Vorspann AoE Intermezzos Von Fuchs und Greif
Weißer Bärenpelz Rot von Blut Grausame Schönheit Nicht allein
Das Antlitz des Bösen Auge in Auge

Grausame Schönheit

In dem Esybilla den Preis von Fehlern lernt

(am nächsten Nachmittag)

In der Scheune eines Hofes, der in eienm Weiler steht, kaum zehn Gebäude zählend, machen wir Rast vor Schnee und Kälte und ich nehme mir die Zeit, um zu rekapitulieren, denn etwas seltsames ist geschehen.

Wir sind nicht mehr alleine.

Wir ritten durch den verschneiten Wald, als Lieto als erstes bemerkte (und kurz darauf wir alle), daß etwas großes über uns hinwegflog, kurz streifte ein Schatten den Boden, über den wir liefen. Wir hoben die Köpfe um zu sehen was diesen Schatten warf, doch da war er schon jenseits der Bäume verschwunden, die uns von allen Seiten einschlossen, und durch die einzig unsere Straße eine erkennbare Schneise bildete. (An und für sich ist das glücklich, im Schnee wäre es sonst grauenhaft, die Strasse überhaupt noch zu erkennen...) Gerade waren wir dabei zu überlegen, ob es sich lohnen würde, den Schatten zu verfolgen, als aus dem Wäldchen ein Schrei ertönte, der unsere Überlegungen selbstverständlich sofort beantwortete. Wir wendeten unsere Pferde und ritten auf das Wäldchen zu, als von dort eine Elfe auftauchte, blaß, vollkommen unbekleidet, frierend, erschöpft. Ein wahrhaft kurioser Anblick.

Selbstverständlich nahmen wir sie auf und kümmerten uns um sie, oder, um es genauer zu sagen, Iolaos tat das zuerst, wahrscheinlich deshalb, weil er einfach der einzige war, der sich schnell genug von seiner Überraschung wieder erholte. Und so sitzt sie nun hier in seinen Mantel gehüllt, der sie wenigstens ein bißchen von der Kälte abschirmen sollte.

Ihr Name, den sie uns nannte, ist Lysiera, und sie behauptet, eine Firnelfe aus Fryorn am Blauen See zu sein... auch wenn ich gestehen muss, daß ich nicht genau weiß, wo das ist. Ich sollte einmal Lieto fragen, irgendwie denke ich, daß er es weiß...

Auf jeden Fall schien sie recht verwirrt und verstört, scheinbar ein wenig desorientiert. Es scheint als sei sie auf der Suche nach einigen.. nun es werden wohl Abenteurern sein... die ihr vor einiger Zeit geholfen haben. Wie lange das her ist, kann ich bisher nicht beurteilen, vielleicht werde ich es herausfinden, wenn sie sich ein wenig erholt hat. Auf jeden Fall schien sie gefangen gewesen zu sein, von einem Magier, wenn ich das richtig verstehe. Bei Nandus, hier im Norden gibt es wohl eine ganze Reihe finsterer Geheimnisse, so düster wie das Land selbst...

Wie auch immer, jener Magier beschäftigte sich wohl mit Experimenten, mit Chimären...

Zurbaran sei sein Name, sagte sie, und so findet ein weiterer Name seinen Platz auf meiner Liste derer, die die Kunst zu mißbrauchen wagen.

Wie auch immer, schließlich entkam sie. Sie eilte als Taube über das Land... Ich habe gehört, daß die Elfen einen Zauber kennen, mit dem sie sich selbst Tiergestalt geben können, vermutlich handelt es sich hier darum. Sie eilte also in Taubengestalt gen Süden, überflog dieses Gebiet hier wurde von einem Drachen... überholt? Angegriffen? Ich bin nicht sicher, daß ihre Kenntnis unserer Sprache ausreicht, um zu sagen, was sie sagen will, auf jeden Fall zerbrach wohl ihr Zauber.

Und so begegnete sie uns. Sie scheint einen Narren an Iolaos gefressen zu haben, macht dem Gerücht, daß Elfen wesentlich freizügiger als unsereins sind, alle Ehre. Nun, wenn sie unbedingt meint... wer weiß was sie erlebt hat. Sie ist in jedem Falle ein sehr seltsames Geschöpf, doch ich hatte bisher wenig mit wahren Elfen zu tun, vielleicht liegt hier der Grund dafür, warum sie mich so wunder nimmt.

