Tagebuch Vorspann UG RdE Von Fuchs und Greif
Tödliche Träume Verkehrte Welt Schatten der Vergangenheit Im Park der Schlange

Auf der Suche nach dem Grund, warum im abgelegenen Dragenfeld eine Tsageweihte in den Flammen ihres Scheiterhaufens sterben mußte, gerät schon die Reise zu einem Abenteuer nicht ohne Gefahr. Denn was geschieht, wenn man nicht einmal mehr im Schlafe, nicht einmal mehr im Traume, sicher ist vor Gefahren? Als schließlich Esybilla durch ein Eindringen in Iolaos' Traum schlimmeres verhindern kann, gefällt ihr überhaupt nicht, was sie dort gesehen hat. Doch selbst die eloquente Liebfelderin findet nicht für alles Worte.

Zugehöriges Tagebuchkapitel: Irrlichter

Tödliche Träume

Auf dem Weg nach Dragenfeld

Noch immer stand sie unter dem Eindruck des Traumes, der sich tief in ihre Gedanken, in ihr Gedächtnis gebrannt hatte, hilflos lief ihr Verstand, der gewohnt war, alles zu analysieren und zu durchdenken, Amok gegen unsichtbare Barrieren.

Letzte Nacht schon war Lieto vollkommen zerschlagen aufgewacht, doch das, was sie soeben gesehen hatte, war noch schlimmer gewesen. Und noch viel nagender war das Gefühl, das wie ein Alpdruck sie seitdem nicht mehr verlassen hatte.

Der Falsche....

Langsam trat sie durch die Bäume an das Wasser, ging neben Iolaos ans Ufer. Es würde ein warmer Tag werden, und so hielt sie sich nicht lange auf sondern sprang barfuss mit ihren Stoffhosen ins Wasser, um ihre Tunika darin zu spülen. Unter wirren Ponyfransen warf sie ihm ab und an Blicke zu. Iolaos Bewegungen schienen mehr mechanisch als deutlich bewußt zu sein, während er sein Hemd im in der Dunkelheit fast schwarzen Wasser auswusch. Sein kurzfristiger Zorn, der wohl eine gutes Stück Hilflosigkeit, ob dieser immer abstruser - und gefährlicher werdenden Träume beinhaltete, schien vergangen, im Augenblick wirkte er mehr als ruhig. Nein, betäubt wäre wohl ein besserer Ausdruck gewesen.

"Geht es Euch besser?" Besorgt warf sie einen Blick auf seine mit Magie nur notdürftig verheilten Wunden, Schwertstreiche, die einmal sehr tief gewesen waren - und doch von außen nicht einmal zu sehen... Esybilla wußte nicht genau, wie sie anfangen sollte. Denn was sie zu sagen hatte war mehr als nur eine oberflächliche Unterhaltung.

Iolaos nickte pflichtschuldig, und mehr oder weniger entsprach es wohl auch der Wahrheit. Körperlich ging es ihm besser. Doch er begann erst allmählich zu begreifen... Langsam blickte er zu Esybilla auf.

"Ich wäre wirklich fast gestorben..." sagte er leise, von einem Hauch atemlosen Staunens begleitet, eine Handbreit von Entsetzen entfernt. Diese Erkenntnis erschreckte ihn immer mehr, gesteigert durch die Tatsache, dass es ihn erschreckte, denn wie oft hatte er sich im vergangenen Jahr gewünscht, endlich zu Boron gehen zu können... Aber nicht so... Nicht im Zuge eines Kampfes, der nicht der seine war... der ihn nichts anging... oder doch?

Langsam nickte die Magierin. Sie wußte das nur zu genau, und sie wußte auch, so sicher wie sie sich ihrer astralen Kraft bewußt war, daß ihr Eingreifen allein das Blatt gewendet hatte... Doch mit dieser Erkenntnis ging noch eine andere einher, und die wiederum war schmerzhaft... und beunruhigend. "Ja", entgegnete sie leise. "Ich verstehe das auch nicht ganz. Wie kann ein Traum solche... Auswirkungen haben... ich habe noch nie davon gehört." Fast wütend zerrte sie an ihrer Tunika. "Ich bräuchte eine vernünftige Bibliothek, dann vielleicht... Aber so...?" Sie schüttelte sacht den Kopf.

Iolaos sah sie noch einen Moment lang an, bevor er wieder ins Wasser starrte. "übrigens... danke..." sagte er nach einer Weile grübelnden Schweigens vollkommen unvermittelt. Ein schnelles Lächeln, ein Kopfschütteln. "Keine Ursache. Dafür bin ich da." Wieder eine der leichten Bemerkungen in die Richtung, daß Magie nicht in allen Ausprägungen verachtenswürdig war.

