Lamento   Die hohe Kunst, Kommandantin zu sein
Die Angst des Soldaten vor der Schlacht Die Schande Galottas Gareth wird brennen
Die Schuld des Marschalls Die Mauern von Nebachot Der anderen Schritte
Seelsorge Ränkespiele Niemals die Eure
Flügel Eine längst fällige Antwort Neue Ufer
Für Königin und Reich Tag des Zorns Schwärze

Und so eilen die Gefährten an der Seite von Rondrigan Paligan von Perricum, Eslam von Eslamsbad und Boronian von Rommilys nach Elenvina, um dort vor dem Reichskongreß Bericht zu erstatten. Und dort trifft auch Liasanna einen alten Freund wieder, Thisdan von Falkenwind, dem sie lange Zeit als Marschallin auf der Burg half und dem sie mehr verdankt, als sie wohl selbst begreift. Und hier endlich gestattet sie sich einen seltenen Augenblick der Ehrlichkeit.
(Geschichte inspiriert von 'Aus der Asche')

Der anderen Schritte

Wer stets nur in die Fußstapfen anderer tritt, hinterläßt keine eigenen Spuren

Wimpel und Banner, wie eine bunte See über den hellen Zelten. Gleißend brach sich das Licht der Praiosscheibe auf den vielfarbigen Symbolen, gab dem Lager, das Stadt und Burg von Elenvina wie ein tsagefälliger Teppich umgab, einen Hauch von leichtlebiger Fröhlichkeit. Der Wind wehte sanft vom Fluß her, ein Efferdsgruß, wie man hier sagte, und brachte Frische und einen Hauch von Kühle in den warmen Ingerimmstag.
Das Lager erging sich in Geschäftigkeit, in Hektik beinahe, bunt livrierte Diener eilten auf Botengängen in den improvisierten Gassen herum, und doch war die Stimmung eine andere als jene fiebrige Schnelllebigkeit, die ein Heerlager für gewöhnlich auszeichnet.
Denn hier vor den Toren der Weißen Stadt lagerte keine Armee.
Der Reichskongreß hatte die meisten der Adeligen des Mittelreiches hergebracht, und die politischen Lager und Parteien waren schon in Ansätzen an den Vierteln dieser improvisierten Zeltstadt zu erkennen. Bunte Zelte, Banner und Wimpel standen auf grüner Wiese, und doch gleichsam auf einem Vulkan.
Liasanna trat aus dem großen Turnierzelt Rondrigan Paligan von Perricums heraus ins Sonnenlicht. Sie kniff die Augen zusammen, nach dem Dämmerlicht des Zeltes schmerzte die grelle Praiosscheibe, und doch wandte sie ihr Gesicht zur Sonne, ein seltener Anblick, eine Halbelfe, in Versunkenheit zu Praios gewandt.
Nicht, daß sie jetzt mit einem Male ihr Herz und ihre Liebe für den Götterfürsten entdeckt hätte – dazu war sie zu sehr Mondentochter, Elfenkind – doch wäre wohl kein Stein unberührt geblieben von den Erschütterungen der letzten Tage.
„Leutnant?“
Sie öffnete die Augen, um den jungen Grafen an ihrer Seite stehen zu sehen, der sie mit fragendem Blick musterte. Offensichtlich hatte er, neben dem Zelt stehend, die Versammelten betrachtet, und nun versuchte Liasanna sich an einem schiefen Lächeln, das eher traurig geriet.
„Wohl gewählte Worte habt Ihr gesprochen“, lobte der Graf, doch Liasanna schmeckte nichts als Asche. Weder war ihr Gestammel vor den versammelten Adeligen in irgend einer Form den Kommentar ‚wohl gewählte Worte’ wert, noch war es ihr wichtig gewesen, die Worte wohl zu wählen. Zu viele Dinge hatte ihre Rede enthalten, die keine Worte beschreiben konnten.
„Danke“, erwiderte sie trotzdem, weil sie, wenn schon nicht die Worte, doch zumindest die Mühe zu schätzen wußte. Der junge Graf senkte den Blick.
„Ich werde dem Baron von Falkenwind einen Besuch abstatten“, erklärte sie leise. „Falls jemand mich sucht, wird er mich wohl dort finden.“
Rondrigan Paligan nickte, Verständnis in den Augen. Die Bindung der Halbelfin an die Reichsforstbaronie war ihm spätestens seit dem Turnier, an dem sie unter dem Banner Thisdan von Falkenwinds gefochten hatte, bekannt. Ein jeder suchte Halt auf seine Art in diesen Tagen.