Man könnte fast meinen daß sie...

Ach ich denke nur wieder Unsinn zusammen. Das muß das Wetter sein, das mich wahrhaft unleidlich macht.

Lieto und Setaou denken darüber nach, die Spur des Drachen zu verfolgen und ich gebe zu, daß ich das auch gerne sehen würde. Ich denke ich werde mit ihnen gehen.

Untätig in einer Scheune zu sitzen ist wohl nichts für mich...

(Eintrag ohne Datum)

Idiotie! Starrsinn! Grenzenlose Dummheit!!

Wunderbar, so habe ich wohl ein weiteres Mal einen glorreichen Beweis abgeliefert für meine Unfähigkeit und mein unbeherrschtes Verhalten. Möge mir jener der Himmlischen verzeihen, der will, meine unbeherrschte Unvorsicht ist wirklich mit nichts mehr zu vergleichen!!!

Es ist eisig hier draußen, und aus der Ferne höre ich das grobe, regelmäßige Klingen einer Axt gegen Holz in der Dunkelheit.

Iolaos...

Und es ist meine Schuld.

Bin ich nicht dazu da, zu schützen? Bin ich nicht dazu da, Schild zu sein?

Ein wunderbares Schild, das nicht da ist, wenn es gebraucht wird.

Langsam beginnt die Kälte in meine Glieder zu dringen, meine Finger beginnen, steif zu werden. Geschieht mir recht. Es ist das mindeste, was ich tun kann, hier draußen zu bleiben und auf ihn acht zu haben.

Bitter ist die Bürde, die ich mir selbst auferlegte, ehrlich Rechenschaft abzulegen über das, was meinen Weg kreuzt und es sträubt sich mir die Feder, von meiner eigenen Dummheit und Unfähigkeit zu berichten, doch auch dies gehört zu dem, was ich auf mich genommen habe und so will ich es getreulich tun.

Ich verließ also die Scheune, ohne einem der anderen über meinen Aufenthaltsort Bescheid zu geben. Ich sage dies ohne Stolz, doch ich hatte die Befürchtung, daß man mich zurückhalten würde in dem was ich tun wollte, und natürlich hatte ich recht.

Nun gut, ich brach also auf, dicht gefolgt von Goran, der mich wohl nicth gehen lassen wollte.

Wir gerieten in Streit.

Seltsam daß nun, da es vorbei ist und mit desaströsem Ausgang, ich nicht mehr Worte für die Diskussion finde, die wohl über eine Stunde lang gedauert haben muss. Aber ich habe nicht mehr...

Wir stritten darüber daß ich gehen wollte. Daß er mir nicht zutraute unauffällig zu handeln. Daß er mir keine Vorsicht zutraute.

Nun.. kurz und gut, ich geriet in Wut, ich weiß selbst, daß mein Temperament und meine Neugierde bisweilen schwer zu zügeln sind. Vielleicht war es auch meine Sorge, daß Setaou, der ja nun aufgebrochen ist zu dem Landeplatz des Drachen, mir nichts sagen würde. Ich habe nichts dagegen daß er seine Geheimnisse wahrt. So ist der Weg seiner Profession und er soll ihm folgen so wie ich dem meinen folge. Doch wenn etwas für uns von Bedeutung ist, dann wäre es durchaus an ihm, uns dies zu sagen.

Doch das tut er nicht. Er hat es noch niemals getan

Und eines Tages wird daraus noch einmal großes Unheil erwachsen.

Nun, ich ergehe mich in Ausflüchten. Ich stritt mit Goran aus welchen Gründen auch immer und vernachlässigte meinen Verstand, meine Instinkte und das Versprechen das ich gegeben hatte.

Denn als wir schließlich zurück in die Scheune kehrten, fanden wir Iolaos zerschrammt und voller kleiner Blessuren bewußtlos auf dem Boden vor...

