Vorspann AoE Intermezzos Von Fuchs und Greif
Weißer Bärenpelz Rot von Blut Grausame Schönheit Nicht allein
Das Antlitz des Bösen Auge in Auge

Weißer Bärenpelz

In dem niemand zu entrinnen vermag

7. Travia 23 Hal

Seltsame Kunde hat uns heute erreicht, unerwartete, erstaunliche Kunde in Form eines Beilunker Reiters, uns heute hier, in Punin, in der kleinen Herberge Rashtulsblick, in der wir uns im Moment immer noch aufhalten, aufgespürt hat. Nun, ich nehme an, daß wir nicht schwer zu finden gewesen sind, hat doch wohl zumindest Goran im Tempel des Boron am Platz des Schweigens eine Adresse hinterlassen, unter der er zu finden sei, wenn er sich nicht bei den Seinen aufhält und auch ich habe Nachricht in die Heimat gesandt, als klar wurde, daß wir hier wohl einige Zeit sein werden.

So ist die Frage, wie uns jener Reiter aufspürte, also schnell beantwortet und ich kann übergehen zu der Botschaft, die er jedem von uns brachte, und die uns in nicht unerhebliches Erstaunen stürzte. Offensichtlich - und dies an und für sich ist eigentlich nicht verwunderlich, ist die Kunde dessen, was in Dragenfeld geschehen ist, ebenso wie unsere Beteiligung daran, bis an die Ohren des Herzoges zu Weiden gelangt. Ich habe nicht wirklich erwartet, daß man uns befragen würde, haben wir doch schon der Inquisition umfassend Bericht erstattet, und so hielt ich unser Intermezzo in dem Land des Bären für beendet. Doch weit gefehlt, wie die persönliche Einladung des Herzoges an seinen Hof nach Trallop mir nun zeigt. Man wünscht, uns zu sprechen, warum, darauf geht die Botschaft nicht näher ein, doch bittet man uns, nicht zu säumen.

Ich weiß nicht, ob ich mich freuen oder Magenschmerzen bekommen soll...

Denn ohne Zweifel ist eine solche Einladung eine große Ehre, eine, wie sie auch mir noch nicht zuteil wurde. Doch kann ich nicht umhin, mich nach den Gründen für diese Ehre zu fragen. Und das ist es, was mir Sorgen bereitet. Mag es sein, daß wir hier nur davon reden, eine lokale Krise auszuräumen. Mag sein, daß wir hier nur davon reden, aufgrund unserer Reputation die Gunst des Herzogs zu erlangen...

Aber ich glaube nicht an Zufälle. Und ich glaube nicht an die einfache Lösung.

Natürlich haben wir uns entschieden, sofort aufzubrechen. Es wäre wohl mehr als unhöflich, zu säumen, wenn ein Herzog ruft. Also machen wir uns auf den Weg an den Hof.

Praios hilf, wie um alles in der Welt soll ich Setaou und Lieto bis dort oben beibringen wie man sich in einer solchen Situation verhält??

Je nun, Weiden ist nicht das liebliche Feld und die Etikette dort eine andere...

ich täte glaube ich besser daran, ein wenig Lektüre darüber zu betreiben.

Schließlich soll mir niemand nachsagen, ich ehrte fremde Bräuche nicht.

Also steht uns eine weitere Reise in den Norden bevor, und das, wo der Winter droht... Firuns Atem hat mir noch nie besonders gefallen, doch es scheint als habe ich keine wirkliche Wahl.

Die Einladung eines Herzoges in den Wind zu schlagen, wäre wohl ein wenig... dumm...

Also rüsten wir uns zum Aufbruch, mit Proviant und warmen Kleidern, mit Waffen, Rüstungen (Rondra sei Dank daß ich Iolaos wenigstens überzeugen konnte, sich wieder eine Waffe zuzulegen, was ein Rüstung angeht, sehe ich noch eine Menge Arbeit vor mir...)und sonstigen Ausrüstungsgegenständen von denen Setaou und Lieto behaupten, sie mögen uns im Weidener Winter hilfreich sein.

