Vorspann UG Intermezzos Von Fuchs und Greif
Ein Hauch von Abschied Traumbilder Irrlichter Zeitenscheide Durchs Feuer
Nachbeben Der erste Tag des neuen Lebens Prophezeiungen

Durchs Feuer

In dem alles gewonnen und alles verloren wird

Eintrag ohne Datum

Asche
Asche und Staub und Leere und Tod...
Tot...

Eintrag ohne Datum

Er ist immer noch nicht erwacht... wir sind in Sorge... wach auf, Setaou, wach auf...

Eintrag ohne Datum

Ein Schrei wie kein Mensch ihn hören sollte
was ist dir geschehen, Freund?
Was ist uns geschehen...?
Wir müssen weiter....
zurück.....

Eintrag ohne Datum

Ich habe heute eine Blume gepflückt... sie war gelb und weiß in der Mitte und wirkte so lebendig und voller Farbe...
ein kleines Wunder...
ein Wunder...
Setaou schreit und zittert und redet wenn er schläft. Etwas quält ihn. Etwas zerstört ihn.
Mein Haar ist weiß geworden
Weiß wie Schnee....

->Intermezzo an dieser Stelle: Verkehrte Welt

24. Rahja 22 Hal

Ich wachte auf in den frühen Morgenstunden dieses Tages und fühlte mich mehr wie ich selbst. Welch Erleichterung.... Nandus sei Dank.

Ich blicke in den Spiegel und beginne wieder, mich selbst zu sehen. Irgendwo unter dem weißen, langen Haar, das zum Schluß bis über meine Hüfte fiel, ist das mir vertraute Rotblond wieder zum Vorschein gekommen und ich habe beschlossen, mir vom Barbier die Haare so kurz schneiden zu lassen, daß ich nur noch die mir gewohnte Haarfarbe trage.

Vielleicht werde ich so auch wieder beginnen, ich selbst zu sein, und dieses blasse Wesen, das mich bisher jeden Morgen aus dem polierten Glas anstarrte, mit Augen, zu groß, zu weit und viel zu verschreckt, zu verjagen.

Nur Stück für Stück heilt die Ruhe und der Frieden Balihos unsere Wunden und jeder von uns heilt auf seine Weise. Goran vertieft sich ins Gebet, verbringt viele Stunden auf dem geheiligten Boden Borons, um sich seiner näher zu sein. Iolaos schweigt, ich nehme an, dass er lange Spaziergänge unternimmt und auch Lieto sucht die Nähe der ihm vertrauten Natur, um mit dem fertigzuwerden was wir erlebten. Setaou ist immer noch fort, und ich sorge mich um ihn, oder würde dies tun, hätte ich Kraft dafür übrig. Was mich angeht so verbringe ich die Hälfte meiner Zeit im Tempel des Phex, die andere in der Bibliothek. Es ist nichts bestimmtes, das ich zu ergründen suche, noch nicht, obwohl diese Zeit kommen wird. Im Gegenteil, beinahe ohne mein Zutun meide ich alle Themen, die mich an Dragenfeld erinnern könnten, doch haben die Bücher und die vertrauten Handlungen des Lesens und Forschens, der Notizen und Fragen und Antworten eine beruhigende Wirkung auf mich, wie es wohl kein Gespräch haben könnte.

Immer noch und trotz allem bin ich der Meinung, dass in Wissen Segen, nicht Schaden liegt.

Ich merke, wie sich beinahe wörtlich die Feder in meinen Händen sträubt, zu erzählen, was uns schliesslich in Dragenfeld wiederfuhr, doch ich weiss, dass ich es tun muss, nicht nur um des willens meines Herrn, der es schätzt, Wissen zu sammeln und zu dokumentieren, wenn schon nicht um seiner selbst willen, so doch um später weiser handeln zu können.

Denn etwas sagt mir, dass eventuell solches Wissen mehr als nur nützlich sein könnte.

Also werde ich beginnen sei ruhig mein Herz, Nandus, gib mir Stärke, zu berichten, was zu berichten ist.

Kehren wir also zurück nach Dragenfeld

Wir verliessen den Tempel der Tsa in dem Bewusstsein, nie mehr dorthin zurück zu kehren. Jeder von uns war der Ansicht, dass wir das, was wir zu tun bereit waren, wohl nicht überleben würden.

