läuft, wäre es keine dumme Idee, ihn zu versuchen, einzuholen...

Eine weitere interessante Theorie, die Goran noch äußerte war die, daß sich Vampire von bestimmten Auren angezogen fühlen. Nun ist der Begriff Aura ein ei nwenig mißdefinierter Begriff so daß ich mir nicht sicher bin, daß er und ich von der gleichen Sache sprechen. Aura kann das sein, was das Mal des Frevlers oder den Kuß eines Gottes trägt - das wäre es in theologischer Hinsicht. In weltlicher Hinsicht ist mir der Begriff alerdings auch schon im Zusammenhang mit einem Odem oder Oculus auf ein Wesen untergekommen, von anderen magischen Möglichkeiten der Hellsicht und Verständigung wie Blick aufs Wesen oder Sensibar noch ganz zu schweigen.

(nächster Tag, morgens)

Fast schon komme ich mir seltsam vor, ein weiteres Mal in einer rauchgeschwängerten Gaststube im ersten Licht des Weidener Wintermorgens zu sitzen und wiederum einen Bericht abzugeben über das, was Iolaos in dieser Nacht träumte. Vielleicht messe ich dem ganzen zu viel Bedeutung bei, ich kann es nicht unbedingt leugnen, noch widerlegen. Doch waren wir bisher niemals gut beraten, über die Träume aus unseren Reihen nicht nachzudenken, und zugegeben, selbst wenn Iolaos oft schlecht träumt, so ist das Motiv doch sonst immer das selbe. Und aufgrund der Groteske dieses Traumes will ich ihn hier wiedergeben, Papier ist geduldig, es wird nicht schaden und vielleicht nützen. Ihm träumte davon, daß Kaiser Hal vor ihm stand, in jedem der sechs Arme die er in diesem Traum hatte (??) ein schwarzes Schwert. Er kreuzte die Schwerter und ein siebtes kam von oben um sich zu einem Endprodukt zu vereinen, das verborgen blieb. Dohc wachte Iolaos mit einem beruhigten Gefühl auf, so als sei das, was er gesehen habe, gut gewesen. Sechs? Sieben? Wieso denke ich da unwillkürlich an die Heptalogie der Elemente? Die Sechse die uns heute bekannt sind, und das siebente, die Kraft, freigesetzt durch den Frevel Madas. Sechs ist Eins ist Sie, sagt man über Hesinde.... Mag es sein daß unsere Rettung in den Elementen liegt?

(derselbe Tag, abends)

So sind wir nun in Baliho angekommen, in den letzten Strahlen der untergehenden Wintersonne, kurz, bevor die Kälte der Nacht uns endgültig einhüllt und nicht mehr gehen lässt. Mutter Linai beherrbergt uns im Tempel der Travia, einem Ort, der uns schon vertraut ist und so fast einen sicheren Hafen darstellt. Die Gastfreundschaft hier ist nicht nur sprichwörtlich sondern im wahrsten Sinne auch gottgegeben, so daß wir uns in einem kleinen Zimmer mit Kamin wiederfinden, das vor Wärme glüht. Mutter Linai hat uns die hier so bekannten Willkommensspeise aus Brot und Knoblauch erspart, etwas, wofür ich ihr nicht genug dankbar sein kann. Stattdessen steht nun eine dampfende Suppe vor jedem von uns und ich fühle mich beinahe wie neugeboren in diesem Tempel. Kein Wunder, daß hier oben die Göttin der Gastfreundschaft so hoch geschätzt wird. Vielleicht lehrt mich dieser Winter erst die rechte Furcht vor der Travia.

Ein ereignisreicher Tag liegt hinter uns, so wie Weiden sich bisher entgegen jeen Anscheines als ereignisreiches Land herausgestellt hat - vielleicht ist es gerade wegen seiner scheinbaren Harmlosigkeit, daß sich hier dermaßen viel ereignet. Im Lieblichen Feld hätte ein Vorgang wie Dragenfeld vielleicht einen ganz anderen Klang gehabt.

Aber ich schweife ab.

