Lamento   Die hohe Kunst, Kommandantin zu sein
Die Angst des Soldaten vor der Schlacht Die Schande Galottas Gareth wird brennen
Die Schuld des Marschalls Die Mauern von Nebachot Der anderen Schritte
Seelsorge Ränkespiele Niemals die Eure
Flügel Eine längst fällige Antwort Neue Ufer
Für Königin und Reich Tag des Zorns Schwärze

Auf einer wahnsinnigen und verzweifelten Reise nach dem Grund für das Verschwinden der Greifen an der Grenze zu den Schwarzen Landen, sind Liasanna und ihre Gefährten zu spät gekommen. Der Schutz der Praiosalveranier ist gefallen, und somit gibt es nichts mehr, was den Untoten Heerwurm Warunks aufhalten kann. Doch während das Soldlose Banner, geschützt von einer dämonischen Wolke, unablässig in die zwölfgöttlichen Lande zieht, formiert sich im Mittelreich der Widerstand. In Wehrheim sammelt sich das Heer, die Elite des Mittelreiches, unter der Führung von Königin Rohaja, und macht sich bereit für die Schlacht. Liasanna, dort mit Mühe und Not am Endlosen Heerwurm vorbeieilend, angekommen, wird mit ihrem Freunden von Nemrod in verdeckter Mission nach Burg Auraleth, der Hauptburg der Bannstrahler, gesendet. Dort soll sich ein Paraphernalium für die Austreibung des Dämons unter Verschluss befinden. Sie sind erfolgreich und kehren zurück nach Wehrheim.
Die Schlacht beginnt, doch die Wolke, der Dämon Rahastes, schützt nicht nur die Untoten, er verbirgt auch Rhazzazor, und eine Höllenmaschinerie Galottas, eine Schwebende Stadt, imstande, den Weltenbrand über Gareth zu entfachen. Liasanna, bis zum Ende an der Seite der Königin von Gareth, sieht mit an, wie Wehrheim zerstört wird, wird dann doch von Rohaja getrennt und rettet sich im letzten Augenblick in den Fluß Dergel, wo sie das Inferno überlebt.
(Geschichte inspiriert von 'Schlacht in den Wolken')

Die Schande Galottas

Unter dem Eindruck einer totalen Niederlage

Der Geruch von Rauch, Pestilenz und verbranntem Fleisch hing in der Luft. Die Luft erfüllt vom Schreien und Flehen der Sterbenden, dessen Klang wie gierig aufgesaugt wurde von den untoten Alptraumschwingen über dem Feld, lag Wehrheim in Ruinen und Tod. Nichts, nichts war geblieben, und noch während die Elemente langsam zur Ruhe kamen, senkte sich der Schleier Borons endgültig über das Feld, und die Finsternis beanspruchte ihren Preis.

Stille, lauter als jeder Schrei, überzog das Feld, wo vorher Schlachtenlärm gewesen war, der endlose Heerwurm vergangen in der Schande Galottas.

Kein Sieg konnte totaler sein, kein Triumph düsterer, kein Schlag vernichtender.

Die Wolken hatten sich verzogen, und wie zum Hohn war der Himmel dahinter blau, strahlend blau, kalt und grausam blau, doch die Praiosscheibe blieb verhüllt, verborgen hinter den Monstrositäten, die die Lüfte beherrschten.

Tränen vermischten sich mit Wasser, süßes, rettendes Element, geboren aus rettender Intuition, und doch zu spät, viel zu spät.

Wie viele hätte sie retten können....

Liasanna blickte hinaus auf das Mythraelsfeld, während Efferds Element langsam an ihren Beinen entlangglitt, ihren Zopf hinaufkletterte, auch das schwarze, schweißfeuchte Haar unter der Lederkappe tränkte. Kühle berührte ihre Kopfhaut und flüsterte von Unwirklichkeit, davon, daß dies gewiß ein weiterer der Alpträume in der Sichel war, davon, daß dies Wahrheit nicht sein konnte. Wehrheim, der Schild des Reiches, lag in Ruinen. Die Marschälle tot, die Magier fort, der Stolz des Reiches, die Garde des Heeres aufgerieben, ihre eigenen Männer und Frauen verloren. Und die Königin....

Liasannas Glieder schienen an Kraft zu verlieren, die Bewegungen, die sie über Wasser hielten, erlahmten, und sie tauchte unter, in Wasser und Tränen, in Schmerz und Qual.

Ich habe sie verloren.

Und die grausamste Erkenntnis von allen.

Ich habe sie noch gesehen. Ich hätte sie retten können. Aber ich bin fortgelaufen.