Wir waren gewarnt durch die Worte der Goblins, die uns berichteten, Hamed ben Seishaban, wer auch immer sich nun hinter ihm verbirgt - später werde ich noch zu genüge darauf kommen - herrsche über eine Armada untoter Wesenheiten, die seine Burg bewachten und den äusseren Mauerring beschützten, doch auf unserem Weg begegnete uns kein einziger davon.

Wir stolperten also auf die Burg zu, die merkwürdige Widernatürlichkeit unserer Umgebung holte uns ein, sobald wir die Tür des Tempels hinter uns gelassen hatten. So weit war es nicht zu der Feste Dragenhort, doch schien uns der Weg ewig und jeder Schritt schwerer als der zuvor. Wie wir schliesslich den Weg bis zu den Mauern überstanden vermag ich heute nicht mehr nachzuvollziehen, allerdings nehme ich an, dass wir uns alle bereits in einem derartigen Zustand surrealer Verzweiflung befanden, dass wir uns vermutlich schlicht nichts anderes vorstellen konnten, als weiter zu gehen. Die Umgebung, in der wir uns befanden, inspiriert es nicht gerade, mit beiden Beinen fest auf dieser Erde zu stehen und im Nachhinein mag ich wohl sagen, dass das Erlebnis einige interessante Verhaltensweisen und Erkenntnisse über den menschlichen Verstand und seine Grenzen hervorgekehrt hat, die ich versuche, mit der kühlen Rationalität einer Wissenschaftlerin zu sehen, statt mit einem armen Versuchstier, das sich innerhalb dieses Experimentes befunden hat.

Doch nun, ich schweife ab.

Die Burg befand sich im selben Zustand des fortgeschrittenen Verfalles wie unsere gesamte Umgebung. Die hoch aufragenden Mauern, einst wohl mehr als trutzig udn wehrhaft, wiesen Risse auf, und um der Wahrheit die Ehre zu geben, fällt es mir schwer, mir vorzustellen, was für eine Zeitspanne eine soclche Zerstörung anrichten mochte. Ich meine mich verschwommen zu erinnern, dass ich solche überlegungen anstellte und auch äusserte, doch keiner von uns - und da nehme ich mich nicht aus - war in der Stimmung, solchen Gedanken mehr Nahrung als nötig zu verleihen.

Dennoch müssen wir dankbar für die Zerstörung sein, die jenes unselige Hervorrufen von Satinavs Hörnern an den trutzigen Mauern der Burg verursacht hatte, denn es hatten sich Risse im Mauerwerk aufgetan, und einige davon waren breit genug, uns hinduchzulassen, so dass wir uns nicht mit den grossen Flügeltoren abgeben mussten, die den Eingang zu dem Bauwerk bildeten.

Gleiches begegnete uns im zweiten Befestigungsring, auch wenn hier die Zerstörung noch profunder schien, als es zuvor gewesen war, doch wir schenkten dem keine grosse Beachtung und gelangten so schliesslich zum Tor, der in das Hauptgebäude der Wehranlage führte. Dies war der einzige Ort, an dem man wohl die Wurzel des übels vermuten mochte, denn die Nebengebäude der Burg waren zum grossen Teil bereits eingestürzt und teilweise zu Staub zerfallen. Wir hielten uns nicht lange mit der Eingangstüre auf, einige gezielte Schläge von Goran, Iolaos und Lieto brachten sie ziemlich schnell dazu, den Weg nach drinnen freizugeben.

Wir fanden uns in einer Eingangshalle wieder, die beinahe die ganze Grundfläche des Wehrturmes einnahm. Linker Hand konnten wir ein Teppichbanner kaum zu überbietender Scheusslichkeit sehen. Es stellte eine dämnische Wesenheit dar, die Herrin der Alpträume, wenn ich mich nicht irre, und wir steckten es in Brand, allein, um der Befriedigung, des winzigen Sieges willen, die dies uns über unsere übermächtigen widrigen Umstände geben mochte. Das Banner loderte und erhellte die spärlich möblierte Eingangshalle, warf flackernde Schatten auf die Rüstung zu unserer Linken, die sich im Flackerlicht des Feuers zu bewegen und zu eigenem Leben zu erwachen schien. Ich denke jeder von uns benötigte einen Moment, um zu begreifen, dass dies keine Täuschung ob des Feuers sondern erschreckende Realität war. Dann jedoch blieb uns nicht viel, als uns zum Kampfe zu stellen, insbesondere da Geräusche von Richtung der beiden Treppen das Nahen weiterer Unholde ankündigte.