Wir brachen heute morgen also von Moosgrund auf, um uns an die Fersen dieses Vampirjägers zu heften, der uns offensichtlich einen Tag voraus ist. Trotz strahlenden Sonnenscheines war es klirrend kalt, und ich hatte einige Mühe, mich gut genug einzupacken, um dem Frost für den Tag über zu trotzen.

Wir waren vielleicht zwei oder drei Stunden gen Süden geritten um kurz vor Baliho dann den Pandlarin zu überqueren, als wir in der strahlenden, fast schon schmerzenden Helligkeit des Vormittages in der Ferne eine Gestalt taumeln sahen. Mühsam einen Fuß vor den nächsten setzend erblickten wir dort eine Person, wie sie deplatzierter im schneebedeckten Weiden kaum wirken konnte. Ein Mann in tulamidischer Kleidung, nur einen Kamelhaarmantel, um sich vor der Kälte zu schützen. Seine Finger zeigten bereits deutliche Spuren der Kälte und offensichtlich hatte der Frost bereits seine Glieder geschwächt. Wir waren kaum heran - erschöpft wie er war reagierte er auf keinen unserer Rufe - als er im Schnee zusammenbrach. Setaou und ich stiegen ab um ihm beide auf unsere Art zu helfen, und während ich einen Balsam Salabunde anwandte, um seinen Gliedern wieder ein wenig Festigkeit zu geben wirkte mein Begleiter einen Zauber, der den Fremden vor dem Zorn des Firun schützen sollte. Eine schnelle Inspektion seines Gepäckes in der Hoffnung, einen Hinweis auf die Identität des Bewußtlosen zu finden, förderte Erstaunliches zutage. Nicht nur fiel uns das Buch der Abschwörungen in die Hände - ein Foliant, den ich selbst schon mehr als zu Genüge verwandt habe, um mich in meinem Wissen der Contramagia weiterzubilden (es bietet eine erstaunliche Vielfalt an Matrices zur Entschwörung von Jenseitigen, mit vielen hilfreichen Anmerkungen zu den genaueren Strukturen), er trug auch eine Reihe astrologischer Berechnungen bei sich, über die ich nur kurz hinübersah, denn es fehlte die zeit, mich näher damit zu befassen und zu enträtseln, was der Fremde wohl in den Sternen suchte, da er immer noch vollkommen unterkühlt zwischen uns lag und wohlmehr Aufmerksamkeit benötigte als die Folianten, so groß mein Interesse auch gewesen sein mag. Die dritte Schrift, die wir fanden jedoch konnte ich so ohne weiteres nicht beiseite legen. Denn - Nandus sei gelobt - dort fand sich eine Abschrift der ersten drei Verse der Fasarer Orakelsprüche. Ich schrieb sie ab, bevor ich mich weiter um den Magier kümmerte, der langsam erste Zeichen des Erwachens zeigte, ignorierte die verständnislosen Blicke, die ich von Goran und Lieto erhielt - erstaunlicherweise hatte Setaou diesmal diesbezüglich keinen kritischen Blick für mich übrig. Ich legte die Pergamentrolle zurück und wandte mich wieder dem Magier zu. Seine blaugefrorenen Lippen begannen langsam wieder eine normalere Farbe anzunehmen und schließlich schlug er die Augen auf - um sich meinen zugegebenermaßen vermutlich recht ungeduldigen und unangenehmen Fragen gegenüberzusehen. Das Zeichen in seiner Hand ließ auf die Pentagrammaakademie zu Raschtul schließen, und dies bestätigte er auf höchst eindrucksvolle Weise. Wir hatten Deschelef ibn Jassafar getroffen, die Spectabilität der Pentagrammaakademie. Ein wahrhaft erstaunlicher Gast in diesen Breiten, und umso erstaunlicher, als wir erfuhren, warum er hier war. Er behauptete, er sei vom Elementarherrn des Erzes vor einer Katastrophe gewarnt worden, woraufhin er mit dem Studium der Prophezeiungen begonnen habe. Auf der Spur von Liscom von Fasar gelangte er schließlich nach Weiden, um herauszufinden, was in Dragenfeld geschehen ist. Eine seiner Bemerkungen brachte mich auf einen merkwürdigen Gedanken.

