Vorspann UG Intermezzos Von Fuchs und Greif
Ein Hauch von Abschied Traumbilder Irrlichter Zeitenscheide Durchs Feuer
Nachbeben Der erste Tag des neuen Lebens Prophezeiungen
In Baliho wird die Traviageweihte Mutter Linai von einer Vision gebeutelt. Sie sieht eine junge Tsageweihte in den Flammen sterben, und spürt, daß diese gefrevelt hat, bereute, und nun Tsas Urteil über sie fiele. Esybilla und ihre Gefährten, zufällig anwesend, bieten sich an, die Angelegenheit zu untersuchen.

Ein Hauch von Abschied

In dem in einem letzten, gloriosen Sommer das Licht die Welt verläßt

22. Ingerimm 22 Hal - morgens

So brechen wir also auf um uns im Morgengrauen am Tralloper Tor mit der Geweihten zu treffen, die gestern von jener Vision derartig gebeutelt wurde. Der Morgen ist klar und frisch, verspricht so schön und strahlend zu werden wie das Wetter bereits die letzten Tage gewesen ist, voll Sonne und Sommer, beinahe, als wähnte ich mich in meiner Heimat und nicht in fernen nördlichen Gefilden. Und doch bleibt das unsichere Gefühl, daß mich in letzter Zeit kaum jemals ganz verlassen hat. Über all der Pracht liegt ein Hauch von Abschied.

Abergläubischer Hokuspokus nach einer schlecht geträumten Nacht, fühle ich mich versucht, zu sagen, doch etwas in mir weigert sich, das schlechte Gefühl so einfach beiseite zu schieben. Nun ja. Ich werde das Rätsel wohl nicht dadurch ergründen, daß ich in Sorgen hier sitze, während meine Gefährten um mich herum aufbruchsbereit sind. Sie scheinen guten Mutes, keiner von ihnen hat wohl ähnliches gespürt wie ich.

Vielleicht ist es doch das Klima, das mir ganz offensichltich nicht bekommt. Es wäre ja nicht das erste Mal. Ich frage mich wirklich, was in Dragenfeld geschehen ist. Ein Ort, weitab jeder Zivilisation, an dem eine Priesterin der Jungen Göttin verbrannt wird. Zurecht, wie sie selbst glaubt.

Der Häresien und der Häretiker sind viele, doch selten geschehen solche Dinge ohne Grund.

Nun, wie auch immer.

Zum Guten oder zum Bösen.. Wir brechen auf.

22. Ingerimm 22 Hal abends

Wir befinden uns auf einem Hof inmitten des Weidenschen Kernlandes, ein wenig abseits der Reichsstraße, und endlich, endlich findet sich auch für mich die Gelegenheit, die Ereignisse des heutigen Tages einmal Revue passieren zu lassen, denn ich gestehe, daß sie auch mich üebrrollt zu haben scheinen, die ich sie vielleicht noch besser als die anderen - mit der Ausnahme von Goran vielleicht - in ihrer Bedeutung einschätzen kann.

Doch ich will von vorne beginnen, um Ordnung in das Chaos zu bringen, das meine Gedanken in diesem Moment noch sind. Systematik ist meine beste Waffe gegen die Unordnung des Seins udn ich will mich ihrer bedienen um nicht unvorbereitet in das zu gehen was uns erwartet.

Wir verließen also an diesem Morgen Baliho durch das Tralloper Tor, begleitet von den guten Wünschen und drei Packpferden des Tralloper Tempels der Travia. Es schien, als habe das Regiment Bannstrahler, das die Stadt noch bis gestern heimsuchte - und ich verwende dieses Wort durchaus nicht ohne eine gewisse Absicht - Baliho bereits vor uns verlassen, in dieselbe Richtung wie wir. Es stimmte mich nicht besonders glücklich, daß ihr Weg sie in die gleiche Richtung geführt hatte, in die er auch uns brachte, aber nun, es sind Geweihte des Götterfürsten und ich nehme an sie dienen derselben Sache, der auch ich mein Leben geweiht habe... oder so ähnlich.

Ich hege keine große Liebe für die Diener des Praios - keiner von uns tut es. Wer Dummheit fördert muss sich nicht wundern wenn ihm nichts als Torheit entgegenschlägt.

Aber ich schweife ein weiteres Mal ab.

