Vorspann UG Intermezzos Von Fuchs und Greif
Ein Hauch von Abschied Traumbilder Irrlichter Zeitenscheide Durchs Feuer
Nachbeben Der erste Tag des neuen Lebens Prophezeiungen

Irrlichter

In dem Träume töten können und auch die Wirklichkeit Zähne bekommt

28.Ingerimm 22 Hal

Was für ein ärgerliches Ereignis!

Was für ein überaus ärgerliches, dummes, unnötiges und ganz und gar sinnloses Ereignis!

Wir bewegten uns auf der Straße Richtung Runhag, durch ein kleines Wäldchen reitend, als eine Truppe vagabundierender Räuber uns überfielen. Warum wir sie nicht schon vorher sahen, ist mir ein Rätsel, aber vielleicht waren wir derart in unsere Gedanken vertieft, daß wir nicht sahen, was dort vor sich ging. Wie auch immer, ehe wir uns versahen, waren wir umzingelt von sage und schreibe acht Armbrustschützen, die uns um unsere ohnehin nicht besonders gut gefüllte Reisebörse erleichtern wollten.

Ich will nicht über Gebühr bei dem unrühmlichen Ereignis verbleiben. Wir diskutierten zwar und versuchten, sie in irgend einer Form in eine mißliche Position zu bringen, aber das ist zugegebenermassen nicht einfach, wenn acht Bolzen auf unsere Köpfe zielen.

Nun, letztendlich gaben wir ihnen einen Teil unserer spärlichen Reisekasse, und als sie sahen, daß wir wirklich nicht viel mehr besaßen, ließ man uns gnädigerweise gehen.

Was für ein Unfug... Und unnötig obendrein.

Nun ist meine Kasse noch mehr zusammengeschrumpft, als sie es ohnehin schon war, aber ich nehme an, daß Lieto im Notfalle immer noch auf die Jagd gehen könnte. Dennoch ärgert es mich. Als ob wir nicht andere Schwierigkeiten hätten....

Wir lagern in der Wildnis, am Rande der Straße. Wegen der Unterbrechung ist es uns nicht gelungen, Runhag noch am heutigen Tage zu erreichen. Das letzte was ich jetzt gerne hätte ist ein weiterer von diesen kuriosen Träumen inmitten der rauschenden Düsternis nördlicher Wälder...

Wunderbar

Nun gut, ich kann es mir nicht aussuchen.

Wir werden wachsam sein diese Nacht... vielleicht, wenn die Träume auf einem Verständigungszauber beruhen, wird ein Verständigung brechen zu rechter Zeit dem, was auch immer uns diese Nachtmahre beschert, gründlich den Spass daran verderben uns zu terrorisieren...

Ich merke schon, ich bin schlechter Stimmung. Liegt vermutlcih an diesem sinnlosen Überfall heute mittag.

Nun ja... nach dem Schlafen wird es vielleicht besser sein.

29. Ingerimm 22 Hal, in den frühen Morgenstunden

Die letzte Wache dieser Nacht und Setaou und ich verbinden sie in einem gemeinsamen Schweigen, das fast freundschaftlich genannt werden könnte - fast natürlich nur, und ich bin dankbar um die Stille. Ich habe mich freiwillig erboten, diese letzte Wache zu übernehmen, auch wenn ich sicher bin, daß die anderen ebenfalls nicht mehr in der Lage sind, auch nur ein Auge zuzutun. Wir verbringen den Rest der Nacht, indem wir tun, als sei alles normal, als könnten sie sich noch dem Schlummer ergeben, als sei Setaous und meine Stille nur auf die Tatsache zurückzuführen, daß der Druide im allgemeinen schon nicht besonders gesprächig ist. Ich weiß nicht, wen wir versuchen, damit zu täuschen.

Vermutlich uns selbst, wenn ich so darüber nachdenke.

Wie auch immer, die stille Wache mit Setaou gibt mir die Möglichkeit, die Ereignisse der Nacht zu reflektieren und niederzuschreiben. Ich erinnere mich daran, wenn ich in diesen, meinen treuen Aufzeichnungen zurückblättere, daß ich gestern noch darüber nachdachte, ob Träume in der Lage seien zu töten. Und ob die Träume von Nacht zu Nacht schlimmer würden.

Die letzten Stunden haben meine Fragen aufs drastischste beantwortet.