Dies war nun das Feld von Goran, der im Auftrage seines Herrn durchaus veritable Schläge gegen die Untoten zu führen mag. Eingedenk der Warnung der Goblinhorde war er auch geistesgegenwärtig genug gewesen, einen Segen auf die Waffe Iolaos zu sprechen. Lieto und ich - in diesem Kampf weniger von Nutzen, begannen stattdessen die schwere, hölzerne Bank zu verrücken, die an der Seite des Raumes stand, um sie die Kellertreppe hinunterzuschieben, in der Hoffnung, sie würde die von dort anrückenden Untoten aufhalten. Das schien zu gelingen, denn als die anderen die sich uns entgegenstellenden Unhorden bezwungen hatten, kehrte Ruhe ein, udn von unten war kein Laut mehr zu hören.

Mit den oberen Stockwerken gaben wir uns gar nicht erst ab. Wir hatten den Turm in seinem raschen Verfall von aussen gesehen, es war vollkommen sinnlos, zu hoffen, dass sich dort oben irgend etwas von Bedeutung abspielen würde. Wir konnten froh sein, wenn der Turm nicht über uns zusammenbrach, bevor wir vollbracht hatten, weswegen wir hier hinunter gegangen waren.

Also hinab in den Keller

Wir betraten ein Labor, von dem es augenscheinlich weiter hinunter ging. Ich bin recht sicher, dass man einige erstaunliche Erkenntnisse dort hätte gewinnen können, in den Büchern und Ingredienzien die dort versammelt waren, aber nicht einmal ich war zu einer derartigen Erkundung in der Stimmung, Nandus möge mir vergeben. Ich konnte das Gefühl nicht unterdrücken, dass wir dafür auch nicht wirklich die Zeit hatten.

In den Boden in der Nähe des Abganges war ein Pentagramm eingelassen. Gewiss beäugten wir dies mit nicht unerheblichem Misstrauen, doch was hätten wir schon gross tun können? Wir mussten dort hinunter, und für eine tiefere Untersuchung des ganzen fehlten mir sowohl Zeit als auch Kraft.

Trotzdem war keiner von uns wirklich überrascht, als das Artefakt zum Leben erwachte in dem Moment, in dem wir es passierten.

Es scheint, als sei es mit einer Invocatio minor belegt worden, ausgelöst durch das Vorbeitreten auf die Treppe zu, möglicherweise verbunden mit einem Passwort, das das Auslösen des Spruches verhindern konnte. Da wir das Passwort natürlich nicht kannten und auch sonst herzlich unbedarft ob unserer Umgebung waren stellte sich uns also ein Heshtoth entgegen, Diener des Herrn der Rache, niederer Dämon der Sphären. Ich gebe zu, dass es hätte weit schlimmer kommen können (und später auch noch kam), dennoch begann ich mit der Invocatio des Pentagramma, wahrend sich die anderen daran machten, das Sphärenwesen zu bekämpfen. Es gelang uns schliesslich mit vereinten Kräften, diesen und acuh den nächsten erscheinenden Heshtoth zu besiegen, und wir eilten die Treppe hinunter, bevor sich eventüll uns ein weiterer entgegenstellen konnte. über den Ruckweg machte sich keiner von uns Sorgen. Ich glaube keiner von uns glaubte an ihn.

Die nächste Etage zeigte die Fortführung des Labors, doch es war ebenso verlassen wie das Stockwerk darüber und etwas sagte mir, dass wir auch hier die Ursache der Phänomene nicht finden würden.

Eine Falltür im Boden führte weiter nach unten und war mit einem grossflächigen Heptagramm belegt.