Wir erfuhren von Mutter Linai, daß die Praioskirche offensichtlich einen Konvent oder ähnliches abzuhalten gedachte, in Anderacht, einer kleinen Stadt,die wir binnen einiger Stunden würden erreichen können. Gerüchten zufolge sei gar der Erwählte zu diesem Treffen erschienen. Mich stimmte die Aussicht, die Diener des Götterfürsten schon alsobald wiederzusehen nicht gerade enthusiastisch, doch weiß auch ich um meine Pflichten als eine Dienerin der Himmlischen und werde mich hüten, das vor ihnen kundzutun. Nebenbei vermute ich, daß auch mein Ornat in ihnen nicht gerade die größte Liebe hervorruft.

Wir verließen also die Stadt in Richtung Trallop und erreichten nach kaum drei Stunden Anderacht, ein kleines Dörfchen von wohl kaum mehr als dreihundert Seelen, das an diesem Tage einzig aus Bannern des Greifen zu bestehen schien. Es gab keinen Zweifel an den Worten Mutter Linais - die halbe Kirche des Götterfürsten schien hier versammelt.

Wir ritten durch die Stadt doch kamen wir nicht weit ohne angehalten zu werden. Ein Geweihter und zwei Bannstrahler vertraten uns den Weg, uns nach unserem Woher und Wohin fragend. Wir hatten nichts zu verbergen und so antwortete Goran wahrheitsgemäß, sich auf Mutter Linai berufend. Daß man uns daraufhin bitten würde, ihnen zu folgen, hatten allerdings weder ich noch einer meiner Gefährten erwartet. Ich gestehe, daß ich in einer Mischung aus Neugier und Verwunderung hin und hergerissen war, als wir schließlich einen Gutshof erreichten, den man für die Zeit des Treffens offensichtlich annektiert hatte. Dort schließlich war mein Erstaunen vollkommen, denn niemals habe ich eine solch erlauchte Gesellschaft betreten, wie am heutigen Tage. Es ist wahr, der Erwählte hielt sich in diesem Hofe auf, doch nicht nur er. Ich erkannte Reo Cordovan Sapallyo, jenen Magier im Auftrag der Hallen der Weisheit, dessen Bekanntschaft zu machen mir schon am Abend zuvor vergönnt gewesen war. Doch er war nicht der einzige hochrangige Magier meines Faches, den ich erkannte. Thiron von Ukelsbrück, Spectabilitas der Akademie der magischen Rüstung zu Gareth gehört jener Scola an, die wohl noch stärker als meine eigene von den Lehren des Götterfürsten geprägt ist. Sein Name hat Klang in Kuslik und ich erinnere mich noch nur zu gut an eine Lectio, die er einmal in unseren Hallen hielt. In ein Gespräch mit ihm verwickelt stand Selara Moriani, Spectabilitas der Schule der Austreibung zu Perricum, auch sie ist mir bereits von Büchern und zwei Lectii bekannt. Ich schäme mich nicht, zu sagen, daß ich mich eingeschüchtert fühlte in jener Gesellschaft, und die Tatsache, daß auch der Oberste Inquisitor, Amando Laconda daVanya sich in diesem Gutshof befand, trug nicht unbedingt zu meinem Wohlbefinden bei.

Ich habe selten Probleme darin gehabt, vor einer Menge an Menschen zu sprechen, doch gestehe ich, daß ich durchaus zunächst einen Kloß in meinem Halse schlucken musste, bevor ich meine Stimme erhob, auf die Natur unseres Auftrages hin angesprochen. Ich berichtete, so detailgetreu wie ich es für nötig hielt, meine eigene Meinung einzubringen wurde mir hier schnell abgewöhnt. Nun gut, ich habe mich bereits einmal über die Kirche des Praios und ihre Haltung zu eigener, freier Meinung ausgelassen, ich will den Punkt nicht überstrapazieren. Ich fügte mich also in das, was man von uns verlangte und erstattete Bericht.

Die darauffolgende Diskussion brach aus, ohne daß man uns des Raumes verwiesen oder sonstige Anweisungen gegeben hätte. Als wären wir in dem Moment, in dem unsere Erzählung endete, nicht mehr existent, flammten um uns herum die Gespräche auf, aus deren Quintessenz wir dann auch den Grund unseres Hierseins erkennen konnten.

Denn offensichtlich war Mutter Linai nicht die einzige, deren Schlaf von Träumen gestört wurde.

Doch was um alles in der Welt mag den Hochgeweihten des Balihoer Tempels, Run Bauken, in das Zwischenland zwischen Wachen und Träumen gesandt haben, das Visionen nun einmal sind? Ist derlei dem Götterfürsten nicht zuwider und ist ihre Aura nicht für gewöhnlich undurchdringlich gegen die Unbillen solcher Wirren?

