Tagebuch AoE UG RdE Von Fuchs und Greif
Erstaunliche Esybilla Ruhe vor dem Sturm Konventionen Ein Hauch von Frieden

Ein überstandenes Abenteuer ist allzu oft Grund genug für Freude und leichten Sinn. Und so plaudert Iolaos - beinahe freimütig, mit der jungen Magierin, die doch eigentlich eher der Feind sein sollte. Und Esybilla, wie es ihre Natur ist, geht darauf ein und lacht und scherzt nach bestem Wissen und Gewissen alle Vorurteile beiseite.

Konventionen

Auf dem Weg nach Süden aus dem ehernen Schwert

Eine Schlacht hinter ihnen, die staubige Straße vor ihnen... Setaou und Iolaos hielten die Gruppe etwas auf, dadurch, das sie zu Fuß unterwegs waren, doch das schadete nicht. Es ließ genug Zeit, zu atmen, zu begreifen, was sie durchgestanden, was sie überlebt hatten. Vielleicht war deswegen gerade Iolaos so besonders schweigsam, seit sie die Burg der dunklen Magierin hinter sich gelassen hatten. Esybilla warf einen nachdenklichen Blick zu ihm zurück. Wenn man sich ansah, was sie inzwischen erlebt hatten, konnte man seine Vorbehalte der magischen Zunft gegenüber fast verstehen. Fast...

Auch ihre Gedanken waren beschäftigt, zu viele offenen Fragen waren durch das Verschwinden von Magierin und Drachenauge ungeklärt geblieben. Sie ließ ihre Stute ihren eigenen Weg finden, während sie nachdenklich eine Schnur zwischen ihren Fingern entlangwand, komplexe Muster pflegend, die ihr beim Nachdenken helfen sollten.

"Weise ist, wer den letzten Schritt nicht geht", murmelte sie, mehr zu sich selbst. Iolaos, irgendwo in seinen eigenen Gedanken, hob kurz den Blick, senkte ihn jedoch wieder, als er begriff, das sie niemand Bestimmtes angesprochen hatte.

Nur sein Hund trabte ein wenig schneller einher und schenkte der einzigen Dame weit und breit ein kurzes, aber deutliches Schwanzwedeln. Der Klang ihrer Stimme schien ihm zu gefallen, und mochte es auch daran liege, das sie oftmals als einzige sprach.

Sie schreckte aus ihren Gedanken hoch, lächelte und reichte zu dem Hund hinunter um durch das Fell zu streicheln.

"Suchst du Trost oder nur jemanden, der anfängt, sinnloses Zeug zu dir zu reden?" fragte sie schmunzelnd. In der Tat war dieses Tier von ihnen allen bislang am wenigsten in Mitleidenschaft gezogen worden. Die Belagerung ihrer Burg hatte er sicher mit dem Stein auf dem nur scheinbar unglücklich verschlossenen Burgfried verbracht, bei der Belagerung der anderen Burg hatte er die Zelte gehütet... Trost konnte es also schwerlich sein?

"Wieviel, dass sie gleich vom Pferd fällt...?" raunte Iolaos Setaou zu.

In der Tat sah es kurz so aus, als würde Esybilla das Gleichgewicht verlieren. Einen kleinen, überraschten Schrei ausstoßend brachte sie sich gerade noch wieder in eine stabilere Position. Sie lachte leise und schüttelte den Kopf.

"Da siehst du was du anrichtest", schalt sie den Hund gutmütig.

"Meine Worte, er belästigt Euch, Euer Gnaden..." Seine neue Anrede für sie, seit er mitbekommen hatte, wie Feldmarschall (bla) sie als Geweihte erkannt und standesgemäß angesprochen hatte. Offenbar war ihm ihr richtiger Name bei weitem zu lang...

Sie wandte den Kopf um sich zu ihm umzudrehen, ließ dann Zuita zu ihm zurückfallen, so daß sie neben ihm einherritt.

"Nicht jede Belästigung ist von übel, Iolaos." Er hob die Brauen.

"Warum sonst sollte man sie Belästigung nennen?" Sie hob die Schultern.

"Weil es nur ein Wort ist?"