Mich erfüllte die Szenerie mit einem ausnehmend schlechten Gefühl, doch auch hier hatten wir nicht viel Wahl. Wir mussten nach unten gelangen, wie auch immer dies geschehen sollte, und der Weg dorthin führte über diese Falltür. Wir waren nicht so weit gekommen um jetzt aufzugeben, doch wir mussten uns dem Beschwörungsort nicht einmal nähern, um zu rufen, was das Heptagramm zu beschwören vermochte - einen Schruuf, Dämon der Domäne des blutigen Herrn, Kampfdämon, viergehörnt. Weit jenseits meiner Fähigkeiten eines Sphärenbannes

Goran, Iolaos und Lieto hatten keine Wahl als sich den peitschenden Tentakeln des Dämons zu stellen, die wieder und wieder nach ihnen schlagend sie zu umschlingen suchten, zu zerreissen oder mit in jene grauenvollen Sphären des Chaos zu bringen, deren sie entstammten. Meine Gedanken rasten, wusste ich doch, dass dies meine Domäne war. Dies war, warum ich auf dieser Reise war das Bannen bösartiger Magie ist, wozu man mich ausbildet.

Den Dämon zu bannen war jenseits meiner Fähigkeiten aber was ist mit dem Heptagramm?

Der Destructibo ist einer der Zauber den ich auf der Akademie im besonderen lernte und für den ich - wie ich nicht ohne Stolz sagen mag - wohl ein gewisses Talent entwickelte. Ich war mir nicht sicher, dass meine Kräfte ausreichen würden, doch ich liess es auf einen Versuch ankommen

Es gelang, doch als ich die Kraft des magischen Elementes durch mich hindurchfliessen spürte, spürte ich gleichzeitig, wie sich Schwäche meiner Beine bemächtigte, und cih zunächst zu Boden brach. Meine Sicht verklärte sich und erst kurz darauf bemerkte ich, dass sich Blut in meinen Augen befand und auch aus meinen Ohren rann, als habe ich unter einem veritablen Fulminictus gelitten

Haben die merkwürdigen Gesetze dieses Ortes mir erlaubt, verbotene Pforten aufzustossen?

Wie auch immer, als cih wieder auf die Füsse kam, erkannte ich, dass das Heptagramm verzogen und in seiner Wirkung wohl gebannt war. In einer anderen Situation hätte ich vielleicht Stolz empfunden, abgestumpft, wie ich war, war ich wohl nur zu einer dumpfen Befriedigung in der Lage.

Bitter war auch die Erkenntnis, dass dieser Destructibo wohl fürs erste der letzte meiner Zauber gewesen war

Wir hoben also die Falltür auf und blickten auf eine Sicht, wie sie mir in ihrer Aussergewöhnlichkeit bisher fremd war.

Eine Kuppel aus transparentem Rot überspannte beinahe den gesamten unteren Raum, einzig ein Gang von etwa einem Schritt Breite führte rings um das ungewöhnliche Objekt herum. In der Kuppel war ein gräuliches Wabern zu erkennen, das formlos in seiner Ausbreitung wie ein Nebel wirkte.

Ich benötigte einen Moment, bis mich die Erkenntnis wie ein Schlag traf, dass ich in jenes merkwürdige Ding blickte, das die Gelehrten für gewöhnlich den Limbus bezeichneten.

Wir kamen dem Ursprung des Bösen wohl immer näher.

Ein Teil meines Verstandes, der, dem Meister wohlgefällig, noch immer nach Verständnis suchte, erinnerte sich des ersten Traumes von Lieto, des Rot, des Grau und des Grün danach. Mag es sein, dass das Grau den Limbus symbolisierte?

Das Rot der Gor, das Grau des Limbus und dann?

Nun wäre ich ein Pessimist, so schiene die Frage beantwortet, doch für den Moment will ich eines nach dem anderen berichten und später erst mich in den düsteren Andeutungen ergehen, die meine Tage im Moment überschatten.

Ich fragte mich also, wie wir dort unten hinkommen mochten, doch Lieto, mit einer weit intuitiveren Beziehung zu der Einen Kraft gesegnet, teilte mein Zögern nicht, sondern liess sich, nachdem er zunächst eine Münze nach unten geworfen und sie hatte die Kuppel hinunterrutschen sehen, einfach hinauffallen und zu Boden gleiten.