Liasanna lief wie eine Blinde zwischen den Zelten hindurch. Schon von ferne hatte sie das Banner der heimatlichen Baronie erkannt, und sie vermeinte auch, in der Schar der Adeligen Thisdans Blondschopf erblickt zu haben, irgendwo weiter hinten, wie es einem Baron zukam. Nun schien jeder Schritt, den sie zu dem Freund alter Tage gehen mußte, einer zu viel zu sein, nun, da der Moment beinahe da war, an dem sich ihr altes Leben und das neue, das die Ereignisse so brutal von ihr gefordert hatten, begegnen würde, konnte sie es kaum erwarten.
Zweimal rempelte sie Pagen an, die ihr mit großen, vom Staunen der Jugend erfüllten Augen nachsahen. Die Geschichte verbreitete sich wie ein Lauffeuer, und anders als Yann Sertun konnte die Halbelfe nur schwerlich verhehlen, daß sie Teil daran gehabt hatte. Das Blut der Lichtgeborenen war auf dem Reichskongreß nur selten vertreten… Harden wachte vor Thisdans Zelt. Die Augen des jungen Soldaten weiteten sich, als er Liasanna kommen sah, ein trauriges Lächeln in den Augen.
Sie selbst hatte die ersten Schritte seiner Ausbildung noch übernommen, sie erinnerte sich an regnerische Herbsttage, an denen sie den damals ein wenig verzärtelten Schneiderssohn hinaus in den Burghof gejagt hatte, ein ums andere Mal, um ihn in den Künsten von Schwert und Bogen zu fordern. Er war als einer der wenigen Falkenwinder, die ausgezogen waren, von der Trollpforte wieder zurückgekehrt und führte seitdem Thisdans Wache. Doch Liasanna sah unter dem kurz geschorenen Haar immer noch den Jungen mit viel Enthusiasmus und ein wenig Unmut, den auszubilden sie sich zur Aufgabe gemacht hatte.
„Liasanna… äh… Leutnant meine ich… wie…“
Sie hob eine Hand, sein Gestammel zu unterbrechen.
„Ich freue mich, dich zu sehen, Harden“, sagte sie leise. „Ist er da?“
Harden runzelte die Stirn, begriff erst mit Verspätung.
„Wer… äh… oh, der Baron… natürlich, natürlich.“
Liasanna benötigte keine Anmeldung. Nicht bei Thisdan. Sie trat einfach ein.
Das Zelt war deutlich kleiner als das des Grafen von Perricum, doch von nicht zu leugnender Gemütlichkeit. Eine Feldliege war mit Fellen überdeckt, auf dem Boden schützte Stroh vor der Feuchtigkeit der Erde und ein Hirschfell ließ fast einen Eindruck von Heimeligkeit aufkommen. Das Kohlebecken in der Ecke war erloschen, die Praiosscheibe wärmte das Zelt mehr als genug.
Er saß auf der Liege, den Rücken zur Tür gewandt. Er hatte den Kopf in die Hände gestützt, das blonde Haar zerrauft – eine Nachlässigkeit, die so gar nicht nach Thisdan aussah. Sein Gehstock, eine aus Mammuton geschnitzte Kostbarkeit – eine Aufmerksamkeit der Gräfin Quellentanz – lehnte neben ihm.
Er schrak zusammen, als sie eintrat, fuhr herum und sprang auf, eilte ihr humpelnd entgegen, der Stock vergessen.
„Lia!“
Seine Hand umschloß ihren Unterarm in einem Gruß alter Kampfgefährten, und sie erwiderte die nur zu vertraute Geste. Die <
Erinnerungen, mit dieser Geste verbunden, drohten beinahe sie zu überwältigen.

„Liasanna Esleban.“ „Thisdan von Falkenwind.“ Der Kriegerschüler grinste selbstbewußt. „Es ist mir wahrlich ein Vergnügen, Liasanna Esleban. Aber, wie wäre es, wenn wir mit dem weitermachen, was wir bereits so trefflich begannen?“ Mit einem Schmunzeln blickte die Halbelfe auf ihr halb getrunkenes Bier. „Euer Wunsch ist mir Befehl.“

„Mein Vater, er….“ „Still, Thisdan…“ Ihre Hand umschloß seinen Arm. „Sprich nicht davon. Nicht, solange der Schmerz noch so frisch ist…“ Tränen rannen die Wangen des jungen Baronsohns hinab, der nur zu bald selbst würde Baron sein müssen. Und Liasanna, hilflos in solchen Dingen, spendete ratlosen Trost.