Es muss gegen die vierte Stunde nach Mitternacht gewesen sein, als Setaou mich aus dem Schlafe riß, wie wir es vereinbart hatten, denn Iolaos warf sich schweißüberströmt in seinen Träumen hin und her. Ich verlor keine Zeit und besann mich auf die mir vertrauten Matrices, versuchte, den eine Zone um ihn herum zu schaffen, die Verständigungen auf magische Weise unmöglich machen würde.

Der Zauber gelang, doch ich fühlte keinen Widerstand, keine sich mir widersetzende Thesis, keinen Kampf der Geister, nichts von dem, was ich sonst gewohnt bin, wenn ich einen Zauber breche. Selbst wenn der Zaubernde sehr viel mächtiger sein sollte, als ich selbst es bin, hätte ich doch zumindest einen Widerstand spüren müssen, den zu brechen ich nicht in der Lage war.

Meine Wahrnehmung ließ nur einen Schluß zu.

Kein Zauber.

Als ich meine Augen wieder öffnete, wiederum auf einen Warnruf Setaous hin, wurde mir bewußt, wie drastisch die Situation war, wie sehr wir davon abhingen, daß mir etwas einfiele um den Traum zu unterbrechen, und zwar schnell. Denn Iolaos hatte begonnen, zu bluten. Wir konnten keine Wunde sehen, die uns direkt ins Auge gestochen wäre, doch etwas in seinem Traume hatte begonnen, ihn zu verletzen, und das schwer. Ich konnte nicht davon ausgehen, daß er wieder erwachen würde.

Es ist lange her, daß ich mich dermaßen hilflos gefühlt hatte. Kein Zauber lag auf ihm, zumindest keiner, den ich hätte erkennen können, was immer das heißen mag, und so betete ich zum Meister der Meister um Erleuchtung und Hilfe.

Warum ich plötzlich an den Zauber des Sensibar dachte, weiß ich nicht. Ich kann es nur Nandus zuschreiben, der mir in der Stunde der Not wohl einen Hinweis darauf zukommen ließ, wie ich in der Lage wäre, Iolaos zu helfen. Sensibar Empathicus ist keinesfalls ein Zauber, der zu meinem alltäglichen Repertoire gehört. Um genau zu sein habe ich niemals so recht verstanden, warum er sich im Kanon unserer Academia befindet, doch er wird nun einmal dort gelehrt, und so besitze ich zumindest rudimentäre Kenntnise der Thesis, selten wie ich sie im Moment auch noch anwenden mag. Ich sprach den Zauber und spürte die arkane Kraft durch mich hindurchwaschen als mich die Thesis, die mich eigentlihc nur hätte Iolaos' Gefühle spüren lassen sollen, hinforttrug an einen anderen Ort.

Ich sah Iolaos gegen sich selbst kämpfen, oder besser, ihn gegen jemanden, der genauso aussah wie er, sich in keinerlei Merkmal von ihm unterschied, denn mit der Sicherheit, die wohl nur Träume bringen können, konnte ich bestimmen, wer von ihnen beiden Iolaos war und wer nicht. Sie kämpften mit Schwertern und mit Magie, beide bluteten aus vielen Wunden und fügten sich stetig weiter welche zu.

Ich bin niemals eine Frau des Kampfes gewesen, doch es ist auch nicht meine Art, daneben zu stehen, wenn Freunde in Not sind und so wirkte ich Zauber um Zauber, Corpofesso, Ignifaxius, das ganze Arsenal jener Zauber, die ich bei mir führe um mich meiner Haut zu wehren, um Iolaos zu verteidigen.

Es gelang. Der Gegenüber meines Gefährten zerbrach wie ein Spiegel in tausend Teile und der Traum schleuderte uns beide fort in die Realität, und überließ uns zwei übermächtigen Erkenntnissen.

Die eine war die, daß ohne mein Eingreifen Iolaos seinen Tod gefunden hätte, dort in dem Kampf mit seinem Gegenstück, das doch nicht er war.

Und die zweite, bitter, so viel viel bitterer war, daß dank mir der falsche den Weg zurückgefunden hatte.

Ich weiß nicht woher diese Erkenntnis kam.

Und noch viel weniger weiß ich, was sie zu bedeuten hat...

Es macht keinen Sinn, überhaupt keinen Sinn und ich versuche stets und ständig, mir das auch einzureden, aber die kleine Stimme, die in meinem Hinterkopf immer noch die Erinnerung an meine Gedanken direkt nach dem Aufwachen bewahrt, läßt solche Selbsttäuschung nicht zu.