Erstaunlicherweise funktionierte das - ich frage mich mit was für einem Zauber ich es hier zu tun hatte, schien er doch Aspekte des Gardianum mit anderen zu verbinden, ein Gardianum, der gegen physische Einflüsse ebenso schützt? Ich muss beizeiten einmal Lektüre darüber betreiben.

Wir folgten Lieto, einer nach dem anderen. Es ist schmerzhaft, sich auf dieser Kuppel zu bewegen, als rutsche man über körnige Erde oder durch Widerstand, und ich zog mir einige schmerzhafte blaue Flecken zu, als ich zu Boden purzelte.

Von hier aus war etwas mehr im Inneren der Kuppel zu sehen, ein grünleuchtendes Tridekagramm pulsierte im Inneren und machte mich mehr als alles andere darauf aufmerksam, dass uns die Zeit mehr als nur davonlief.

In Ermangelung einer besseren Idee schlugen wir auf die Kuppel ein, in der Hoffnung, sie würde einem Gardianum gleich, nach einer gewissen Zahl von Schlägen in sich zusammenbrechen.

Es gelang und uns war der Weg frei ins Innere des wabernden Graus

Ich muss mich fassen, um jene grausige Zeremonie zu beschreiben, die sich uns darbot als wir den Ort der Beschwörung betraten, ich muss mich fassen, um Chronist zu sein, der ich sein muss, mein Herz stählen gegen das Grauen

Ein grosses Tridekagramm bedeckte also den steinernen Boden, der von wabernden limbischen Schlieren umgeben war.

In jeder Ecke des Tridekagrammes war eine Gestalt aufs grausigste mit Ketten verschnürt, sich in niederhöllischen Qualen windend. Keiner von ihnen war noch in der Lage, einen Laut auszustossen, die Augen, so überhaupt offen, blickten blind, gebrochen und voll jenes Wahnsinns, den übermässige Schmerzen mit sich bringen. Was gerade mit ihnen geschah vermochte ich nicht genau zu verstehen,doch verstand ich, dass sie die Opfer für jene finale Beschwörung sein sollten, die zu verhindern wir hier waren.

Und inmitten des Tridekagrammes sass eine Gestalt, die ich erst auf den zweiten Blick erkannte, so sehr verändert schien sie mir im Vergleich zu dem schneidigen, gutaussehenden Tulamiden, den ich einst in der gorischen Wüste konfrontierte.

Ich hätte meiner Intuition durchaus früher vertrauen sollen, acuh wenn ich nicht weiss, was dies geandert hätte.

Denn es war Liscom von Fasar, den ich hier erblickte

Doch wie hatte er sich verändert.

Sein Gesicht war wächsern, papiern und seine Gestalt dürr wie ein Skellett, eines seiner knochigen Dieners. Die eine Augenhöhle war leer, und er starrte ins Nichts, in der linken einen Kristall umklammert, der bequem in die Faust seiner Hand passte. Ich hörte seine Inkantationen, die zu entschlüsseln mir jegliche Zeit und Geistesgegenwart fehlte, die verstärkt schienen von seiner Umgebung während er sich wand, das weisse Beschwörungsgewand wie eine viel zu grosse Decke um seine knöchernen Schultern.

Ich begriff in dem Moment, in dem sich Goran und Iolaos mit einem wütenden Schrei auf ihn stürzten, den Sinn und die perfide Idee dieses Rituales.

Liscom von Fasar war dabei zu versuchen, was ihm in der gorischen Wüste misslang. Ein weiteres Mal vollführte er ein Ritual zur Wiederbringung des Dämonenmeisters Borbarad, doch dieses Mal brachte er statt des entführten Gauklerjungen Colon da Merinal sich selbst als Opfer udn neues Gefäss für den Schrecklichen dar.

Das Klirren des Kristalles,der zu Boden fiel, aus Liscoms Hand geschlagen von Gorans Rabenschnabel, weckte mich aus meiner Lethargie und liess mich mich ebenfalls auf den Magier stürzen, in blindem Zorn und dem verzweifelten Versuch, zu verhindern, was er hier zu tun suchte.