„Wir müssen gewinnen…“ Eine letzte, vertraute Geste, bevor sie sich auf den Rücken des Einhornes schwang, bevor Thisdan, das Schwert blank gezogen, an ihrer Seite in die Schlacht reiten würde. „Das werden wir, Lia. Ich bin davon überzeugt, daß es nicht vergebens sein wird…“ So viel Zuversicht in seiner Stimme…

„Hast du diesen Wall gesehen? Bei allen Zwölfen, hast du diesen Wall gesehen?“ Liasanna nickte stumm. „Die große Schlacht dieser Zeit. Es ist zu spät, sich umzudrehen, Thisdan.“ „Natürlich.“ Er klang ein wenig verletzt. „Als ob ich das wollte.“ „Keiner von uns will es. Aber jeder von uns wünscht es sich.“ Und doch bestiegen sie Pferderücken und ritten zu Ruhm, Ehre und Zerstörung…

„Wenn es dein Wille ist, dem Ruf der Reichsbehüterin zu folgen… was soll ich machen?“ Thisdan hob ein wenig frustriert die Schultern. „Ich verliere dich nur ungern, und nicht, weil du mir eine gute Marschallin warst. Aber ich verstehe deine Gründe.“ „Falkenwinderin werde ich bleiben, Thisdan, in Gareth oder nicht. Aber ich kann mich nicht abwenden.“ Der Baron lächelte. „Das konntest du niemals, Lia. Wir beide konnten es nicht.“ Ein trauriger Blick wanderte zu dem Stock, der ihm als Gehhilfe diente. „Doch ich fürchte, für mich ist nun alles anders.“