Halten wir fest, was sicher ist:

Ein Sensibar gibt die Möglichkeit, die fremden Träume zu besuchen und mehr über sie zu lernen. Auch eingreifen ist möglich.

Die Träume werden schlimmer, ob es mit dem Vergehen der Zeit oder mit unserem Herankommen an Dragenfeld ist vermag ich nicht zu sagen - auch wenn die Tatsache, daß in Eldarswalde und in Sichelweg gleichzeitig dieselben Träume geträumt wurden, eher auf ersteres hindeutet. Das allerdings würde auch nur allzu deutlich zeigen, daß uns offensichtlich die Zeit davonläuft. Und so weit ist noch der Weg bis Dragenfeld...

Ich habe erst Iolaos und dann auf seine Bitten hin auch die anderen in Kenntnis von meinen irrationalen Notionen angesichts des schwindenden Traumes gesetzt.

Antworten haben wir keine gefunden.

Morgengrauen. Endlich. Kann eine Nacht so ewig erscheinen? Meister Nandus, verleihe uns Flügel, ich fürchte uns läuft die Zeit davon...

-> Intermezzo an dieser Stelle: Tödliche Träume

29. Ingerimm 22 Hal

Ein weiteres Mal lagern wir in der Wildnis, während die beinahe bedrohlichen Schemen von Baumriesen um uns herum beinahe knorrig und gebogen wirken. Wüßte ich - wüßten wir es nicht besser, so würde ich vermuten, daß sie vor dem zu fliehen versuchen, wo wir hinzugelangen versuchen.

Wir haben die letzten Reste der Zivilisation endgültig verlassen, und die magere Entschuldigung für eine echte Straße, der Karrenpfad auf dem wir uns durch die Wälder bewegen, trägt nicht dazu bei, mein Gefühl zu verbessern.

Täusche ich mich oder ist es wahrhaft so, daß uns keine Tiere mehr begegnen, die nicth auf dem Weg fort von dort sind, wo wir hingehen wollen? Ich wage nicht einen Blick auf Setaous Züge zu werfen, denn ich glaube ich weiss um die grimmige, besorgte Entschlossenheit die ich dort finden würde. Wenn schon ich, die ich in Häusern und Palästen aufgewachsen bin, die sich eher in Bibliotheken als in Wäldern zuhause fühlt, die Merkwürdigkeit der Stimmung wie eine Decke auf meinen Sinnen bemerke, um wie vieles schlimmer muss es dann für ihn sein?

Oder für Lieto?

Fragen und Antworten, darin liegt die Rettung. Es hat keinen Sinn, sich abergläubischem Hokuspokus hinzugeben. Dokumentiere, Esybilla. Berichte. Denke nach. Ziehe Schlüsse. Darum bist du hier. Nicht um dich der Panik zu ergeben.

Also gut...

Unsere Reise begann bereits einige Stunden nach dem Verlassen unserer Nachtstätte haarig zu werden. Eine tiefe Kluft schien uns quasi unüberwindlcih im Weg zu stehen. Glücklicherweise verfügte Setaou über Fähigkeiten, von denen ich bisher keine Ahnung hatte. Gewiß war mir bewußt, daß Druiden ihre Magie im Einklang und mit Hilfe der Natur wirken, aber die Art und Weise, wie sich die Wurzeln des Baumes über die Schlucht spannten, um uns eine Brücke zu bieten, überraschte mich dann doch.

Ich muß mich beizeiten einmal näher mit ihm über diese faszinierenden Dinge unterhalten...

Wir passierten Runhag um die Mittagszeit, und während Iolaos, Goran und ich Proviant für unsere weitere Reise einkauften, machten sich Setaou und Lieto auf den Weg zu einem Steinkreis in der Nähe, einer Stätte alter Macht. Ich nehme an Setaou hofft dort andere seiner Zunft zu finden, die sich mit den Dingen, die uns begegnen mochten, besser auskannten.

Offensichtlich war er erfolgreich in diesem Vorhaben, doch er sprach wenig über das, was er am Steinkreis erfahren hatte - welch Wunder. Doch das wenige, von dem er sprach ist beunruhigend genug. Es scheint, als bäume sich Sumu selbst auf, gegen einen Frevel der an - oder auf ihr begangen wurde. Das scheintmir recht vage, auch ist mir die druidische Mythologie allerhöchstens in ihren theoretischen Grundkonzepten vertraut, es passt allerdings beunruhigend gut mit dem seltsamen Gefühl, das abzuschütteln ich schon seit dem Nachmittag nicht in der Lage bin. Etwas ist falsch an dem um uns herum, so grundlegend, daß ich es nicht anders als mit diesem Wort ausdrücken kann, FALSCH in der deutlichsten Bedeutung dieses Wortes, ohne daß ich näher greifen könnte, was mich stört.