Seit einiger Zeit kursiert in Punin eine neue Theorie in bezug auf die magische Beschaffenheit der Welt. Während meinem Aufenthalt am Pentagrammaton, der schon einige Jahre zurückliegt, erfuhr ich das eine oder andere über die Theorie der Kraftlinien. Im wesentlichen verbirgt sich dahinter die Beobachtung, daß die Welt von Kraftlinieen durchzogen ist, Führungslinien magischer Flüsse, deren Bedeutungen und Möglichkeiten bisher zumindest von Menschen noch kaum erforscht sind (ich wage nicht, eine größere Aussage in bezug auf Elfen, Echsen oder noch ältere Völker zu treffen...). Ich vermag nicht viel darüber zu sagen, da ich mich damit nur am Rande beschäftigt habe, doch scheint es, als symbolisierten diese Linien einige bestimmte magische oder kosmologische Phänomene, deren Anrufung in der Nähe einer solchen Kraftlinie leichter sei. Ein Oculus Astralis oder unter bestimmten Umständen auch ein Odem Arcanum ist wohl in der Lage, die Kraftlinien zu erkennen (ersteres kann ich bestätigen, mein Oculus zeigte eine in leuchtendem Rot der Magie verlaufende Spur den Pandlarin entlang). Spectabilitas ibn Jassafar berichtete, daß diese Kraftlinie mit Satinav assoziiert sei, und von Dragenfeld hier entlang verlaufe. Diese Erkenntnis gemeinsam mit der Vermutung, daß sich vielleicht auch das Übel entlang dieser Kraftlinie ausbreitet, gibt mir ganz neue Möglichkeiten der Interpretation. Mag es sein, daß das was hier geschah, in Dragenfeld seinen Ausgang nahm und sich dann entlang der Linie der Macht durch Weiden bewegte? Und wenn ja, was ist es das wir suchen? Ist es wirklich das, was ich bisher noch nicht zu nennen wage?

Geduld, Geduld. Ich konnte und mochte den Magister nicht weiter bedrängen, denn die Kälte hatte ihn so sehr geschwächt, daß er beinahe das Bewußtsein verlor. Wir halfen ihm auf Lietos Pferd und brachten ihn so nach Baliho, wo wir ihn fürs erste der Obhut Mutter Linais übergeben haben. Goran und ich machten die übliche Runde bei den Offiziellen der Stadt - es hat sich herausgestellt, daß seine respektable Schweigsamkeit einen guten Gegenpol zu meiner zugegebenermaßen bisweilen überschäumenden Eloquenz und Neugier darstellt und wir ein recht gutes Paar abgeben, um Informationen zu erhalten. Hier in Baliho scheint es keine neuen Kreaturen zu geben, allein Todesfälle sind hier vorgefallen und dies ist zugegebenermaßen schon traurig genug.

2 Huren sind gestorben, die eine am 16. Praios, die andere am 2. Rondra. Wiederum war die Todesursache nicht feststellbar - ich nehme an daß wir es auch hier mit Vampirbissen zu tun haben. Am 30. Rondra wurde ein Angestellter des Nordstern zerfetzt aufgefunden. Am 27. Efferd starb eine weitere Gesellschaftsdame (ich nehme an das ist nur eine vornehme Bezeichnung für die Damen des horizontalen Gewerbes), am 26. Travia fand man einen Unbekannten tot am Pandlaril. Am 28. Efferd, also nur kurz nach der Gesellschaftsdame, fand ein Pelzhändler auf grausame Weise den Tod, am 29. Rondra starb eine Bauerntochter.

Ich muß meine Aufzählung dessen, was geschehen kann bei einer Begegnung mit einem Vampir wohl auf drei aufstocken, wobei mir die Unterscheidungen noch nicht so ganz klar sind. Zum einen kann man selbst mit dem Fluch infiziert werden. Zum zweiten befördert einen der Biß eines Vampirs durch den Verlust von Lebenskraft auf recht abrupte Weise ins Jenseits. Und zum Dritten mag man den Tod finden durch Blut und Gewalt..