Nun, wie auch immer, die Tatsache ändert sich auch durch meine Verwunderung wohl nicht. Es scheint, als habe der Hochgeweihte ein Greifenei gesehen, ein Objekt des Götterfürsten, seinem Leib entsprungen wohl gar. Doch scheint es, als sei diesem Ei eine Eidechse entschlüpft, die sich binnen kürzester Zeit in eine schwarze Schlange verwandelte, die ihre Eltern fraß.

Welcher Teil des Traumes sie dies nun mit dem Naira Kubruch, einem der höchsten Gipfel der roten Sichel in Verbindung bringen ließ, vermochte ich nicht zu sagen, doch ist die Tatsache allein, daß wir von einer Eidechse hörten, die, sich in etwas grausames verwandelnd, dem Götterfürsten wohl offensichtlich schadete, vor dem Hintergrund der verbrannten Tsageweihten doch durchaus als alarmierend zu sehen.

Es scheint, als teilte die Gesellschaft die Bedenken, die auch mir unwillkürlich und beinahe sofort die Gedanken benebelten und die Diskussion wurde hitziger, je länger ich versuchte, ihr zu folgen.

Natürlich kam der Vorschlag, eine sofortige und hochnotpeinliche Untersuchung sämtlicher naheliegender Heiligtümer der Jungen Göttin durchzuführen, aus den Reihen der Bannstrahler und Hochgeweihten, ich habe nichts anderes erwartet. Ich selbst hielt es eher mit den Spektabilitäten, die für eine weitere Untersuchung der Vorgänge plädierten. Es ist unweise, die Möglichkeit weiterer Informationen auszulassen und es mag ungeschickt sein, Ratten zu früh aus ihren Löchern zu locken.

Ratten... ich bin mir nicht sicher, daß dies das richtige Wort ist. Vielleicht hätte ich 'Schlangen' schreiben sollen.

Schwarze Schlangen... schwarze Schlangen... Das Schlange ist das Tier der Hesinde, doch eine gewöhnliche Schlange, keine schwarze. Schon gar keine, die sich daranmacht, Greifen zu fressen.

Nandus, was versuchst du deinen Kindern in Rätselworten zu berichten?

Nun, die Diskussion wogte hin und her, und keine der Seiten schien die Oberhand zu gewinnen. Wir fühlten uns ein wenig fehl am Platze, die anderen vermutlich noch mehr als ich, und es wundert mich, daß gerade Setaou das Zelt ebensowenig verließ wie Lieto, sondern stattdessen einer Entscheidung harrte. Auch ich wagte mich nicht in die Diskussion einzumischen ohen vollständige Kenntnis der Lage, doch hörte ich zu und versucthe, so viel wie möglcih zu begreifen.

Schließlich jedoch griff der Erwählte selbst in die Unterhaltung ein, sich von dem Stuhle erhebend, auf dem er bis eben noch gesessen hatte. Vor der Intensität seiner Augen wandte ich die meinen ab, auch wenn mich dies jetzt noch ärgert, habe ich es mir doch zur Prämisse gemacht, dies nie zu tun, denn ich habe nichts, dessen ich mich schämen oder das ich bereuen müsste.

Doch es scheint, als sei mein Geist noch nicht stark genug gewesen, um jenem Blick, aus dem der gestrenge Fürst selbst spricht, zu halten. Meine Kunst und die meines Herren liegt eher in Verborgenheit und Finesse, nicht in jenem kalten, brutalen Feuer, das die Augen eines der Geweihten des Praios belebt.

Der Erwählte sprach den Schiedspruch dem sich alle beugten - auch wir.

Bis zum fünfzehnten Rahja sei Zeit, zu untersuchen, was in Dragenfeld an Unheil geschehen sein mag. Bis zum fünfzehnten Rahja zur Mittagsstunde, wenn man uns hier wieder zurückerwartet um Bericht zu erstatten über das, was dort vor sich gegangen ist.

Die Zeit ist knapp, aber ich habe nichts anderes erwartet. Geduld gehört ebenfalls nicht zu Praios' Tugenden.

Wir sollten also aufbrechen wozu wir auch Baliho verließen, während eine Abteilung der Bannstrahler sich wohl zum Naira Kubruch begeben wird, um dort zu ergründen, welche Verbindungen zu der Vision bestehen.

Die Beunruhigung in dem Raum konnte man mit Händen greifen und ich persönlcih empfinde das als recht erschreckend.