Ich weiss nicht wer schliesslich den tödlichen Schlag ausführte, und ihn zu Boden warf, und eigentlich ist es auch vollkommen gleichgültig.

Doch schien es, als bräche der Zauber nicht in diesem Augenblick zusammen, fast, als habe er mittlerweile eine Eigendynamik entwickelt, die sich meinem Begreifen immer noch entzieht. Goran und Iolaos stürzten auf die dreizehn Opfer zu, die, längst verloren jenseits jeglicher Rettung, sich immer noch in unmenschlichen Qualen wandten.

Sie vollführten Akte der Gnade an ihnen, als sie ausholten, um zu töten, udn kaum dass einer von ihnen zu Boden sanken, fielen die anderen ebenfalls darnieder. In diesem Augenblick zerbrach die Welt um uns. Umgeben von Chaos und Ordnung, vom Toben arkaner Kräfte schwanden uns die Sinne, doch im letzten Augenblick vermochten wir noch eine weitere Präsenz in unserer Nähe zu spüren, kalte, unbarmherzige, nimmer weichende Logik, unbeugsam und nicht zu biegen

Und dann war nichts als Schwärze.

Als wir erwachten, fanden wir uns im Tempel der Tsa zu Dragenfeld wieder, umgeben von dem, was man nun mittlerweile schon die Dragenfeldsche Wüstenei nennt.

25. Rahja 22 Hal

Noch ist die Geschichte nicht zu Ende erzählt, denn so wie ich gestern das Tagebuch verliess, vollkommen ausserstande, auch noch eine einzige weitere Zeile zu Papier zu bringen, möchte man glauben, dass trotz aller Verluste ein Sieg davongetragen wurde, eine Bedrohung ausgelöscht wurde, etwas verhindert wurde

Wenn ich mir das so überlege, bin ich mir ganz und gar nicht sicher, dass dem wirklich so ist.

Ich werde also zuende erzählen, denn diese Geschichte endet nicht ganz mit unserem Aufwachen im Tempel der Tsa.

Nach und nach erhoben wir uns alle von unserem unnatürlichen Schlaf, erstaunt, dass wir noch am Leben waren und gleichzeitig so müde wie noch niemals zuvor. Es gibt eine Erschöpfung, die weit tiefer reicht als die, die mit normalem Schlaf kuriert werden kann, und sie hielt uns alle mit grausamen Klauen gefangen. Kaum reichte unsere Energie aus, uns aus den Vorratskammern des Tempels einige Nahrungsmittel zu holen um wenigstens unsere körperlichen Kräfte zu stärken. Ich glaube nicht, dass wir sprachen. Ich kann mich zumindest nicht daran erinnern, Lust dazu gehabt zu haben.

Apathisch wie wir waren, fiel uns zuerst überhaupt nicht auf, dass Setaou noch nicht erwacht war, doch als sein unnatürlicher Schlummer den unseren um Stunden überschritt begannen wir, uns besorgt um sein Lager zu scharen, ihn in das Bett Schwester Laniares zu legen, zu ihm zu sprechen, doch nichts vermochte ihn zurückzurufen.

Als er dann schliesslich doch erwachte, tat er es mit einem Schrei, mit wirren Worten voller Schrecken, mit Worten - und ich zögere, das selbst hier niederzuschreiben, ist es doch entweder Hysterie jenseits jeden Verständnisses oder ein Wissen, das so erschreckend ist, dass ich es nicht beim Namen nennen möchte - vom Ende der Welt.

Seine Sehkraft schien beeinträchtigt, und, glücklicherweise für ihn, verfiel er bald ein weiteres Mal in einen Schlummer, der diesmal heilsamerer Natur sein mochte, auch wenn sich nicht viel gebessert zu haben schien, als er wieder erwachte. Er sprach wirr und voller Furcht, sprach davon, dass Borbarad den Weg zurück in diese Welt gefunden und das Ende allen Seins begonnen habe.

Wir machten uns auf den Weg zurück, Setaou mehr mitschleifend als dass er wirklcih selbst ging. Beizeiten war er still, beizeiten mochte er in Zustände seltsamer Hysterie verfallen, die kaum anders als Wahnsinn genannt werden mochte.