Ich scheue mich, zu schreiben, was ihm wohl passiert ist, doch scheint es, als habe jene Elfe ihn ausgenutzt auf eine abscheuliche, widerliche Art, die mich an jenen Zauber erinnert, den man Hexen nachsagt, im Liebesspiel die Lebenskraft des Opfers zu rauben. Warum bin ich weggegangen? Warum? Wo ich doch ein schlechtes Gefühl hatte, irgend etwas an der Szene mich verstörte. Ich bin nicht prüde, man kann wohl kaum im Umkreis liebfeldischer Adeliger aufwachen, ein waches Auge haben und das sein, aber irgend etwas hat mich von vorneherein an dieser Elfe gestört.

Aber ich habe ja beschlossen es zu ignorieren. Ja, ich bin zornig auf mich und zurecht, und noch umso mehr, weil es Iolaos getroffen hat. Denn ich weiß, daß dieser Vorfall Salz in eine schon vorhandene Wunde streut und sie nur umso mehr schmerzen lässt. Warum war ich nur so unachtsam???!!

Und warum treffen die Konsequenzen ihn? Und nicht mich, so wie es gerecht wäre?

Man könnte beginnen, zu hadern...

Bei Firun, es ist eisig hier draußen. Meine Finger sind ganz weiß und das Schreiben wird mit jedem Moment schwieriger. Das Licht ist nur spärlich und wenn das so weitergeht, dann wird auch das kleine Windlicht,d as sich noch tapfer gegen den Luftzug hier stemmt, irgendwann auch noch ausgehen. Muß es in diesen Ländern aber auch so grauenvoll kalt sein...

Iolaos scheint seinen Zorn kaum zu besänftigen. Das Schlagen der Axt ist nicht schwächer geworden, und wahrscheinlich ist ihm nicht halb so kalt wie mir... Ich kann seinen Schemen dort hinten erkenenn und versuche, ihn stets mit im Auge zu haben. Wer weiß was in einer solchen Nacht unterwegs ist...

Schluß mit den Selbstvorwürfen, ich muß mich selbst zurechtweisen.

Denn es gibt noch mehr zu berichten.

Ich kümmerte mich gemeinsam mit Goran um Iolaos, der zu diesem Zeitpunkt noch bewußtlos war, als Lieto und Setaou - mehr oder minder unverrichteter Dinge - wieder von ihrem Gang zurückkehrten. Offensichtlich hatten sie den Landeplatz des... ich nenne es einmal Drachen... entdeckt, doch dort keine weiteren Hinweise gefunden. Nun allerdings folgten sie den Spuren, die die Elfe hinterlassen hatte, um sie aufzuspüren und zur Rechenschaft zu ziehen.

Doch die Schritte im Schnee (das erste Mal, daß ich um den Schnee dankbar war - er machte die Spuren leicht zu folgen) führte nur zu einer weiteren offenen Stelle an denen ähnlcihe Spuren wie am Landeplatz eine Stunde weiter nördlich zu sehen waren.

Grundgütiger Nandus... eine Elfe, die ind er Lage ist, sich in eienn Drachen dieser Größe zu verwandeln? Ich dachte, der Zauber beschränke sich auf Tiere? Oder... was für ein Wesen ist es, das wir hier getroffen haben? Mit welchen Zielen?

Nandus, was für Wesen sind in diesem Land unterwegs??

Ich schaudere und es ist nicht nur die Kälte.

Mag diese Erkenntnis auch gegen meinen Zorn zunächst zurückstehen, nun da ich die Fakten niedergeschrieben und einmal darüber nachgedacht habe... das ist ungeheuerlich!!

Die Tür der Scheune öffnet sich leise.

Goran, den Zwölfen (wegen mir auch dem Düsteren, dem er dient) sei Dank für ihn. Er kommt mich ablösen, so daß ich noch ein wenig schlafen und mich vor allem aufwärmen kann. Es widerstrebt mir, mich nun schlafen zu legen und Iolaos hier draußen alleine zu lassen, aber ich weiß daß ich gegen die Kälte hier draußen anfällig bin. Es hilft niemandem etwas, wenn ich wieder krank darniederliege...

Querverweis zum Weiterlesen:
Das Ende der Unschuld- Schlaglichter aus dem Vorleben Iolaos' (Führt in den Bereich "Geschichten über Iolaos")
Wie ein Choral der Vergänglichkeit - Die Herkunft Setaous (Führt in den Bereich "Geschichten über Setaou")

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