AoE UG Intermezzos Von Fuchs und Greif
Nordlichter Drachenaugen

Drachenaugen

In dem die Dinge sich zuspitzen und das Ziel einen Schritt näher rückt

4. Hesinde 22 Hal, abends

Mit jeder Stunde, die ich in diesen Gefilden verbringe, scheint mein Pfad seltsamer zu werden. Heute nun haben wir Spuren der Räuber gesehen, von denen wir schon so viel hörten. Sie griffen uns an, auf dem Weg, und ich hoffte, mich auf die Waffenfähigkeit meiner Gefährten verlassen zu können, doch dies erwies sich als kollossale Fehleinschätzung und Fehler meinerseits. Wie konnte ich mein eigenes Einmaleins vergessen, meine Vorsichtsmaßnahmen vor jedem Kampf, die zu treffen mir eingeschärft wurde durch mehr als nur ein einschneidendes Erlebnis. Aber ich hatte keinen Magier unter den zerlumpten Gestalten erwartet.

Nun, ich will nicht über Gebühr, bei dem unangenehmen Erlebnis verbleiben, es sei nur gesagt, daß es jenem jungen Mann, dessen Fähigkeiten offensichtlich kaum ausgebildet, sich auf wenige Applicatii beschränken, gelang, mich zu versteinern, so daß der Kampf, ich schäme mich es zu sagen, in großen Teilen schlicht an mir vorüberging. Nun gut, überstrapazieren wir es nicht. Es gelang uns, den jungen Zauberer gefangenzunehmen, und Fragen förderten schnell zutage, daß er keinerlei Ausbildung erhalten hatte. Er schien das zu sein, das man in Fachkreisen einen Magiedilettanten nennt, eine jener unglücklichen Kreaturen, in denen der Ausbruch der Gabe niemals wirklich festgestellt wird, und denen die Öffnung zu höheren Weihen verschlossen bleibt. Man könnte ihn bedauern, in diesem rauhen, kargen Land lebend und seines Geburtsrechtes beraubt...

Doch konnte er uns ein weiteres Mal die Sage des Hagen von Althenthum erzählen, die hier in der Gegend wohl bekannt und beliebt ist, doch auch seine Erzählung förderte keine näheren Ideen zutage, die uns mehr über die Natur des Steines erzählen könnten.

Meister, welch fabulöses Rätsel breitest du vor meinen Füßen aus....

5. Hesinde 22 Ha

Den Zwölfen und ihre himmlischen Kindern sei Lob und Dank, daß ich noch lebe, um diese Zeilen zu schreiben!

Kaum vermag ich zu glauben, daß ich hier bin, und bis auf eine Schramme an meinem Arm unverletzt, und daß es auch meinen Gefährten, wenngleich sie zum Teil schwerere Blessuren davongetragen haben, besser geht, als man es wohl glauben möchte. Tatsächlich kann ich nicht anders erklären als dadurch, daß man über uns wachte, daß wir weitestgehend ungeschoren aus dem herauskamen, was uns heute geschah. Doch ich will am Anfang beginnen soweit ich kann, auch wenn ich mich hierbei zu nicht unwesentlichem Teil auf die Erzählung meiner Gefährten verlassen muss, denn wenn es zum Schwertgang kommt gehöre ich nicht zu jenen, die sich in die erste Reihe stellen, und so habe ich auch nicht alles gesehen. Wir verfolgten weiter den Weg, den Setaou für richtig hielt, auf welcher Basis er diese Entscheidung traf, nun, das vermag ich kaum zu entscheiden. Wie auch immer, wir erreichten in der Ferne eine Lichtung, auf der sich ein Turm befand. Vorsichtig geworden durch das Auftauchen der Strauchdiebe am vorigen Tag sandten wir Lieto vor, um den Turm näher zu untersuchen, doch sowohl er als auch Goran, der in dieselbe Richtugn eilten, fanden sich plötzlich unter Pfeilbeschuss wieder. Einer traf das Pferd unseres Gefährten - habe ich erwähnt, daß er ein ausgesprochen prachtvolles Streitroß reitet? - und einige Soldaten begannen einen Ausfall auf uns zu zu machen. Wer auch immer sich in diesem Turm befindet hatte es offensichtlich auf uns abgesehen, auch wenn mir das Warum zu ergründen mehr als nur schwer fällt. Ist es der Stein? Aber warum sollte jemand davon wissen? Wir sprachen selbst sehr vorsichtig davon, und ich wüßte von niemandem, der diese Notizen hier lesen könnte ohne einen Aufwand, der länger wäre als die Zeit zwischen dem Auffinden des Steines und jetzt, zumindest niemanden, den ich hier im Norden erwarten würde.