Nun, so waren wir in Gnaden entlassen und setzten unseren Weg in gebotener Eile fort - in Schweigen, zu nicht unerheblichem Maße, denn jeder von uns schien die Geschehnisse in Anderacht noch einmal im Geiste durchzuspielen. Welch seltsames Spiel, in das wir hier geraten sind.

Wir sind auf einem Bauernhof untergekommen und ich höre, wie man mich ruft. Ich denke, das Abendmahl ist bereitet, die Weidener Gastfreundschaft scheint weiter unübertroffen. Ich habe als Dank für die Beherrbergung angeboten einige Geschichten aus meiner Heimat zu erzählen. Ich nehme an die Sage von Lysiea, ein Märchen von den Zyklopeninseln, wird angebracht sein, meine Amme erzählte es mir oft. Und, wenn dann noch Zeit ist, vielleicht die Ballade vom silbernen Meer.

Ich werde es sehen.... so wie sich hoffentlich die Schleier auch über unseren Wegen lichten werden.

Nandus, deiner Führung empfehle ich meine Schritte.

23. Ingerim 22 Hal

Welch ein götterverlassenes Stück Land, durch das wir uns hier bewegen! Wir haben in den Morgenstunden in Braunsfurt die Reichsstraße verlassen und bewegen uns nun auf den Wegen des Herzogs durch Weide, immer am Braunwasser entlang, das munter und unverdrossen neben uns hergurgelt, ein Fluss, der sich nie weiter als einige Meter von der mäßig ausgebauten Straße bewegt. Der Tag verlief recht ereignislos, während unsere Pferde sich ihren Weg über die Straße suchten und unsere Gespräche blieben bei leichten Gebieten. Ich erzählte einige Anekdoten aus meiner Zeit an der Akademie Kusliks, die sogar Setaou ein Schmunzeln entlockten. Rückblickend bin ich wirklich vermutlich keine sehr angenehme Schülerin gewesen, sehr wahrscheinlich die Geißel meiner sanftmütigeren und Quelle ständigen Ärgernisses meiner temperamentvolleren Lehrer.

Je nun, wir tun alle unser Stück, um dieses Leben unterhaltsamer zu gestalten.

Wir übernachten in Eldarwald, einem kleinen Dorf am Braunwasser, umgeben von sanften Feldern und der Stille, die hier so vieles einzuschließen scheint. Ein Traviatempel ist der einzige Hinweis auf Zivilisation in dieser Gegend, doch auch hier konnte man uns auf unsere Nachfrage nichts über das berichten, was in Dragenfurt vor sich gegangen ist. Offensichtlich liegt unser Ziel weitab jedweder Handelswege, so daß Nachrichten mehr als spärlich sind.

Es ist seltsam, daß sich nicht einmal der gewaltsame Tod einer möglichen Frevlerin bis hier hin herumgesprochen hat.

Überhaupt scheint man hier eine seltsame Art der Information und Kommunikation zu betreiben. Braunenklamm, ein Ort, der kaum eine halbe Tagesreise entfernt sein soll, genießt einen üblen Ruf, doch einen derart üblen, daß es mir schon schwer fällt, diesen Gerüchten Glauben zu schenken. Kann es sein, daß noch niemals jemand dort vorbeigegangen ist, um sich selbst davon zu überzeugen? Nandus, was für eine Gegend...

Interessant jedoch war es, zu hören, daß Braunenklamm wohl eine ehemalige Strafkolonie sei, auch wenn diese Gründung wohl schon recht weit in der Vergangenheit liegt. In der Provinz sind die Gedächtnisse lang, das ist eine alte Geschichte.

In jedem Fall beschuldigt man die Braunenklammer hier also aller Verbrechen,d ie man sich so ausdenken an, sowie einiger, bei denen ich bezweifle, daß sie auch nur wissen, wovon sie da sprechen. Außerdem scheint hier ein tiefgreifendes Mißtrauen gegenüber den Tobriern zu herrschen, auch wenn ich sonst noch niemals etwas fatales über sie gehört habe.

Wenn ich es genau bedenke - wahrscheinlcih ist ihnen jeder, der nicht einer ihren ist, und der aber nahe genug wohnt, als daß sie seinen Aufenthaltsort benennen und erkennen könnten, nicht geheuer. Auch das ist eine altbekannte Geschichte.

Ich staune stets wie viel Dummheit, selbst verschuldete Dummheit und Ignoranz es noch auf dieser Welt gibt.

Nandus, wo nur sollen wir beginnen, deine Weisung zu erfüllen?