Ewigkeiten vergingen in der Vertrautheit der Gemeinsamkeit mit dem ältesten Freund, den sie auf Dere noch hatte. Thisdan maß sie besorgt, suchte nach Veränderungen in altvertrauten Zügen und fand neue Linien auf den makellos elfischen Zügen, eine neue Schwere in goldfarbenen Augen.
„Setz dich, Lia“, bat er, dirigierte die Halbelfe auf den Stuhl, der neben einem kleinen, zusammenklappbaren Tisch stand, bevor er sich selbst wieder auf dem Bett niederließ. Die Ellenbogen auf die Hände gestützt, die Stirn in Falten gelegt, betrachtete er sie sorgenvoll.
Liasanna benötigte einige Augenblicke, sich zu fassen. Die plötzliche Nähe eines Freundes, dem sie genug vertraute, um ihm gegenüber ehrlich zu sein, drohte, sie zu überwältigen.
„Lia?“ Nur entfernt spürte sie, daß ihr Atem abgehakt ging, daß sich ihre Brust wie unter einem Beben heftig hob und senkte. Zorn wallte kurz in ihr auf – sie würde nicht vor ihm in Tränen ausbrechen – doch in Wahrheit war es dafür längst zu spät. Besorgt beugte Thisdan sich vor, streckte seine Hände aus, die sie ergriff, Anker in einer See, die sie zu überwältigen und einfach hinfortzuspülen drohte.
„Ich habe sie verloren, Thisdan…“
Ihr war nicht bewußt, daß sie dies hatte sagen wollen, ehe die Worte heraus waren, und Tränen rannen ihre Wangen hinunter, brannten heiße, bittere Pfade auf ihrer blassen Haut, hinterließ eine feuchte Spur wie ein Brandmal. „Ich habe sie beide verloren…“
Etwas, irgendetwas, das sie aufrecht gehalten hatte, brach entzwei mit einem unhörbaren Knall, und sie sackte in sich zusammen, von Schluchzern gebeutelt, die sie zu lange zurückgehalten hatte.
Vage war sie sich bewußt, daß er sie an den Schultern hielt, vage auch hörte sie seine Worte, „Lia… Lia…“, die Hilflosigkeit, den eigenen Schock in der Stimme, schließlich seine Stirn an ihrer, als die Schluchzer immer schlimmer wurden, Stütze für sie wie für ihn gleichermaßen, schließlich eine Umarmung, als alles bereits abebbte.
Als ihre Sinne zu ihr zurückkehrten, saß sie zusammengesunken in dem Stuhl, das Gesicht an seiner Schulter vergraben. Sie zitterte, doch vielleicht war das auch er, denn Thisdan selbst bebte ebenso wie sie.Nur langsam lösten sie sich, die Halbelfe auf dem hölzernen Stuhl sitzend, der Baron auf ein Knie gestützt vor ihr. Seine Augen waren frei von Tränen, doch Liasanna kannte ihn gut. Der Schrecken war noch nicht fern genug, um Tränen zu erlauben.
„Ich hätte nicht gedacht, dich noch einmal zu sehen“, sprach der Baron schließlich leise. Liasanna fühlte sich fast zu einem Schmunzeln verleitet, doh es wollte ihr nicht über die Lippen kommen.
„Ich hätte auch nicht gedacht, zurückzukehren“, gestand sie leise.
„Ich hatte gehofft, die Gerüchte aus Gareth seien übertrieben. Liasanna... ist es wirklich...“
„... so schlimm?“ unterbrach sie ihn. „So schlimm gewesen?“ Sie schüttelte den Kopf. „Ich habe keine Worte dafür, wie schlimm es gewesen ist. Weder vor dem versammelten Adel des Mittelreiches, noch vor dir.“ Thisdan senkte den Kopf, stand mühsam auf, um zurück zum Bett zu hinken. Unter blonden Strähnen blickte er die Halbelfe unsicher an.
„Liasanna... ich will dich wirklich nicht bedrängen... ich kann mir nicht einmal vorstellen, durch was für eine Hölle ihr gegangen seit, aber...“
Sie stützte das Gesicht in die Hände, ihre Stimme klang dumpf.
„Stell deine Fragen, Thisdan. Stell sie alle.“
„Wie um alles in der Welt habt ihr das geschafft?“
Sie ließ die Hände sinken. Diese Frage war nicht allzu unerwartet, doch sie hatte sie nicht als erste erwartet, selbst nicht von Thisdan, der sie wohl besser kannte als irgend eine lebende Seele auf Dere. Das Unangenehme an dieser Frage war, daß sie etwas berührte, über das Liasanna nicht im geringsten nachdenken wollte. Die ganze Reise hierher hatte sie sich wieder und wieder darüber Gedanken gemacht, was sie auf eine solche Frage wohl antworten sollte, und nun, da sie im Raume stand, hinterließ sie Liasanna immer noch ratlos.
„Was ich dir sage, verläßt diesen Kreis nicht.“
Er blickte sie beinahe enttäuscht an.
„Liasanna, ich bitte dich. Wenn es dich beruhigt schwöre ich einen Eid auf Praios, Boron, Travia oder was auch immer du willst. Du solltest mich besser kennen.“
Die Halbelfe nickte.
„Wenn du die Wahrheit hören willst, dann weiß ich nicht, was dort geschehen ist. Nicht wirklich. Ich weiß, wir boten alles gegen ihn auf, was in unserer Macht stand, und nichts davon schien zu wirken. Und dann... war es vorbei.“
Thisdan runzelte verwirrt die Stirn.
„Wie... vorbei?“
„Vorbei. Er... starb. Er wirkte selbst überrascht. Sie behaupten, sein Herr hätte ihn fallen gelassen... zuletzt.“
„Aber wieso?“