Also wird es morgen losgehen... obwohl ich noch kaum eines der Rätsel ergründet habe, das die Prophezeiungen und die kaum verklungenen Ereignisse in Dragenfeld hinterlassen haben... doch Nandus, Meister der Weisheit ohne Grenzen, wünscht wohl, daß ich am Wesen der Welt und nicht dem staubigen Universum der Bücher wachse... Wer bin ich, seinen Ratschluß in Frage zu stellen - zudem gebe ich auch zu, daß ich neugierig bin, was man in Trallop von uns verlangt. Warum macht sich ein Herzog die Mühe, einige Reisende in seine Gefilde zu berufen, ihnen dazu noch die Reise dorthin zu bezahlen...?

Oh ja, ich gebe zu, ich bin brennend neugierig... und irgendwie vermute ich, daß es den anderen, selbst Setaou, der doch immer von sich behauptet, frei von solchen Notionen zu sein, ähnlich geht. Lieto und Iolaos scheinen ein wenig unsicher ob der Tatsache, daß wir an einem Fürstenhof erscheinen werden, ich kann es ihnen nicht verdenken. Beide eher von einfacher Herkunft, woher sollten sie wissen, wie man sich zu verhalten habe. Aber je nun... selbst wenn ich nicht besonders erfahren im höfischen Getue bin, so besitzt meine Familie doch immerhin ein großes Landgut und hegt Beziehungen zum Horashof, so daß ich nicht ohne Rechtfertigung wohl sagen kann, daß ich ihnen werde helfen können dabei, angemessen zu reagieren.

Was Setaou angeht ist das natürlich eine ganz andere Geschichte. Sein Verhalten ist ein wenig seltsam, fast scheint er zwischen einigen Extremen zu schwanken. Für Momente mag ich glauben, daß er sich uns gegenüber mittlerweile sicherer fühlt, immerhin ist es schwer, ein Ereignis wie Dragenfeld beiseite zu stoßen. Auf der anderen ist er bisweilen verschlossen und übellaunig wie eh und je... manchmal frage ich mich wahrhaftig, was ich verbrochen habe, in solch schlechtem Licht in seinen Augen zu stehen. Aber wahrscheinlich ist es noch weniger das, was ich bin, als das was ich darstelle, den Süden, die Kultur des Lieblichen Feldes, vielleicht auch die Zunft der Gildenmagier, wer weiß dies schon. Ich bin mir mittlerweile recht sicher, in ihm einen Druiden vor mir zu haben - es würde wohl passen mit dem, was ich ihn bisher tun sah - und von den Druiden des Nordens sagt man, daß sie ihre Geheimnisse hüten wie kostbare Schätze.

Soll er. Ich werde mich bemühen sie herauszufinden so wie er sich müht, sie zu verbergen.

Möge Phex entscheiden wem von uns er den Vorzug gibt...

(ein weiteres Mal scheint es auf der Reise nicht viel zu erzählen zu geben. Esybilla beschreibt den Weg entlang der Reichsstraße nur mit kurzen Worten, geht das eine oder andere Mal auf interessante Personen ein, die ihr unterwegs über den Weg liefen. Sie macht sich Gedanken darüber, was sie von insbesondere Setaou zu halten hat, doch gleichzeitig scheint nicht nur ihre Zuversicht vollends zurückgekehrt, sie scheint sich auch in der Gesellschaft ihrer nördlichen Gefährten mittlerweile recht wohl zu fühlen - etwas, das sogar den stillen Druiden mit einschließt.)

Ankunftstag Gareth

Gareth... Kaiserstadt...

Ich bin schon einige Male hier gewesen, doch die Geschäftigkeit der Metropole nimmt mich jedes Mal wieder gefangen. Wir haben uns ein kleines Gasthaus gesucht, am Rande der Innenstadt um den horrenden Preisen dort ein wenig zu entgehen, und werden morgen wohl versuchen, uns einige Kleider zu erstehen, mit denen wir uns am Hofe in Trallop zeigen können.