Aber ich habe einiges nicht erwartet.

Nun gut, um zu den Tatsachen zurückzukehren, wir wurden also angegriffen, Gorans Pferd verletzt, und wir sahen uns schnell einer Übermacht gegenüber, die uns weit überlegen war. Soldaten, kein Magier unter ihnen, was mich hinreichend nutzlos aussehen lässt...

Wir begannen eine wilde Flucht, denn keine andere Wahl blieb uns. Zu unserem Glück fanden wir einen Wagen am Rande der Lichtung des Turmes, die himmlischen Herrscher allein mögen wissen, zu welchem Zwecke er da stand, für uns war er die Rettung. Mit dem Wagen und den verbleibenden Pferden (nicht ohne Freude sage ich, daß meine Zuita den Angriff erschöpft aber sonst unbeschadet überstand) flohen wir, aus dem Wald hinaus auf die angrenzende Ebene, die es uns möglich machte, die Verfolger nach einiger Zeit abzuschütteln.

Zurück bleiben Fragen. Wer ist das, der uns verfolgte und warum? Wie konnte er von den seltsamen Ereignissen wissen, die unseren Pfad überschatteten? Es steht zu vermuten, daß sie unseren Spuren folgen werden. Uns bleibt nicht viel Zeit.

Wir fuhren weiter über die Ebene, in dem Versuch unsere Spuren zu verwischen, bis wir schließlich am Ufer eines Sees landeten. Eines Sees, so weit, daß es schwierig ist, das andere Ende zu erkennen. Die Insel inmitten des Wassers allerdings ist deutlicher zu sehen. Ein Haus steht darauf, doch ich kann nichts sehen, das darauf hindeuten würde, daß es noch bewohnt ist.

Setaou behauptet, die Insel sei unser Ziel. Ich hoffe, daß er recht hat.

Wir werden ein Floß bauen und ich verlasse meine Aufzeichnungen, um zu helfen.

6. Hesinde 22 Hal

Während ich hier sitze, nur einen Tag nach dem meine letzte Aufzeichnung in dieses Buch geschrieben wurde, der zweite Teil des Steines sicher in Setaous Tasche verborgen, frage ich mich mehr und mehr, in was für einen seltsamen Strudel wir hier hineingezogen wurden. Ein wahrhaft dem Meister gefälliger Weg war es, den Stein wiederzuerlangen, doch frage ich mich, wer jenes unterirdische Versteck ersonnen hat und mit welchem Zweck.

Doch ich will am Anfang beginnen.

Mit unserem selbst gebauten Floß gelang es uns, den See bis zu der Insel zu durchqueren, nur um die Insel selbst verlassen vorzufinden. Die Hütte hat schon lange, lange Jahre niemand mehr bewohnt und nichts in ihrem Inneren gibt uns Hinweise darauf, wer hier einst gelebt haben mag. Nun, wir fanden andere Mittel und Wege.

Wir schritten die Umgebung der Höhle ab, und schließlich war es Lieto (war es? Weiß nicht mehr...) der den unterirdischen Gang fand, verborgen unter Gras und Erde, einige Schritte abseits des Hauses. Wir ließen uns hinunter, einen nach dem anderen, einzig Setaou blieb oben, um über uns zu wachen. Mir kam dieser Wunsch nach seiner vorherigen so forschen Initiative reichlich merkwürdig vor, doch ich müßte lügen, wenn ich es nicht begrüßen würde. Ich weiß ebensogut wie jeder andere, daß man über manche Dinge Stillschweigen bewahren sollte, aber die Tatsache, daß wir gemeinsam in diese Geschichte verwickelt sind sollte ein gewisses Maß an Zusammenarbeit rechtfertigen. Nun, vielleicht sollte ich mich mit dem Gedanken trösten, daß er nur das Werk des Meisters verrichten will und mir selbst die Herausforderung stellt, zu ergründen, was um uns herum vor sich geht.

Wie auch immer, wir gingen herunter, und nur Setaou blieb oben zurück.

Der Gang war seltsam, in den Stein, der hier offensichtlich unter einer dünneren Erdschicht lauert, getrieben, und nur das Licht meiner und einer weiteren Fackel erhellte unseren Weg. Nur knapp entgingen wir einer Falle auf dem Boden, einer Trittfalle, die, sollte jemand seinen Fuß darauf setzen, wohl einen Bolzen lossetzen sollte. Zwergische Arbeit? Ein weiterer Hinweis der Geschehnisse auf eine Verbindung mit Zwergen? Wer sonst sollte solch mechanische Kenntnisse haben, und warum sollte er sie hier einsetzen?