Das war die Königsfrage, das wußte Liasanna genau. Wieso. Was war, wie Nezahed es einmal ausgedrückt hatte, der Strohhalm, der den Rücken des Kameles durchgebrochen hatte? Warum war Galotta gestorben? Für einen Moment war sie versucht, wahrhaft versucht, Thisdan alles zu erzählen. Von dem Gift des Grafen Nemrod, von den merkwürdigen Gegebenheiten, den Herrn Sertun betreffend.
Vermutlich würde er es sogar verstehen. Thisdan war keiner jener Adeligen, die, mit dem goldenen Löffeln im Munde aufgewachsen, die Schrecken der Welt nicht kannten. Sie hatten zusammen Simyala gerettet. Sie hatten zusammen vor der Trollpforte gestanden.
Und dennoch hatte sie Versprechen gegeben, und was sie wahrhaft verängstigte, konnte sie ihm nicht berichten.
„Das weiß ich nicht, Thisdan. Ich weiß es einfach nicht. Vielleicht Glück – Phexens Geschenk, das wäre die menschliche Sicht der Dinge. Vielleicht waren seine Jahre aufgebraucht – wie ein Elf es sagen würde. Ich stehe dazwischen und begreife es nicht.“
„Das macht mir Angst.“
„Sehr klug von dir, Thisdan. Mir auch.“
Er drehte nachdenklich einen Strohhalm in der Hand, den er aus dem Boden gezogen hatte.
„Wie steht es um Gareth?“
„Mehr oder minder so, wie ich es berichtet habe. Es liegt in weiten Teilen in Trümmern, aber es wird sich zumindest ein
Stück weit erholen. Die ersten Schritte sind getan, die weiteren tun die Garether hoffentlich selbst. Bleibt zu fragen, was geschehen wird, wenn Rhazzazor wiederkommt.“
„Und was wirst du nun tun?“
Sie hob die Brauen. Darüber hatte sie bisher noch keinen Gedanken verloren. Sie war einem Schritt gefolgt, der den nächsten bedingte, und Schritt für Schritt hatte sie an diesen Ort geführt. Doch es war richtig. Nun, da der Pulsschlag der Ereignisse zumindest für den Moment langsamer zu gehen schien – was würden sie tun?
„Ihre kaiserliche Majestät Prinz Selindian Hal will uns sprechen, heute abend“, begann sie. „Und dann...“ Sie hob ein wenig hilflos die Schultern.
„Wirst du weiter für die Panther streiten?“
„Das hängt davon ab. Davon, wen die Panther als nächstes beschützen. Ich beuge mein Knie nicht vor jemandem, den ich nicht ehre.“
„Nordmarken“, folgerte Thisdan.
„Im wesentlichen“, grollte Liasanna. „Nebenbei, ich habe in deinem Namen auf dem Turnier den Enkel Jast Gorsams gründlich brüskiert... tut mir leid, wenn das momentan politisch ungünstig war.“
Thisdan blickte sie überrascht an, brach dann jedoch in leises, fast ehrliches Lachen aus.
„Liasanna, Liasanna, jetzt erkenne ich dich wieder. Das ist die Liasanna die ich kenne. Und nein. Du solltest mich besser kennen. Ich bin kein Parteigänger der Nordmärker und werde es nicht werden. Besser, das ist gleich heraus – auch wenn ich fürchte, daß man die Reichsforster ohnehin nicht recht ernst nehmen wird.“
„Das alte Problem... aber um deine Frage zu beantworten, ich weiß es wirklich nicht. Ich werde abwarten müssen.“
„Und für den Moment schützt du das Erbe der Reichsbehüterin“, folgerte Thisdan, und sie nickte.
„Was bleibt mir als das... ich muß ja an irgend einem Ort anfangen.“
„Wenn ich dir irgendwie helfen kann....“
„Es ist gut zu wissen, daß Gareth deien Stimme hat...“
„... die ziemlich leise ist, wenn es um Politik geht,Lia. Du weißt selbst, was mein Hauptanliegen ist. Ich will zuerst und vor allem den Reichsforst sicher sehen. Ich kann nicht verantworten, daß das, was ich bewache, ausbricht.“
„Das weiß ich, und ich werde die letzte sein, die dich dafür verurteilt, daß du deine Aufgabe in Falkenwind siehst – sehen mußt. Aber ich...“
„... du bist Heldin des Reiches geworden, Liasanna. Ritterin. Schutz und Schild. Das mag dir nicht gefallen. Aber es ist der Ort, an den du gelangt bist.“
Sie blickte in seine ernsten, blauen Augen, nickte langsam.
„Ich verstehe, was du mir sagen willst.“
„Hätte ich die Wahl, Lia, dann würde ich dem Vogt die Burg überlassen. Dann würde ich nach Gareth reisen, allein oder an deiner Seite, dann würde ich tun was ich kann, um diesem Land zu helfen, aber du weißt, daß ich nicht kann.“
„Ich werde es an deiner Stelle tun.“ Thisdan lächelte traurig.
„Schon wieder die Sekundantin? Nein, Lia, darüber bist du hinaus. Hör auf, dich selbst zu belügen. Es gibt keine Fußstapfen mehr, denen du folgen kannst. Mach deine eigenen.“
Sie starrte ihn entgeistert an.
„Das kann ich nicht.“
Er ließ sich zurückfallen, lang auf das Bett hinab, und blickte nachdenklich zur Decke des Zeltes hin.
„Du kannst es längst. Glaub mir.“
Sie stützte den Kopf in die Hände, blickte nachdenklich in das leere Kohlebecken.
„Ich wünschte, du hättest mir nur Fragen gestellt, Thisdan. Stattdessen gibst du mir Rätsel.“
„Keine Sorge. Die Fragen werden kommen, wenn du sie mir gestattest.“
Ergeben schloß sie die Augen. „Alle, die du willst....“

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