Ich hätte zur Not meine Seidentunika, die ich für gewöhnlich für höhere kirchliche Anlässe reserviert habe, tragen können, aber aus irgend einem Grund dachte ich mir, daß ich dort oben, im Land des Bären, das für Hesinde und Phex keine allzu große Liebe hegt, wohl doch eher ein wenig weniger offiziell nanduriantisch auftreten sollte - auch wenn dies nur ein Kompromiß sein kann, natürlich...

Sogar Setaou hat sich bereiterklärt, sich von mir einkleiden zu lassen, das wird ein Heidenspaß werden!! Ob ich ihm vorschlagen soll, sich zu rasieren? Es wäre wirklich interessant zu sehen, wie er ohne den Bart aussieht, der den größten Teil seines Gesichtes und einen Gutteil seiner Gesichtsausdrücke verbirgt... wohl besser nicht. Ich möchte den vorsichtigen Frieden, den wir geschlossen haben, dann doch nicht für einen solchen, wenn auch verführerischen Scherz aufs Spiel setzen...

Ich werde noch genug Spaß und Vergnügen daran haben, ihnen allen höfische Kleidung zu verpassen, soviel ist sicher!!

Nächster Tag

Zu schön...
Einfach zu schön...

Welch ein ausgesuchtes Vergnügen, jener Gang in diverse Schneiderläden! Nicht, daß ich für gewöhnlich besonders viel Vergnügen daran finden würde, mich auszustaffieren, aber schon allein das Bild von Lieto und Setaou, als ich ihnen die Gewänder quasi aufdrängen mußte, war die Mühe mehr als nur wert. Nur zu köstlich!!!

Nun, nach langem Widersprechen und Überlegen habe ich sie nun also alle bereit für den Hof in Trallop, der ohnehin, wenn ich dem glauben darf, was man so hört, nicht gar so zeremoniell ist wie die Höfe des Horasreich oder der südlicheren Gefilde. Ich habe mich zurückgehalten und sie nur in kostbare Hemden und wohlgeschneiderte Hosen gesteckt... auch wenn ich gestehen muß, daß gerade Iolaos die kostbare Kleidung wirklich nicht schlecht steht. Goran brauchte wohl weniger Hilfe, und Lieto und Setaou... nun man sieht ihnen das Unbehagen in der fremden Kleidung deutlich an. Aber ich denke wir alle fühlen uns in manchen Situationen unwohl, und so wie ich in Gegenwart von Druiden wohl eine gewisse Beklemmung verspüren würde, ist dies vielleicht nicht unbedingt etwas für die beiden.

Wo wir gerade von Iolaos sprechen... Als wir schon auf dem Weg zurück waren, kamen wir auf dem Markt an dem Stand eines Silberschmiedes vorbei und mir fiel ein paar Ohrringe in Einhorn auf, Silber, nicht zu kostbar, aber wunderschön gearbeitet. Ich rang lange mit mir, ob ich mir eine derartige Verschwendung aus Sentimentalität erlauben konnte und entschloß mich schließlich dagegen, nur um die Ohrringe kurz darauf wiederzusehen, in Iolaos' Hand, als er sie mir mit einem Achselzucken, das ich fast als nachlässig werten möchte, überreichte. Ich hätte ihn schon so oft ausgehalten sagte er, und ich habe keine Ahnung, wo das denn gewesen sein soll... Ich habe etwas gezögert es anzunehmen, vor allem, weil seine Motive für mich etwas im Unklaren liegen...

Nun, die Zeit wird es zeigen. In jedem Falle sind wir jetzt mehr als bereit für das, was immer uns in Weiden erwarten mag...

Nun, nicht wirklich.
Aber es ist nett, das zu glauben...

(Kurz hinter Gareth beginnt man, in den Winter hineinzureiten, und die Bemerkungen über endlosen Schnee und klirrende Kälte scheinen Esybillas sonstige Eloquenz zu einem Gutteil zu beeinflussen. Ansonsten verläuft die Reise durch Weiden ohne Zwischenfälle, Übernachtungen finden meist in den kleinen Wehrgehöften, die nur allzu typisch für Weiden sind, statt. Wiederum kann sich Esybilla einige Sticheleien über die Hinterwäldermentalität des Landes nicht verkneifen, doch abgesehen davon beobachtet sie ihre Umgebung mit derselben gewohnten Neugier)

Trallop

Heute also sind wir hier am Fuße des Neunaugensees, den sie hier bisweilen auch Pandlarin nennen, angekommen. Es scheint ein wenig ironisch, wenn man so denkt, daß sich dieser See und in seinem Norden die Salamandersteine, mystische Orte voller uralter Geheimnisse, direkt an das Weidener Land anschließen, das, vor Aberglaube und Weltlichkeit nur so strotzend, meines Wissens nach nicht einen einzigen Hort der Herrin Hesinde birgt. Seltsam, sollte sie doch hier mehr der Nahrung finden, als man glauben möchte...