Wir umgingen die Falle und erreichten schließlich einen überaus seltsamen Raum. Unsere Fackeln erhellten ein Schachbrettmuster auf dem Boden, und jedes der Felder trug einen verschiedenen Buchstaben. Wiederum fand sich hier das altzwergische Alphabet, und ich habe mir fest vorgenommen, die Verbindung von Zwergen mit dieser Gegend hier zu ergründen...

Doch schien es, als hülfe uns unsere Intuition hier weiter, denn nachdem ich das Muster abschrieb und wir es einige Zeitlang betrachteten, stellte sich heraus, dass man mit diesen Buchstaben durchaus einen Weg legen könnte, der den Namen des seltsamen Mannes bildet, dessen Erwähnung unseren Weg jetzt schon so oft kreuzte: Hagen von Althenthum. Mich vorsichtig mit meinem Stabe vortastend, erkundeten wir diesen Weg und unser Gedanke stellte sich als richtig heraus, so daß wir nacheinander unbeschadet das andere Ende der Kammer erreichten.

Wer mag wohl dies ersonnen haben? Als wir später unbedacht die Falle auslösten, und der gesamte Boden unter uns fortbrach, begann ich zu zweifeln, daß dies eine rein zwergische Arbeit ist, sie zeigt die Hand der Magie.

(an dieser Stelle findet sich im Tagebuch ein Pergament eines Kästchenmusters mit 18*18 Kästchen, mit zwergischen Runen und ihren Kusliker Entsprechungen, über das schliesslich mit schnellem Strich ein Weg gezogen ist, der das Wort HagenvonAlthenthum bildet)

Nun gut. Wir wanderten also weiter und erreichten schließlich einen Raum, der von einigen Schalen Ewigen Feuers erhellt wurde. Welch Wunder, bisher selten nur war mir vergönnt dies außergewöhnliche Element zu sehen. Wie kommt es hier her? In den Norden? An diesen götterverlassenen Ort?

Wir betraten den Raum und fanden an seinem Ende den Stein, verborgen durch einen Verschluss, den nur der erste Teil unseres Steines retten konnte. Es gelang uns, Setaou zu überzeugen, zu uns nach unten zu gelangen und nur zu bald hielten wir, was wir suchten in den Händen.

Doch es schien, als sei damit diese Suche noch nicht vorbei. Denn in dem Moment, als die unterirdische Höhle ihr Geheimnis preisgab, erhoben sich aus den Enden des Raumes Gestalten, die ich der Kategorie der Wiedererweckten zuordnen würde, finsterste Magie der übelsten Sorte und zudem eine nicht zu unterschätzende Bedrohung.

Es gefiel dem Meister der Meister, mich vor ihnen zu schützen als ich um seinen Beistand in dieser Stunde bat, um die Möglichkeit bat, was wir gefunden hatten, zurück an die Oberfläche zu bringen, doch der Kampf der uns bevorstand, war hart. Goran erwies sich als erstaunlich guter Kämpfer, doch je nun, sein Glaube nimmt die Störung der Totenruhe nicht leicht auf und was mir das Forschen und Suchen ist, das ist ihm die Ruhe des ewigen Schlafes, und so wie ich Dummheit und Ignoranz verabscheue bis aufs Blut, so bringt es ihn wohl in Zorn, solch Unnatürlichkeit zu sehen, auch wenn ich nicht gedacht hätte, daß seine ruhige, in sich nicht zu störende Art überhaupt durch etwas durchbrochen würde. Auch Iolaos kämpfte tapfer, seine Schwertkunst zeigt den Stil des Südens. Ich frage mich... doch nun, er ist niemand der seine Geheimnisse freiwillig preisgibt, keiner von uns, vielleicht mit meiner Ausnahme, die ich nicht wirklich etwas zu verbergen habe.

Obwohl.... es auch Dinge gibt, über die ich nicht sprechen würde.

Aber ich schweife ab, denn ich ließ in meiner Erzählung uns in der Höhle zurück, umgeben von Widergängern, Zombies übelster Art, während wir uns mit Waffe und Feuer zu wehren suchten. Ich wehrte mich mit magischem Feuer, so gut mir das möglich war, und unsere Gegner stellten fest, daß ein Ignifaxius auch verbrennen kann, wie ich mit nicht geringer Befriedigung feststellte. Ich bin keine Kriegerin, und so war es eine Erleichterung für mich, meinen Kampfgefährten wenigstens nicht zur Last zu fallen.