"Hm..." Eine Weile sah er nachdenklich den Weg entlang. "Wenn Ihr das mit jedem Wort so haltet, wird die Verständigung schwierig, meint Ihr nicht?" Sie nickte.

"Natürlich. Konventionen sind unumgänglich. Aber auch wenn mich der Hund vielleicht zum Fallen bringen könnte, freue ich mich trotzdem, daß er sich streicheln läßt. Ist das nun Belästigung oder nicht?"

Er sah sie skeptisch an.
"Ihr schweift doch ab..."

Sie lächelte, fast so etwas wie Stolz auf ihren Zügen. "Sehr richtig."

Iolaos schüttelte den Kopf und sah den Hund an, der zwischen ihnen lief. Hast du gar nichts zu sagen? Ein Wedeln war die Antwort. Wie immer... Jahre schon warte ich darauf, aber nie sagst du ein Wort... Nicht ein einziges... neckte er das Tier, und sein stetiges Schwanzwedeln zeugte davon, das es sich freute, angesprochen zu werden.

Esybilla grinste. "Fürchterlich, nicht wahr? Ich kenne das..."

"Von den Hunden Eures Vaters, nehme ich an..." Also hörte er ihr nicht nur das ein oder andere Mal zu, er merkte sich sogar manches, das sie ihm erzählte!

"ähm..." Esybilla schien diese Antwort nicht erwartet zu haben, ließ wie zufällig ihren Blick langsam über die Gemeinschaft wandern, die weiterhin auf dem Weg nach Süden Richtung Bjaldorn unterwegs war - bis auf sie beide im Schweigen, wie so oft... woran sie sich nun augenscheinlich schon gewöhnt hatte. "Auch... ja."

"Ach, Euer Pferd spricht auch nicht zu Euch?" Sie verzog trocken die Lippen.

"Ich fürchte mit ihrem Standesbewußtsein ist es nicht zu vereinbaren, daß dieTochter des Hauses Stragazza beinahe ein wenig vorzeitig unfreiwillig die Academia zu Kuslik verließ udn sich seitdem des schändlichsten Vagabundenverhaltens befleissigt, das man sich wohl vorstellen kann. Allein ihr Pflichtgefühl meinem älteren Bruder gegenüber hat sie davon abgehalten, längst das Weite zu suchen...

Er sah sie stirnrunzelnd an.

"Ihr redet aber noch von Eurem Pferd, ja...?" Sie lachte.

"Oder von meiner Amme."

"Ah..." Er nickte, schüttelte dann in gut gespieltem Vorwurf den Kopf. "Nun, seine Amme enttäuscht man aber auch nicht, was habt Ihr Euch nur dabei gedacht?" tadelte er affektiert. "Daß mir die Halsfesseln meiner pompösen Landsleute nicht besonders gut stehen." Tatsächlich - auch wenn ihre Kleidung durchaus aus feinem Tuch war, schien die schlichte Tunika und die lange Hose doch irgendwie besser zu der sommersprossigen jungen Frau zu passen, als ein steriles Kleid und die Juwelen des Liebfelder Landadels.

Iolaos maß sie eines kurzen Blickes und versuchte für einen Moment vergeblich, sich ein solches Kostüm an ihr vorzustellen.

"Und Eure Amme hatte wohl eher schon einen netten und vor allem reichen Mann für Euch im Sinn", vermutete er mit hochgezogenen Brauen.

"Wenn es einen gab, dann wurde er vermutlich davon abgeschreckt, daß ich versucht habe, ins Lehrerzimmer in Kuslik einzubrechen." Esybilla wirkte über die Maßen zufrieden mit sich selbst. Iolaos hob die Brauen.

"Was gab es dort wohl einzubrechen...?" Eine Frage die er sich selbst kaum beantworten konnte. "Naja." Sie hob die Schultern, nonchalant wirkend. "Es ging eher um die Herausforderung. Ich meine... wir sind schließlich Contramagier. Wir werden ausgebildet, Sprüche zu brechen." Sie strich nachdenklich über den roten Hals ihrer Stute. "Die Lehrerzimmer waren durch eine Menge äußerst interessanter Sprüche geschützt, aber sie hatten eine Schwachstelle und ich glaubte, ich könnte sie aushebeln..." Sie grinste zu Iolaos hinunter. "Ich bekam die Kopfschmerzen meines Lebens und beinahe die Expurgatio..." Sie hob ihre Schultern, der selbstzufriedene Ausdruck war noch stärker geworden. "Aber das war es definitiv wert."