Wie auch immer, es scheint, als würden wir das Weidener Land jetzt noch näher kennen lernen als bisher, denn was uns am Hofe des Herzoges widerfuhr und das Versprechen das wir gaben, fesselt uns an diese Lande.

Doch ich will am Anfang beginnen...

Gen Mittag trafen wir also hier in Trallop ein und bezogen Quartier im Bärenkrug, in dem ich nun auch beim Schein einiger Kerzen sitze um diese Zeilen zu schreiben, während die anderen wohl schon längst schlafen, soweit ich das beurteilen kann. Doch ich bin recht froh um die Gelegenheit, in Stille meine Gedanken zu ordnen.

Wir bezogen also Quartier und sandten Kunde unserer Ankunft zum Palast. Ich gebe zu, recht überrascht gewesen zu sein, als man uns noch für denselben Abend an den Hof einlud. Wären wir im Lieblichen Felde gewesen, so hätte man uns wohl erst einmal einige Tage schmoren lassen, allein um unsere Unwichtigkeit im Vergleiche mit den hohen Herren zu demonstrieren. Nun, Weiden ist unzeremonieller als meine Heimat. Oder unser Eintreffen wichtig genug. Wie auch immer, die Einladung traf nur einige Stunden nach unserer Ankunft ein und wir machten uns bereit, so gut wir konnten. Die Bärenburg, Sitz der Weidener Herzöge, befindet sich auf einer Insel inmitten der Stadt, die durch den sich hier in mehrere Flußarme aufspaltenden Pandlarin geteilt wird. Der Weg dorthin führt an den vornehmeren - wenn man denn hier in Weiden von derlei sprechen kann - Straßenzügen Trallops vorbei, bis wir schließlich über die große, in Stein gehauene Treppe hinauf auf die Festung kamen. Man begrüßte uns und führte uns sogleich in den Thronsaal, eine große Halle, im wesentlichen aus Holz verkleidet. Feldzeichen alter Regimenter, deren Zugehörigkeit ich nur raten kann - es wird wirklcih wieder einmal Zeit mich in der - zugegeben langweiligen - Kunst der Heraldik zu üben - schmückten die Wände, abgewechselt von durchaus kunstvollen Kupferstichen die wohl Helden lokaler und allgemein bekannter Sagen darstellten - ich glaubte in einem Geron zu erkennen, doch ich bin mir nicht sicher - und wohl erbeuteten Orkwaffen. Der Krieg ist noch nur zu präsent in diesen Gefilden, soviel ist wohl sicher.

Auch hier, wie schon die ganze Zeit erhielten wir das traditionelle Knoblauchbrot als Begrüßung, etwas, das mich schaudert, jedes Mal daß ich daran denke. Je nun, um der Etikette und des guten Willens folgte ich den lokalen Bräuchen, ein weiteres Mal, bevor wir schließlich ganz die Halle betreten konnten.

Ein großer Ofen füllte den Raum mit einer behaglichen Wärme, die in diesen Tagen selten und kostbar ist im verschneiten Weiden. In der Ecke saß eine Frau, die Herzogin, wenn mich ihre Kleidung und ihr Gebaren nicht trügen, an einem Spinnrad. Ich frage mich, wie sie, die aus denselben Gefilden kommt wie ich, es hier im Norden aushält, aber je nun, nicht jeder der unsrigen ist wie ich, doch ich weiß sicherlich, daß mir das Leben in Weiden durchaus schwer fiele.