Doch unsere Gruppe brach auseinander, Setaou floh zurück zu dem Raum mit dem seltsamen Rätsel im Boden, während wir anderen unser Rückzugsgefecht fochten. Wir gelangten bis zu dem Raum mit dem Rätsel, nur um zu sehen, daß der Fußboden verschwunden war, und sich an seiner Stelle nun ein gähnender Abgrund befand. So blieb uns nichts übrig, als uns umzudrehen und zu kämpfen, und das Gift der Finsterlinge schien besonders Iolaos zuzusetzen. Nur mit Mühe gelang es uns, uns unserer Haut zu wehren und ich kann nicht anders als das Eingreifen des Meisters darin sehen, daß es uns tatsächlich gelang, unsere Gegner niederzuringen.

Doch kaum war der letzte von ihnen zu Boden gesunken, uns in unbändiger Erleichterung zurücklassend, als wir feststellen mussten, daß die Zeit der Überraschungen noch nicht vorbei war.

Ich habe von Geistererscheinungen bisher nur gehört, noch niemals ist es mir zuvor vergönnt gewesen, eine mit eigenen Augen zu sehen, doch muß ich sagen, daß viel von dem, was ich über die Wesen dieser Zwischenwelt gehört habe, der Tatsache entspricht. Die Gestalt eines Mannes, nicht mehr jung, durchscheinend, so daß die Konturen der Wand hinter ihm durchaus noch sichtbar waren, doch sonst, als sei er direkt aus dem Leben gegriffen, nicht verrottet, nicht verdorben.

Er sprach zu uns, ein Freund Hagens sei er gewesen, jener Freund, dem einst das Leben gerettet wurde, der es nach Hagens Tod auf sich nahm, den Stein zu teilen und zu verstecken. Doch nun sei die Zeit gekommen ihn wieder zusammenzufügen, und dies läge nun an uns...

Es blieb keine Zeit für Fragen, denn mit einem Mal fanden wir uns im kalten Wintersonnenlicht draußen auf der Insel wieder, ohne Erinnerung daran, wie wir dort hin gekommen waren, und ich mit noch mehr Fragen im Geiste als zuvor.

Was hatte der Stein mit dem Tode Hagens zu tun, und wie in Nandus Namen ist es gelungen, einen Gegenstand von solcher Macht zu teilen? Wer baute dieses unterirdische Nest? Der Freund Hagens? Der Magier? Und wenn er so mächtig war, warum...

ich sehe, meine Gedanken drehen sich im Kreis und ich komme nicht voran. Die anderen erheben sich langsam, wir haben auf der anderen Seite des Sees einen kleinen Weiler ausgemacht. Vielleicht können wir dort Vorräte erstehen, unsere eigenen sind bedenklich dezimiert und wer weiß, wie weit wir noch durch diese Wildnis wandern werden.

Für heute soll dies genügen...

->Intermezzo an dieser Stelle: Erstaunliche Esybilla

An dieser Stelle habe ich zunächst einmal nicht mehr weitergearbeitet. Überfallen von den Verfolgern aus dem Turm hätten wir beinahe das Drachenauge verloren, wenn nicht unerwartete Hilfe einer anderen Söldnergruppe gekommen wäre. Offensichtlich versuchte ein Schwarzzauber aus der Umgebung, alle drei Teile in seinen Besitz zu bringen, und nach dem Kampf mit dem Zauberer und seinen Handlangern auf seiner Burg verschwand das Drachenauge von der Bildfläche. Eine abrupte Lungenkrankheit Esybillas bringt die Gruppe zunächst in den Süden zurück, bevor Gorans und auch Esybillas Auftrag sie nach der Genesung der magierin wieder in den Norden hinauftreibt. In Baliho werden sie Zeuge der Visionen Mutter Linais und beschließen, nach Dragenfeld aufzubrechen...

->Intermezzos in dieser Zeit: Ruhe vor dem Sturm, Konventionen, Ein Hauch von Frieden

Querverweis zum Weiterlesen:
Das Ende der Unschuld- Schlaglichter aus dem Vorleben Iolaos' (Führt in den Bereich "Geschichten über Iolaos")
Wie ein Choral der Vergänglichkeit - Die Herkunft Setaous (Führt in den Bereich "Geschichten über Setaou")

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