Erneutes Schweigen.

Iolaos zog sein Hemd nach einer Weile aus dem Wasser und betrachtete es skeptisch, entschied jedoch, das es wohl nicht besser werden würde. Langsam hob er den Blick wieder zu der Maga, die mit beiden Beinen in dem gurgelnden Bachlauf stand. "Und... mit Euch ist auch alles in Ordnung...?"

Immerhin war sie - wenn auch nur kurz - Teil dieses überaus gefährlichen Traumes gewesen... Sie nickte und fuhr sich mit nassen Händen durch die halblangen Haare, brachte ihre Frisur in noch grössere Unordnung als zuvor.

"Ich stehe noch", entgegnete sie mit einem leichten Schmunzeln und tauchte ihre Tunika ins kalte, fließende Wasser. Für einen Moment lang schwieg sie, ihre Gedanken sammelnd. Wie sollte sie am besten beginnen?

"Iolaos.... ich..." Nachdenklich runzelte die Stirn. ".. ich habe ein merkwürdiges Gefühl nach diesem Traum. Ich meine nicht, weil seiner Auswirkungen oder anderer Dinge. Sondern..." Sie hielt im Waschen inne um nachdenklich vor sich hin zu starren. "Ich hatte das Gefühl, daß mein Eingreifen das Blatt gewendet hat. Daß ohne mich wohl Ihr gestorben wärt." Sie holte tief Luft, das nicht aussprechen wollend, was sie doch aussprechen musste. "Und in dem Moment in dem ich aufgewacht bin, hatte ich das Gefühl, ich hätte dem falschen geholfen."

Mehr als fragend sah Iolaos sie an. "Was bedeutet das...?"

Sie hob die Schultern, die Hände in einer leicht hilflosen Gestik ausbreitend. "Ich habe keine Ahnung."

Er nickte langsam. Es war schon eine Weile her, das er sich derart ausgeliefert gefühlt hatte... "Wir sollten mit den anderen darüber reden..."

Leises Plätschern des Wassers, als Esybilla durch den kleinen Strom hindurch zu ihm lief, die Tunika lose in der Hand und im Wasser ihr nachrinnend. "Das ist Eure Entscheidung", sagte sie leise. "Und denkt vielleicht nicht nur an das Naheliegendste.. solche Träume können alles mögliche bedeuten. Vielleicht ist es eine Warnung... oder ein Hinweis..."

Iolaos lacht, kurz, leise und überaus trocken. "Ich kann mir ja nicht mal zusammenreimen, was in dem Fall das Naheliegendsten sein soll..."

Sachte hob sie die Schultern. "Um ehrlich zu sein bin ich auch recht ratlos. Ich meine, Alpträume würde man wohl am ehesten mit der Herrin der Alpträume in Verbindung bringen. Aber..:" Sacht hob sie die Schultern. "Einiges hieran passt auch wiederum nicht zusammen. Ich habe gelesen, daß es möglich ist, in die Träume anderer einzudringen, wobei ich nicht genau weiß, wie das denn funktionieren soll... aber von derartigen Verletzungen habe ich noch niemals gehört. Ich glaube eher, daß es etwas mit... dem was in Dragenfeld vor sich geht, zu tun hat."

"Dann sind wir ja auf dem besten Weg, genau das herauszufinden..." erwiderte Iolaos mit pragmatischer Gelassenheit. Was blieb ihm auch übrig?

Esybilla nickte und sah wieder hinunter zu der langsam sauberer werdenden Tunika. "Das nehme ich wohl an. Ich gestehe, daß ich mittlerweile mehr als nur gespannt bin.."

Iolaos hingegen war sich nicht sicher, ob er wirklich wissen wollte, was hinter all dem steckte. Mochten sie in Dragenfeld auch Antworten finden, so blieb doch die Frage, ob es dadurch besser würde...

Er deutete ein Nicken in Richtung ihrer Tunika an. "Fertig...?"

Sie inspizierte den Stoff kurz, nickte dann. "Ich denke schon."

Er nickte und hielt ihr die Hand entgegen, um ihr aus dem Wasser zu helfen. "Gehen wir zurück..." Sie nickte und ließ sich helfen. Doch bald sollte ein schlechter Schlaf und beunruhigende Träume noch eines der geringeren ihrer Probleme sein...

Von Ute und Monika

Querverweis zum Weiterlesen:
Das Ende der Unschuld - Schlaglichter aus dem Vorleben Iolaos' (Führt in den Bereich "Geschichten über Iolaos")

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