An der großen Tafel jedoch, unter einem Tuch verborgen, über eine Schüssel gebeugt, fand sich der Herzog, offensichtlich mit jener lästigen Krankheit befallen, den sie hier den Orkschnupfen nennen, und gerade dabei sie auszukurieren. Das öffentliche Zurschaustellen einer derartigen Unpäßlichkeit verfehlte natürlich nicht seine doch etwas verblüffende Wirkung auf mich, doch ich gab mir Mühe, es mir wenigstens nicht allzu sehr anmerken zu lassen. Fremde Länder, fremde Sitten, wie die Jünger des Aves sagen, und ich bin geneigt, ihnen zuzustimmen, auch wenn meine Erziehung mir da bisweilen im Wege stehen mag - zumindest bin ich dafür realistisch genug.

Nun also...

Man trug uns ein Mahl aus Wildbret auf, eine Kostbarkeit im Winter in diesen Landen und köstlich obendrein. Ich benötigte eine Weile, um mich an den seltsamen Brauch zu gewöhnen, daß jeder der Bediensteten, die uns aufwarteten, die merkwürdige Angewohnheit zur Schau stellten, zuerst an unserem Essen zu schnuppern und uns 'Wohlsein' zu wünschen bevor sie ihren wie auch immer gearteten Pflichten nachgingen. Ich hatte gelesen, daß dies hier Brauch sei, doch etwas zu lesen und etwas selbst zu erleben sind für gewöhnlich zwei verschiedene Dinge.

Während des Essens begann der Herzog, der offensichtlich von der Praiospriesterschaft umfassende Kunde über die Ereignisse Dragenfelds erhalten hatte, uns zu jenen Vorgängen auszufragen. Im wesentlichen fiel es mir zu, auf diese Konversation zu reagieren und ich antwortete nach bestem Wissen und Gewissen, bin ich doch der Meinung, je mehr die Kunde erreicht, desto besser. Wer weiß, was dies für Folgen haben mag... und wer weiß wie schnell sie kommen mögen.

Die Gespräche wanderten solcherart zu düstereren Dingen und nur zu bald, als das Essen abgetragen wurde und man uns stattdessen einen Bärentod, den scharfen Schnaps, der hier in der Gegend nur zu häufig getrunken wird (ich paßte mich höflich den Gepflogenheiten an und trank einen - was für ein entsetzliches Gebräu, auch wenn ich verstehen mag, daß er nach einem kalten Tage im Weidener Winter durchaus von Nutzen sein kann), erfuhren wir auch den wahren Grund unserer Einladung.

Offensichtlich verschwinden in Weiden seit dem Sommer immer wieder Menschen. Man könnte es zunächst für einen Zufall halten, eine durchgebrannte Bauerstochter und derlei mehr, doch die Anzeichen sind wesentlich beunruhigender als nur das. Es scheint sich um eine Zahl zu handeln, die die drei Dutzend weit überschreitet und sich auf das gesamte südliche und westliche Weiden auszudehnen. Offensichtlich sind die Berichte, die der Herzog empfängt, recht spärlich, nicht verwunderlich bei den Massen an Schnee, die sein Land bedecken. Doch es scheint, als seien einige der Verschwundenen wieder aufgetaucht, tot, auf schreckliche Weise gestorben. Auch gibt es wohl Gerüchte, daß Gräber geschändet, die in ihnen liegenden sterblichen Überreste der Menschen aus ihrer Ruhe gerissen wurden - und wären wir nicht schon alle halb überzeugt gewesen, daß dies eine Situation großen Unheiles war, so zeigte doch spätestens der entschlossene Gesichtsausdruck auf Gorans Zügen in diesem Moment, daß wir uns jetzt wohl kaum mehr noch umdrehen konnten.

Ich hielt es für an der Zeit, systematisch zu werden und begann, meine Fragen zu präzisieren, nach Orten, nach Zahlen, nach Möglichkeiten, wo es schlimmer oder besser geworden sei. Offensichtlich konzentrieren sich die Vorgänge eher gen Süden, denn aus der Gegend um Sichelwacht gab es bisher noch keine schlimmen Neuigkeiten - wenn man bedenkt, daß Sichelwacht besonders nahe an Dragenfeld liegt, kann dies nur Grund zur Beruhigung sein. Richtung Baliho und Mensheim allerdings scheint es schlimmer zu sein. Die ersten Berichte waren ab Rondra zu verzeichnen, also tobt das Unheil schon eine ganze Weile lang, wenn man bedenkt, daß wir uns jetzt bereits im Boron befinden.