"Also... habt Ihr es nicht geschafft?" Nicht uninteressiert sah er zu ihr auf.

"Nicht wirklich, leider.." Sie seufzte leise. "Das wäre der Skandal des Jahres geworden... zu schade. Es gibt einige Magister denen ich es gegönnt hätte. Aber ich hatte etwas übersehen, wie ich zu meiner Schande gestehen muss. Ich hätte es vielleicht schaffen können wenn ich in der Analyse gründlicher gewesen wäre. Nun ja, so lernt man eben..." Sie blickte sich in den immergrünen Wäldern um und schmunzelte. "Ich hätte es noch einmal versucht, aber ich musste meinem Vater versprechen, es zu lassen... Ich glaube er musste ziemlich viele Hebel in Bewegung setzen, damit ich bleiben durfte."

"Mit den nötigen Beziehungen geht alles..." vermutete Iolaos.

"Im Lieblichen Feld? Sicherlich", bestätigte Esybilla nüchtern.

überall... sagte er schulterzuckend. Man muß nur wissen, was die richtigen Beziehungen sind...

"Mein Vater hatte die nötigen, soviel ist sicher... Ich weiß gar nicht genau was damals vor sich gegangen ist." Sie kaute nachdenklich einen Moment lang auf ihrer Unterlippe, im unangenehmen Gedanken schwelgend, daß vielleicht gar die Kaiserin selbst von ihrem Affront erfahren hatte.

"Könnte damit zusammenhängen, daß ich zu der Zeit nicht ... wie sagt man so schön - vernehmungsfähig? war."

"Na das müssen ja Kopfschmerzen gewesen sein..." kommentierte Iolaos trocken. "Und ganz ohne Saufgelage..."

"Ja..", stellte die Magierin verdrossen fest. "Es hat sich nicht mal gelohnt..."

Sie hob die Schultern, grinste dann schließlich. "Obwohl der Wutanfall der Akademieleiterin auf die Vinsalter Bühne gepasst hätte." Sie kicherte in der Erinnerung.

Iolaos schüttelte leicht den Kopf. Ihre Begeisterung für dieses Bubenstück schien ihn zu amüsieren. Esybilla schmunzelte.

"So erlebt eben jeder seine Abenteuer", bemerkte sie trocken und beugte sich wiederum kurz zu dem Hund hinunter, um eine Hand durch sein Fell huschen zu lassen. "Und nun sagt nicht, Ihr wärt immer ein braves Kind gewesen..."

Er hob die Schultern.

"Keine Ahnung..." erwiderte er schmunzelnd. "Ich war nie ein Kind..." Eine infame Lüge, das war deutlich an seinen Augen zu sehen.

Sie lachte, ein Lachen, das in einem leichten Husten endete.

"Das glaube ich Euch nicht, Iolaos"; stellte sie amüsiert fest. "Ihr seid nicht die Sorte Mensch die fertig auf die Welt kommt... wenn es die überhaupt gibt."

"Nein..." Er wog leicht den Kopf. "Aber wahrscheinlich ist es einfach nur schon zu lange her... Es kommt mir fast vor, wie ein anderes Leben..." Er schien nicht allzu bekümmert darüber... vielleicht ließ er den Gedanken auch nur oberflächlich zu.

Sie schmunzelte.

"Ja, alter Mann." Es klang neckend, war sie doch ein gutes Stück jünger als er, die frischen Züge und die makellose Haut boten noch die letzten Erinnerungen unverfälschter Jugend. "Kann ich verstehen." Ein Grinsen zog sich über ihr Gesicht. "Ich erinnere mich noch recht gut..." Er hob die Schultern.

"Nun, wie lange ist es auch her, das ihr noch ein Kind ward: Eine Reise in den Norden?"