Sind es die, die sich wehren, die auf diese Art sterben? Ich bin mir nicht sicher, es passt nicht zu allen. Oder hängt es von dem Vampir ab? Von der Situation? Ich hoffe, daß sich dies noch klären wird. In jedem Fall erhielten wir auch hier den Hinweis auf Mensheim.. und auf Harpyen, die sich in diesem Jahre aus dem Finsterkamm hinunterwagen. Ich nehme an, wir werden schlicht weiter nach Süden gehen müssen. Das �el muss eine Wurzel haben, und aller Erfahrung nach findet man die, wo das �el am Größten ist. Bauernschläue? Aller Weisheit des Meisters der Meister zum Trotz steckt viel Wahrheit in dem was das Volk sagt. Es ist dumm und arrogant, ihm nicht zumindest einen Gedanken zu geben. Abgesehen davon, daß wir, wenn wir jeder Kleinigkeit nachgehen, in Gefahr laufen, uns zu verzetteln...

Also denke ich, daß wir morgen wiederum diese gastlichen Gefilde mit den eisigen Winterlandschaften Weidens vertauschen werden. Mutter Linai bot uns an, daß die Spectabilität ibn Jassafar fürs erste bei ihr bleiben kann. Der Herrin der Gastfreundschaft sei wahrlich Lob und Dank! Iolaos geht es immer noch schlecht. Ich habe ihn vorhin im Stall gesehen, wo er die Pferde versorgte, und ich denbke ich kann mit Fug und Recht behaupten, daß mein Haar niemals so sorgfältig gebürstet wurde (und meine Amme war pingelig!) wie das Fell des Pferdes von Iolaos. Fast, als wolle er uns nicht begegnen...

Warum nur, warum konnte ich ihm nicht helfen? Törichtes Kind, das ich bin...

Ich wünschte wirklich, ich könnte etwas tun...

Der Schmerz in seinen Augen ist unerträglich.

Intermezzo an dieser Stelle: Ein Rätsel mehr

(nächster Morgen)

Etwas stimmt nicht mit Iolaos...

Er träumte einen seltsamen Traum. Es scheint als bestehe sein üblicher nächtlicher Horror darin, daß er der Magierin begegnet, die ihm so übel mitspielte, und als versuche er, sie zu töten. Doch diesmal war es so wie er sagte, ich, die er tötete.

Das beunruhigt ihn... verständlich... oder glüklicherweise für mich?

Doch das ist nicht alles... die Art wie er mit mir sprach... die Art wie er mich ansah...

Logik, Esybilla, Logik, alles andere mag dich hier umbringen.

Nandus, Meister der Meister, gebe mir Kraft, nicht zu viel darüber nachzudenken und führe uns sicher durch dieses Labyrinth...

(der nächste Abend)

Wir sind kaum vorangekommen an diesem Tag, weder im wörtlichen, noch im übertragenen Sinne, denn ich fürchte, daß wir uns nur einige Stunden südlich von baliho befinden - un dwenn ich das Wetter dort draußen ansehe, dann heißt einige Stunden wohl, daß die Stadt noch gar nicht so lange aus unseren Augen verschwunden ist.

Und obwohl uns Dinge aufhielten, die nicht viel fester verwoben sein könnten, mit dem, was wir hier verfolgen, ist vor allem Trauer das Gebot der Stunde.

Es ist ein Tag Gorans gewesen, keiner für mich...

Wir brachen auf mit dem ersten Sonnenstrahl, wie es unsere Art ist, seit wir uns in diesen Landen befinden, jeden Funken des Praioslichtes nutzend, um so viel wie möglich im Tageslicht zu erledigen. Ich weiß nicht, wie viel Wahrheit in den Gerüchten steckt, daß Sonnenlicht die Vampire tötet, doch ir scheint die Theorie nicht ohne Verstand. Ich kann mir in meinen kühnsten Träumen nicht vorstellen, daß der Götterfürst eine derartige Widerwärtigkeit dulden oder gar gutheißen würde, und so mag es sein, daß der Zorn seines Auges Vampire abhält, verschreckt oder gar tötet.