Und auch sonst scheint nicht alles wohl zu sein in Weiden, denn die Berichte, die uns der Herzog Waldemar des weiteren gab, bieten kaum weniger Anlaß zur Beunruhigung. Ich muß nur in die Gesichter Gorans oder Lietos blicken um zu verstehen, daß die Orkkriege noch sehr frisch in der Erinnerung derer sind, die hier im Norden direkt unter seiner Geißel gelebt haben. Anscheinend wurden bereits vor einiger Zeit eine Reihe Praiosreliquien von Orks aus dem Tempel zu Anderath gestohlen.

Ich mag ja nun nicht viel von Orks verstehen, aber das klingt nun doch hochgradig seltsam...

Außerdem befindet sich wohl das Kloster der Hüter, des Ordens Arras de Motts, in der Hand von Orks, denn sonst hätte man wohl nicth nach uns, sondern vielmehr nach dem Praiosorden gesandt, um den Schwierigkeiten zu begegnen, denen wir uns entgegensehen...

Nun, wir werden sehen ob dies zum Vorteil oder zum Nachteil ist...

Ich kann schon wieder Goran oder meinen Bruder mich schelten hören. Ja ja. Ich werde schon aufhören mein Mißfallen über manche Ansichten des Götterfürsten zu äußern. Seht es als übertriebene Infiltration in Kindertagen....

Nun gut... kehren wir zu den Ereignissen dieses Abends zurück. Man verwies uns noch darauf, daß uns der Vogt Norhold von Rauterndorf und Braunsfurt möglicherweise mehr über die geographische Verteilung oder die genauen Vorgänge um das Verschwinden der Bürger Weidens sagen kann, so wird dies wohl eine unserer ersten Adressen sein.

Denn selbstverständlich brechen wir morgen auf, Licht in diese finstere Angelegenheit zu bringen.

So wurden wir also ausgerüstet um sicher durch den Weidener Winter zu reisen. Zu allem Überfluss gab man uns noch einige Weidener Hexenrunen und versilberte Borndolche mit - es scheint als sei man nicht einmal am Hofe des Herzoges frei von dem Aberglauben, der an Talismanen und ähnlichem festhalten lässt...

Und morgen reisen wir los.

Ich frage mich, Chronist, der ich bin und der seine Pflicht getan hat, ob uns das Herrscherpaar alles erzählte, was sie wissen oder vermuten. Dies ist ein abergläubischer Landstrich, und ich kann verstehen, wieso, wenn ich den Weidener Winter und seine Düsternis sehe, die Abgeschiedenheit der Höfe und die Berge, die zu allen Seiten dräuen. Es ist ein Land, in dem man nicht alles ausspricht, was man denkt, ein Land, in dem gerade ich, die einen Hang und eine Vorliebe zu wilden Spekulationen hegt, meine Zunge doch hüten sollte. Es ist ein Land, in dem man glaubt, daß Geister dadurch erscheinen, daß man sie ruft...

Nun ja... das ist bei manchen Dingen ja wohl gar nicht einmal so falsch... nur übertreibt man es hier.

Mir kommt es vor, als verberge der Herzog etwas vor uns, nicht um des Verbergens aber um jenes Aberglauben willen, als könne man Schrecken einfach totschweigen.

Doch alles was mir einfallen will ist ein Ammenmärchen, nachdem man uns den Borndorn aus Silber in die Hand drückte.

Aves, Nandus, Hesinde...
Fremd mag euch dieses Land hier sein... doch wacht über meine Schritte.

Querverweis zum Weiterlesen:
Das Ende der Unschuld- Schlaglichter aus dem Vorleben Iolaos' (Führt in den Bereich "Geschichten über Iolaos")
Wie ein Choral der Vergänglichkeit - Die Herkunft Setaous (Führt in den Bereich "Geschichten über Setaou")

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