Es schien ihm ansatzweise Spaß zu machen, sie aufzuziehen... oder es zu versuchen...

Sie schmunzelte und drehte nachdenklich eine rotblonde Locke um ihren blassen Finger.

"Naja... ist es denn schon vorbei?" Sie zwinkerte zu ihm hinüber. "Haltet Ihr mich nicht ohnehin noch für unreif?"

Ein Vorstoß aus der Parade hinaus... Esybilla mochte die liebfeldische Fechttechnik nicht beherrschen, mit Worten war sie ihrer auf jeden Fall mächtig.

Er sah sie an. "Die Reise in den Norden? Offensichtlich, denn wir sind südwärts unterwegs, falls Euch das entgangen ist..." Sein Schmunzeln wurde etwas tiefgründiger. "Und wie kommt Ihr bloß auf die Idee, das ich Euch für unreif halte, Euer Gnaden?"

Ein Block, gefolgt von einer Einladung...

"Nennt es weibliche Intuition", entgegnete Esybilla seelenruhig. Ein Mundwinkel zuckte in wohlberechneter Geste. "Obwohl ich an diesem Punkt nun einmal wirklich kein Verständnis erwarte..." Er hob die Brauen, musterte sie schmunzelnd.

"Tatsächlich? Und weshalb nicht?"

"Hmm..." Ein weiteres trockenes Husten, während sie ihn eingehend musterte, dann sich selbst, und schließlich wieder ihren Gegenüber. "Gibt es da etwas das ich bisher noch nicht weiß?" Neugier, halb gespielt, halb wirklich leuchtete in ihren blassblauen Augen.

Mit einem Lächeln winkte er ab. "Wenn Ihr meint, ich müßte nichts von weiblicher Intuition verstehen, nur weil ich ein Mann bin, kann ich dazu nur sagen, das Ihr auch etwas von Drachen versteht... Und mir kam es bislang nicht so vor, das Ihr selbst einer seid..."

"Oh!" Gespitzte Lippen, ein eindeutig überraschter Gesichtsausdruck, derart übertrieben, dass es nur lächerlich wirken sollte und konnte. "Das war doch nicht etwa ein Kompliment?" Sie grinste, wandte den Blick auf die Straße und schüttelte den Kopf. "Ein Hauch von Kultur bei einem Nordländer.. ich bin entzückt..." Ein leiser Husten unterbrach ihre Rede ein weiteres Mal, veranlasste Iolaos zu einem leichten Stirnrunzeln.

"Wenn Ihr einen Frosch im Hals habt, solltet Ihr in rauslassen..." empfahl er wenig hilfreich. Sie winkte ab.

"Ach was. Dem gehts da ganz gut fürchte ich. Ich bin eben euer rauhes Klima nicht gewöhnt." Nun, da er genauer beobachtete, mochte er vielleicht auch sehen, daß ihr das Schlucken wohl nicht ganz leicht fiel. "Das bisschen Halsschmerzen hatte ich zu Beginn des ganzen ärgers schonmal, und da ist es auch von alleine gegangen." Sie bemerkte nicht, wie Setaou sich kurz stirnrunzelnd zu ihr umwandte. "Ich gehe der Erkältung einfach so lange auf die Nerven bis sie die Lust verliert." Ihr Grinsen wurde wölfisch. "Das kann ich gut!"

"Das müßt Ihr mir nicht erzählen..." Er musterte sie noch einmal eingehend, bevor er den Blick wieder geradeaus wandte, und nahm sich vor, sie und ihren 'Frosch' in der nächsten Zeit etwas genauer im Auge zu behalten.

"Ach..." Ein Laut des Verdrusses, als sie ihre Hacken in die Flanken ihres Pferdes stieß, allein der kurze, schmunzelnde Blick zurück zeigte, dass sie nicht beleidigt war. "Na gut... dann erzähle ich es eben Lieto..."

Und fort war sie, zur Spitze der Gruppe, wo der Waldläufer ihren Weg durch die Wildnis anführte...

Von Ute und Monika

Querverweis zum Weiterlesen:
Das Ende der Unschuld - Schlaglichter aus dem Vorleben Iolaos' (Führt in den Bereich "Geschichten über Iolaos")

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