Nandus, lass mich erkennen, bevor es zu spät ist!

Doch ich will fortfahren denn ich bin mitnichten am Ende meiner Erzählung angelangt. Wir ritten weiter fort durch die Wälder Weidens, als Lieto uns warnte, daß ein Angriff bevorstünde. Bogenschützen hätten sich in den Bäumen entlang unseres Weges versteckt, vier an der Zahl.

Und wir hatten kaum Zeit, uns darüber zu wundern oder erschrocken zu sein, als wir uns umzingelt sahen, nicht nur von ihnen, sondern von einem Mann, dessen Züge mich frappant und erschreckend an die einer jugnen Zibilja erinnern, die wir in Punin im Tempel des Boron zurückließen.

Kurubar....

Und er war nicht allein.

An seiner Seite befanden sich vier Gestalten, tot und doch lebendig, grausige, widernatürlcihe Kreaturen, die mir das Blut in den Adern gefrieren lassen.

Doch für derlei Sentimentalitäten war in dem Kampf, der sich entspann, keine Zeit. Unser Widersacher beherrschte einen geradezu veritablen Höllenpein, einen verfluchten Spruch der zwölfmal verfluchten Borbaradianer, wenn ich jemals einen gesehen habe, und so sandte er Iolaos, Goran und Lieto zu Boden.

Natürlich versuchten Setaou und ich uns unserer Haut zu wehren, so gut wir konnten, doch es war erbärmlich wenig, das wir tun konnten. Lange sah es so aus, als hätten wir nicht die geringste Möglichkeit aus dieser Situation noch mit dem Leben herauszukommen, und, um ehrlich zu sein, ich weiß bis jetzt immer noch nicht genau, welch unglaubliches Augenzwinkern des Fuchses uns in die Situation brachte, noch am Leben zu sein, noch zu stehen, noch in der Lage zu sein, diese Zeilen zu schreiben.

Kurubar floh schließlich, und seine Kreaturen starben eine nach der anderen durch unsere Hand.

Ich war zu Boden gesunken, wie meine Gefährten auch, und fragte mich, wie um alles in der Welt ich versuchen sollte, noch einen Schritt weiter zu gehen, und noch einen, und noch einen, wo mir doch schon die Kraft zum Atmen zu fehlen schien.

Reo Cordoban Sappaio hatte wahrhaft ein veritables Gefühl für einen Einmarsch, als er just in diesem Moment mit einigen Berittenen an uns vorbeipreschte, jenen verfolgend, der beinahe unser Ende gewesen wäre. Zwei seiner Begleiter kümmerten sich um die schlimmsten unserer Verletzungen und so konnten wir weitergehen, Phex sei dank...

Doch bereits nach einigen weiteren Wegbiegungen wartete der nächste Schrecken auf uns. Der Geruch des Verbrannten hatte uns beinahe von der Stätte des Kampfes fort begleitet, immer stärker werdend, je näher wir uns dem näherten, was wohl einmal das Lager der Bauarbeiterkolonne gewesen war, die die Straße nach Dragenfeld weiterbauen sollte...

Vielleicht sollte ich schreiben - auf die Überreste dessen, was von der Bauarbeiterkolonne übrig ist. Ein Angriff muss geschehen sein, Axthiebe und Feuerspuren verunzieren das, was übrig geblieben ist von wohl fünfzig Mann und ihren Wagen, Zelten, Vorräten, Gerätschaften...

Nandus, Nandus, was geht in diesen Landen vor sich?

Ich frage mich ob jene Wiedererweckten, die wir mit Gorans Hilfe schließlich zur letzten Ruhe betteten, ebenfalls aus den Reihen der Bauarbeiter kamen.

Ich frage mich auch, ob das nicht eigentlich gleichgültig ist....

Querverweis zum Weiterlesen:
Das Ende der Unschuld- Schlaglichter aus dem Vorleben Iolaos' (Führt in den Bereich "Geschichten über Iolaos")
Wie ein Choral der Vergänglichkeit - Die Herkunft Setaous (Führt in den Bereich "Geschichten über Setaou")

-> Zurück nach oben

<- Traumbilder Zeitenscheide ->

Pictures on this page: Copyright by Fantasy Productions GmbH