Sanft zog die Strömung der Dergel an ihr, und der Fluß, unberührt von der totalen Katastrophe um ihn herum, gehorchte stur und unbeirrbar seinem Lauf. Beständigkeit im Flusse...

Liasanna durchbrach die Oberfläche, schnappte nach Luft, begann, wieder Wasser zu treten. Denn es war noch Atem in ihr. Sie lag nicht unter den Zahllosen, die den Ansturm Galottas nicht überlebt hatten, die gefallen waren unter den Schlägen des Endlosen Heerwurms, nicht unter jenen, die Wehrheim das Leben gekostet hatte, sinnlos und ohne Ergebnis. Es war noch Atem in ihr...

Sie hatte einen Eid geschworen. Das Reich zu schützen, die Familie der Königin zu schützen, und wenn sie schon gefrevelt hatte vor den Augen des Herren Praios, zu schützen bis zu ihrem letzten, finalen Atemzuge.

Und es war noch Atem in ihr.

Liasanna Mondenpfad, Liasanna Eslaban, Elfe und Menschenfrau, Wanderin zwischen den Welten ihrer beider Ahnen, nirgendwo daheim und doch beiden verbunden, war am Leben. Noch floß Blut durch ihre Adern, noch umklammerte ihre Rechte den Säbel, noch spürte sie das altvertraute Gewicht des Köchers auf ihrem Rücken, des Bogens über ihre Schultern.

Schild des Kaiserhauses hatte sie geschworen zu sein, und der Dämon war noch nicht beschworen, der sie von diesem Eid entbunden hatte. Schild des Reiches hatte sie geschworen zu sein, und war es gewesen nach bestem Wissen und Gewissen, und noch lebte Emer, noch gab es den Funken von Hoffnung für Rohaja. Vielleicht war sie dort draußen, unter den Verwundeten, die schrien. Vielleicht konnte Liasanna in Gareth retten, was ihr vor Wehrheim nicht gelang, ein weiteres Mal der Pfeil sein, der der Regentin das Leben bewahrte.

Und Yann? Perdija? Mutter Galahan? Tenduril?

Gefährten der letzten Tage, vertraut geworden, gemeinsam durchs Feuer gegangen. Sie hatte keine Ahnung von ihrem Schicksal, verschollen im Sturm wie so viele.

Mila, Luco, Andras, Gervinio?

Ihre Schöpfungen, ihre Schüler, ihre Vertrauten, trommelnde Hufe, die ihr sagten, wo sie waren, ohne daß sie den Blick wenden mußte. Doch auch ihr Ritt hatte sich verweht. Und doch... Sie hatte Mila fallen sehen, doch das Schicksal der anderen drei war ungewiß. Was, wenn es nun ihre Schutzbefohlenen waren, die dort oben in Schmerzen schrien? Was, wenn Luco nun gen Gareth preschte, mit aller Macht, die sein Ungestüm ihm verlieh.

Sie hatten ihr vertraut, und auch von dieser Verantwortung sprach niemand sie frei.

"Ich halte meine Versprechen."

Laut ausgesprochen hatte die Versicherung noch mehr Kraft, und sie ballte die Fäuste. Sie hatte keine Zeit für Schmerzen. Sie hatte keine Zeit für Angst. Sie hatte keine Zeit für Tränen. Zerzal würde sie finden, wenn es an der Zeit war, Vergänglichkeit war Teil dieser Welt, doch noch war sie nicht vergangen. Es war ihre Verpflichtung gegenüber jenen, die gegangen waren. Warum war sie verschont worden, wenn nicht, um zu handeln. Die Welt war zerbrochen, und Gefühle konnte sie sich nicht leisten.

"Beweg dich..." Zuerst waren die Worte nur leise, und kraftlos trieb sie im Fluß, doch ihre persönliche Litanei wurde lauter und lauter.

"Beweg dich, Liasanna, beweg dich. BEWEG DICH!"

Die letzten Worte, fast ein Schrei, hätte sie noch Stimme gehabt, und nicht nur das rauhe Krächzen einer erschöpften Kehle, gaben den Ausschlag und sie begann, sich auf das Ufer des Mythraelsfeldes zuzubewegen.

Denn es war noch Atem in ihr.

Querverweis zum Weiterlesen:
Ein Blick auf die Schlacht vor Wehrheim von Angwi Thalionmel Galahan:Feuertaufe (Führt in den Bereich "Geschichten über Angwi")

-> Zurück nach oben

<- Die Angst des Soldaten vor der Schlacht Gareth wird brennen ->