Elysia in der Tiefe Glaubensfragen In Borons Armen Gefallen

Als Elysia Iolaos, mittlerweile zweiter Gezeichneter, ein weiteres Mal in die Hände bekommt, sind beide auf ihrem Weg schon viel zu weit fortgeschritten, als daß die Situation noch die gleiche wäre. Es gelingt ihr nicht mehr, ihn unter ihre Knute zu werfen, und in einem letzten Aufbäumen von Menschlichkeit wirft sie ihn fort, zu ihrer Familie auf den Zyklopeninseln, von der sie sich schon lange trennte. Und auch ihre Schwägerin Ononis kann darin nichts mehr ändern. Doch Iolaos ist frei, denn der ehemalige Herr Andrego von Montana erweist sich als viel einfacheres Spielzeug.

Gefallen

Wenn der Weg zuende ist

Ein Schiff, um vieles kleiner als das ihre, jagte mit günstigem Wind heran als die ‚Meereslust' fast schwerfällig von dem kleinen, privaten Landungssteg Abstand nahm. Andregos Blick ruhte noch auf dem immer unförmiger werdenden Bündel, das im allgemeinen ein Mensch und im besonderen Iolaos war, ein Mann, der seiner Schwester näher zu stehen schien, als ihm bislang klar gewesen war. Aber spielte das eine Rolle?
Seine Herrin wollte sich gerade vom der Reeling abwenden, als die Führerin des Segelbootes sie anrief:
"Elysia!"
Die Blonde zuckte zusammen. Er wusste, das dies ihr richtiger Name war, seit sie Iolaos an Bord genommen hatten. Er ahnte, das es so etwas wie eine schwache Stelle von ihr sein mußte. Vielleicht würde er dies eines Tage nutzen können. Wenn es eine Rolle spielte…
Mit einem süßlichen Lächeln wandte sie sich um.
"Ach sieh an, Schwester meiner Schwägerin… was willst du, ich habe es eilig!"
Der kleine Segler kreuzte und die blonde junge Frau, die ihn mit erstaunlich fester Hand dirigierte, sah zu Elysia auf. Ernst mochte ihr Blick für den flüchtigen Betrachter sein, voller schmerzlichem Mitleid, wenn man genauer hinsah.
"Du hast deinem Bruder nicht einmal ‚Guten Tag' gesagt, nicht wahr?" Elysia schnaubte.
"Ist das alles? Dann wünsch du ihm doch einen guten Tag, du herzensgutes Kind…" Sie wandte sich der Mannschaft zu. "Ihr wollt der nachtschwarzen Herrin wohl alle noch zu früh begegnen, wie? Bringt diesen lahmen Kahn in Schwung!" Schneidend peitschte ihre Stimme über das Deck und verlangte jedem ihrer Männer Gehorsam und noch mehr Eifer ab. Gegensätzlicher konnten Stimme und die sanften Worte der anderen Frau gar nicht mehr sein:
"Er fragt sich, was er getan hat, um deine Verachtung zu verdienen", sagte sie leise, aber eindringlich. "Er fragt sich, was er hätte tun sollen, um dich zu halten. Kannst du ihm nicht diese Rechenschaft ablegen? Wenn nicht für dich, dann doch für ihn…" Elysia sah finster zu ihr herab. Mit ihren Fähigkeiten und ihren Bündnissen, was hielt sie davon ab, die Schaluppe der Frau vor ihren Augen zerreißen zu lassen? Stattdessen lehnte sie sich überlegen auf die Reeling und ihr Ausdruck zeugte trotz eines liebreitzenden Lächelns von Verachtung und dem höhnischen Abglanz schwesterlichen Mitgefühls.
"Armes Kind, dir muß langweilig sein. Dort…" Sie wies auf den Steg. "Dort ist jemand, der nichts Besseres zu tun hat, als dir zuzuhören. Wenn mein Zwilling eine Schwester vermisst, schenk ich ihm ihn als Bruder. Er soll schön auf ihn aufpassen und dafür sorgen, das er nicht in die Welt zurückkehrt, dort bringt er sich ohnehin nur in Schwierigkeiten…"
Die junge Frau sah sich um, und als sie den Blick wieder zu dem Schiff wandte, hatte es sich bereits wieder ein Stück weiter bewegt. Sie blickte nicht mehr Elysia an, sondern den Mann der teilnahmslos neben ihr stand. Und er sah in ihr ebenmäßiges Gesicht, die von Wind und Wetter gebräunte und doch zarte Haut, ihren jungen agilen Körper, der das nötigste an Kleidung zyklopäischen Stils trug, die blonden, vom wind gezausten Strähnen ihrer kurzen Haare. Ihre Augen schienen das Wasser der nahen Bucht wiederzuspiegeln, blau mit einem Hauch von Grün, und schwer von Mitgefühl, besonders als sie ihn an blickte und vielleicht seine Rolle verstand. Ihr Blick wanderte wieder zu Elysia, die ihr mit aufgesetzter Fröhlichkeit zuwinkte. "Bis dann…" Die ‚Meereslust' drehte bei und das Segelboot geriet außer Sicht, blieb hinter ihnen zurück, und Elysias Lächeln schwand. "… wohl kaum…" Mit finsterem Blick verschwand sie unter Deck.

Von Monika

Querverweis zum Weiterlesen:
Intermezzos - Zwischenspiele zwischen Iolaos und Esybilla Stragazza di Montana während der Borbaradkampagne (Führt in den Bereich "Geschichten über Iolaos")

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