Wie hatten wir uns verändert, als wir, langsam, nur mühselig vorankommend, Dragenfeld wieder verliessen. Ich erkannte meine Gefährten, erkannte mich selbst kaum wieder. Unser Haar ist schneeweiss geworden, und neü Falten zieren Augen, Mundwinkel

Vielleicht haben wir Jahre unseres Lebens verloren. Aber wenn Setaou recht hat, ist das viellicht bald ohnehin nicht mehr von Belang

Kein Trübsinn, Esybilla. Es hat keinen Sinn sich von den düsteren Aussagen des Druiden und der anderen abschrecken zu lassen. Noch geht die Sonne auf. Noch kann man etwas tun.

Wir wanderten also zurück nach Runhag, fanden dort unsere treün Tiere wieder, und auch ich war glücklich, meine tapfere Zuita dort wiederzufinden und festzustellen, dass sie mich trotz meiner schlohweissen Haare noch wiedererkannte. Man gab uns neue Kleider statt der alten, zerschlissenen und auch einige Wasserschläuche für den Weg. Unsere Waffen sind bis auf die, die mit Magie oder heiligen Worten behaftet waren, zerstört, Setaous Stab, Iolaos Tuzakmesser, Lietos Jagdspeer

Auch die meiste Ausrüstung hat es nicht überstanden, und ich muss schon von Eingreifen des Glücksherrn höchstpersönlich ausgehen, dass diese meine Aufzeichnungen, wenn auch stark mitgenommen, es überlebten.

Ich habe ein neues Buch genommen und begonnen, die alten Seiten meiner Aufzeichnngen hierein zu übertragen. Eine lästige Arbeit, aber sie hält mich beschäftigt. Ich war niemals gut darin, untätig zu sein.

Wir bewegten uns auf Anderacht zu, doch diesmal weigerte sich Setaou rundheraus, die Stadt zu betreten. Ich kann ihn verstehen. Er hat begonnen, zu erblinden auf einem Auge, und scheint nicht einmal uns gegenüber geneigt zu erzählen, was er gesehen hat. Er versprach, uns zu Beginn des neuen Jahres wieder im Traviatempel zu Baliho zu treffen, und ich nehme an, dass er den Rat einiger Brüder seiner Zunft aufsucht. Ich kann es ihm nicht verdenken. Ich selbst verspüre ein geradezu überwältigendes Heimweh nach Kuslik, den Hallen der Weisheit und meinem Logenmeister

Und nach meinem Bruder Andro wirst du den Schock überleben, mich so zu sehen?

Gut, Setaou brach also auf und wir erstatteten Bericht. Es ist ohnehin nicht klug, Diener des Götterfürsten anzulügen, doch meine Verfassung brachte mich dazu, umfassend und ohne zu verschweigen, zu berichten.

Ich vermag nicht zu sagen, ob man uns glaubte. Man bat uns, Stillschweigen zu bewahren, soweit möglich - immerhin gestand man Goran und mir zu, unseren Obrigkeiten Bericht zu erstatten (und das Wort Obrigkeiten ist ein recht dehnbarer Begriff und lässt sich, was mich angeht, auf mindestens alle Akademien der Grauen Gilde, die Kirche der Hesinde, den Mondschatten und meine eigenen Glaubensbrüder ausdehnen, sollte dies nötig sein). Man riet uns, im Tempel der Travia zu Baliho Zuflucht zu suchen, und das taten wir auch in Ermangelung einer anderen Möglichkeit, denn all unsere Habe ist vernichtet.

Und hier sitze ich nun in einer kleinen Kammer und schreibe diese Zeilen, wahrend das alte Jahr sich langsam seinem Ende zuneigt

Möge das neue mit besseren Nachrichten beginnen.

Ich habe mir von einem Barbier die Haare kurzschneiden lassen und festgestellt, dass an der Stirn eine weisse Locke zurückgeblieben ist

Wie eine Mahnung an das was geschehen ist

Und an das, was noch geschehen wird.

Querverweis zum Weiterlesen:
Das Ende der Unschuld- Schlaglichter aus dem Vorleben Iolaos' (Führt in den Bereich "Geschichten über Iolaos")
Wie ein Choral der Vergänglichkeit - Die Herkunft Setaous (Führt in den Bereich "Geschichten über Setaou")

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