Nun wie auch immer, ich schweife ab. Wir brachen also im ersten Licht des Tages auf, gen Süden den Pandlaril entlang, wie wir es schon seit Tagen tun. Ein leichter Schneefall senkte sich auf uns hernieder, still und deckend wie so oft in diesem Land. Die ersten Stunden kamen wir gut voran, der über Nacht festgefrorene Schnee eine sichere Decke unter den Hufen unserer Pferde - ich muß meine tapfere Zuita wahrhaft loben, die standhaft wie ein Orklandpony - von gelegentlichen Streitereien mit Ziege, Iolaos' unbotmäßigem Pony abgesehen - durch den Schnee stapft. (Ich werde das Gefühl nicht los, daß ihr der Stolz vieler Horasier innewohnt, der sie in Zeiten des Überflusses der Dekadenz anheimfallen läßt, in Zeiten der Not jedoch erstaunliches zutage fördert - möge Nandus geben, daß auch ich diese Stärke besitze, ich fürchte fast, ich kann sie brauchen!)

Es war Lieto, natürlich Lieto, der die merkwürdige Schneeverwehung am Wegesrand entdeckte, die letztendlich keine war. Denn dort, unter Eis und Frost, lag ein Mensch, von Kälte erstarrt, allen Lebens beraubt. Groß war mein Entsetzen, als ich die Gewandung erkannte, die der Fremde trug. Die Hose, die Tunika im der Allwissenden gefälligen Grün, der Schlangenreif um den Hals, , das gemeinsam mit der Fibel der Schlange machte mir deutlich, wen ich vor mir hatte. Dort, im Schnee, erfroren und erstarrt, lag ein Mitglied des Draconiterordens, des Kampfordens der Mutterkirche der Allwissenden, und Tsas Funke war lange aus ihm gewichen. Wir untersuchten ihn soweit es uns möglich war und fanden seinen Schlangenreif aufgebogen, Material und Hals seltsam verschmort, als sei er einem Feuer zu nahe gekommen.

Ich denke ich muß auch für mich nicht mehr erwähnen, was wohl das Schicksal dieses Mannes darstellt. Hesinde, was ist deinem Diener in diesen Landen passiert?! Wir durchsuchten ihn nach seinem Buch der Schlange, nicht nur aus reiner Neugier, es ist auch die Geweihte des Sohnes der Allwissenden in mit, die die Verpflichtung verspürt, das Buch heimzubringen in die Hallen nach Kuslik, wo es nach Weisung Hesindes aufbewahrt werden soll, damit das Wissen und die Erfahrungen ihres Dieners nicht umsonst bleiben.

Doch umsonst waren meine Bemühungen, vergeblich mein Streben. Denn sein Buch der Schlange blieb unauffindbar. Und so bleibt das genaue Schicksal des Fremden im Dunkeln, auch wenn wir wohl getrost befürchten können, daß auch er durch einen Vampir zu Tode kam.

Wir suchten die nähere Umgebung des Körpers ab und zwei merkwürdige Dinge fielen mir auf. Zum Einen scheint der Fremde mit seinem eigenen Blute etwas in den Schnee geschrieben zu haben. Es war nur schwer zu erkennen, hat doch der morgendliche Schneefall viele Spuren wieder zerstört, doch scheint es, als sei dort in mehrerlei Sprachen (warum um alles in der Welt das? War er gar ein versteckter Anhänger meines Herrn und stellte ein Rätsel für seine Nachwelt? (Nur um es deutlich zu machen, ich scherze, in einer solchen Situation wie der in der er sich wohl befand, würde wohl niemand ncoh an die Verschlüsselung denken, so es nicht nötig ist...))

Dort fand sich die Rune des Zhajad für Kz, dann etwas das ich nicht entziffern konnte, ein a in Kusliker Zeichen, wiederum Unlesbares, gefolgt von einem aj...