Es wird spät und ich bin müde. Das viele Reiten und die frische Luft scheinen mich zu erschöpfen, doch viel Schlaf kann nicht von übel sein. Wer weiß was uns amZiel unserer Reise erwartet.

So ergebe ich mich, fern von den Fragen und Enigmen meines Herrn um mich jenem zu unterwerfen, demauch Goran dient.

Bewache unseren Schlaf, Herr Boron, wenn Finsternis uns umfängt.

26. Ingerimm 22 Hal

Ein weiterer Tag des Reisens und Wanderns, ein weiterer Tag, der uns unserem Ziel zwar in Meilen, doch nicht in Worten und Verständnis näherbrachte. Ich will jener weidenschen Wildnis, durch die wir uns bewegen, zugutehalten, daß sie einige Juwelen bereithält. Braunenklamm ist gewiß eine Reise und auch eine Betrachtung wert, doch spüre ich Ungeduld in mir, als kämen wir zu langsam voran. Zu knapp ist die Frist, die man uns in Anderacht setzte, uns bleibt nicht viel Zeit.

Dennoch will ich getreulicher Chronist sein, wie es dem Herrn wohlgefällt, und aufschreiben, was unser Weg uns darbot, in Wundern und Staunen. Wir verliessen also Eldarwald um weiter am Braunwasser entlangzulaufen, während um uns herum die Felsen in die Höhe kletterten. Wohl heißt der Ort nicht umsonst Braunenklamm, doch begannen wir uns bald beinahe unwohl zu fühlen, als die Klippen, die den Fluß rechts und links in einger Führung durch ein Tal bringen, höher und höher kletterten. Einige Schritt oberhalb der gurgelnden Wasseroberfläche führte der schmale Weg entlang, so daß es bald nötig wurde, die Pferde zu führen. Als haben sie vor, die Sonne vor unseren Blicken auszusperren, verdeckten die uns umgebenden Felsen mehr und mehr vom stählernen Blau des Himmels. So wanderten wir in halber Dämmerung auf den glitschigen Steinen, doch welch interessanter Anblick belohnte uns.

Braunenklamm selbst befindet sich ebenfalls in dieser engen Schlucht, kein Kessel, zu dem sich die Felsen aufweiten würden macht Platz für die Stadt. Stattdessen fanden die Bewohner jedoch merkwürdig faszinierende Auswege aus ihrer mißlichen Situation. Bienennestern gleich kleben Fachwerkhäuser an den Felsen, eines über dem anderen, verbunden durch ein unüberschaubares Gewirr an Brücken und Stegen, das mir vom blossen rot

Zusehen den Schwindel in die Knie steign läßt. Es erinnert mich ein wenig an einige Städte auf den Zyklopeninseln, die ich einst sah.

Brücken über die Klamm, hoch oben, verraten, daß es wohl dort oben noch einen weiteren Teil der Stadt gab, doch wir hielten uns nicht weiter auf. Interessant wie der Ort auch war, so treibt uns doch ein anderer Auftrag voran, mag mir das gefallen oder auch nicht. Und so hielten wir uns hier gerade lange genug auf, um ein knappes Mahl zu uns zu nehmen, bevor wir wieder aufbrachen. Setaou, so schien mir, war besonders erleichtert. Mir scheint, die hohen Felsen machten ihm ncoh mehr zu schaffen als mir, die ich zumindest durch mein Staunen ob der ungewöhnlichen Formation abgelenkt wurde.

Wir verließen also Braunenklamm auf schnellstmöglichem Wege, begaben uns weiter durch die Felsenschlucht, bis der Weg schließlich, in Serpentinen die steile Wand erklimmend, aus ihr herausführte. Ich gebe zu, erleichtert gewesen zu sein, als wir endlich oben waren und ich nicht mehr bei jedem Blick zurück auf einen gähnenden Abgrund sah. Höhen sind mir noch nie besonders gut bekommen. Ich finde es furchtbar, so weit oben zu sein.

Wie auch immer, wir erreichten Balcken, den Ort, an dem wir uns nun befinden, erst, nachdem sich die nacht längst auf unsere Köpfe gesenkt hat. Es scheint, als wäre auch dies eines der stillen Weidener Örtchen, doch ich habe noch nicht viel davon gesehen.

Ich frage mich, wie man es aushält.. hier, inmitten des Nichts

Querverweis zum Weiterlesen:
Das Ende der Unschuld- Schlaglichter aus dem Vorleben Iolaos' (Führt in den Bereich "Geschichten über Iolaos")
Wie ein Choral der Vergänglichkeit - Die Herkunft Setaous (Führt in den Bereich "Geschichten über Setaou")

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