Den Rest des Tages habe ich mir den Kopf zermartert, was dort wohl gestanden haben mag, aber ich bin zu keinem wahrhaftigen Ergebnis gekommen...

Hesinde, was wollte dein Diener uns mitteilen?

Das zweite Vermächtnis, das der Draconiter uns indirekt überließ war ein Stab, etwa ellenlang, mit drei darin eingelassenen Steinen. Dort findet sich ein Stein mit dem Greif des Praios, einer mit dem Rad des Boron und schließlich einer, der das Symbol Madas zeigt.

Ich habe einen Teil des Nachmittages, den wir in einem kleinen Weiler nicht weit von der Unglücksstelle verbrachten - doch dazu mehr zu späterer Stunde - damit verbracht, zu versuchen, hinter das Geheimnis dieses Stabes zu kommen.

Odem und Analys offenbarten eine schwindende Struktur, in den Stab eingelassene Matrices, die, ausgelöst, nun im Schwinden begriffen waren. Ich vermute einen Hellsichtzauber, auelfischer oder waldelfischer Natur, doch die Applicatio an sich ist mir gänzlich unbekannt. Was sollte dieser Stab erkennen oder finden? Geht es hier wiederum um die Kraftlinie des Satinav? Oder war der Stab gar in der Lage, jene Wesenheiten zu erkennen, die wir suchen?

Nun, was immer dieser Stab einst konnte, nun kann er es nicht mehr, die Matrices verschwunden und verblasst, und so ist es nur noch eine Waffe, eine starke und von den Göttern geschützte Waffe wohl. Ich habe versucht, Sinn aus den sich mir darbietenden Symbolen zu machen. Praios mag wohl die Wahrheit und Gerechtigkeit widerspiegeln. Das Boronsrad in der Art wie es hier aufgemeißelt ist, erkannte Goran als oft in Schutzritualen vor Besessenheit verwendete Interpretation des Symboles. Das Madasymbol letztendlich mag vor Unheiligem schützen, vor unheiliger Magie vielleicht gar, legte die Göttertochter doch den Sterblichen die Magie in die Hände um sie zu ihrem Willen zu haben, nicht um durch Unheiliges zu Schaden zu kommen.

Mehr wird vielleicht eine spätere Analyse zeigen, so ich denn die Zeit noch finden mag. In jedem Falle loden wir den Körper des Geweihten auf eines der Pferde, um ihn auf dem nächsten Boronsanger seiner Ruhe zuzuführen. Nur wenig darauf erreichten wir einen kleinen Weiler, in dem der Draconiter wohl auch nicht ganz unbekannt war. Es scheint er befinde sich hier schon, seit die ersten Fälle von verschwundenen Menschen bekannt wurden. Er jage angeblich unheilige Kreaturen - und das glaube ich sogar. Woher er kam oder in wessen Auftrag er unterwegs war wußten sie nicht, und ich denke das wird man mir erst, wenn überhaupt, in Kuslik sagen können. Gibt es in Weiden überhaupt einen einzigen Hesindetempel? Ich weiß es nicht und ich habe meine Zweifel...

Wir betteten den Fremden zur letzten Ruhe. Goran sprach die Riten und ich unterstützte ihn dabei, denn auch wenn es Golgaris Schwingen sind, die ihn tragen werden, so hoffe ich doch daß er Einlaß finden wird in das Labyrinth der Allwissenden. Möge Hesinde ihn aufnehmen und möge ihm Frieden beschert sein...

Der Tag neigt sich dem Ende zu und ich sehe, daß die anderen sich zum Schlafen bereit machen. Iolaos straft mich seit er mir von seinem gestrigen Traum erzählte, beinahe mit so etwas wie stummer Verachtung und ich frage mich, was ich ihm getan habe.

Nordländer!
Und uns Frauen sagt man nach, wir seien launisch!!!

Querverweis zum Weiterlesen:
Das Ende der Unschuld- Schlaglichter aus dem Vorleben Iolaos' (Führt in den Bereich "Geschichten über Iolaos")
Wie ein Choral der Vergänglichkeit - Die Herkunft Setaous (Führt in den Bereich "Geschichten über Setaou")

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