Feuertaufe Seelsorge Erbeben
Todessehnsucht Zusammenbruch Rückkehr zur Mitte
  Alles ist gut  

Weiter und weiter drehen sich die ereignisse, und als langsam Land in Sicht zu kommen scheint, als die Kronprinzessin wieder auftaucthe udn an der Seite des einstigen Ursurpators Answin von Rabenmund mit Marschall Leomar vom Berg eine große Schlacht gewonnen wurde, ein düsterer Plan vereitelt am Boden liegt bricht alles erneut über den Gefährten zusammen.
(Geschichte inspiriert von 'Rückkehr des Kaisers')

Todessehnsucht

Wenn das Leid vor Augen das Maß des erträglichen erreicht... wenn keine Atempause kommt und Seelenwunden nicht heilen... dann beginnen Kräfte zu schwinden.

„Dies ist die Rückkehr des Kaisers…“ gellte der Ruf Ludegers über den Platz.
„Nein.“ Liasannas Stimme von Links, ein Aufschrei der Verneinung. Sinnbild des Leides das es für die Halbelfe bedeuten mochte, diesen Verrat des Löwen zu fühlen. Mit regungsloser Miene betrachtete Angwi Thalionmel Galahan das Schauspiel vor sich, folgte Liasanna, als diese sich nur einen Moment später abwandte. Sie nahm nicht wirklich wahr wohin ihre Schritte sie führten- und es war auch nicht wichtig. Es zählte nur, dass sie bei ihren Gefährten blieb. In den letzten Wochen hatte sich erneut alles überschlagen. Sie lächelte dünn und ironisch. Nur einen Moment, dann verging es- jedoch ein Gedanke trieb dieses seltsame Lächeln auf ihr Gesicht: Wann hatten seit dem Turnier die Dinge eigentlich mal aufgehört sich zu überschlagen?
Zunächst waren sie nach Sankta Boronia zurückgekehrt, nur um vom Diebstahl der heiligen Reliquien zu hören. Gehetzt waren sie den Truppen des Erzverräters Lucardus von Kemets nachgereist, nur um in die Grotte Keranvor zurückzukehren und dort gerade noch rechtzeitig zu kommen um sich dem Nirraven in derischer Inkarnation zu stellen. Wie knapp war es gewesen? Wie hoch war die Chance, dass es tatsächlich eine Zerschlagung der Pforten Uthars hatte stattfinden sollen? Ordensgroßmeisterin Borondria hielt das für unmöglich. Und sie selbst? Durfte man so etwas überhaupt ausschließen- oder war das bloß allzu blindes Vertrauen gepaart mit menschlicher Arroganz?
Angwi schluckte. Unterstellte sie da gerade ihrer eigenen Großmeisterin, die Augen zu verschließen?
Um ihre Flucht zu ermöglichen, waren bis auf sie, Borondria und noch einer der Ritter ihres Ordens alle anwesenden Golgariten in den Tod gegangen. Alle waren sie jünger gewesen als Angwi.
Und kaum hatten sie dieses Unheil abwenden können, und die Wunden heilten notdürftig, ereilte sie der Befehl Rohajas… Silpion aus Warunk zu bergen. Angwi verharrte reglos, als Leomar hinter ihnen das Zelt betrat um sich zu rechtfertigen. Sie verstand seine Motive. Aber sie folgte seinen Ausführungen nicht, sondern blickte auf ihre Hände herab. Die Warunkei. Natürlich hatte sie sie früher schon betreten. Aber niemals zuvor Warunk selbst- geschweige denn die goldene Pyramide. Sie musste niederschreiben, was sie dort gesehen hatte. Punin informieren. Und natürlich Borondria. Die Bilder verfolgten sie noch immer. Es war eines, von Schrecken zu wissen, oder sie zu erahnen. Es war etwas vollkommen anderes, ihnen gegenüber zu stehen- und nichts tun zu können.
‚Werden mich die Schmerzensschreie jener, denen man bei lebendigem Leibe das Fleisch vom Leib schnitt bis an mein Lebensende verfolgen?’ Fragte sie sich mit bitterem Kloß in der Kehle. ‚Kann eigentlich am Ende noch alles gut werden? Und müssen wir wirklich Rhazzazor… müssen wir wirklich das größte Unheil mit Unheil besiegen, wie Bruder Zyriak es mir sagte? Was nur bedeutet das?’ Ihr Blick ging ins Leere, zu Boden.
‚Warum muss ich leben? Herr, ich bin so müde… wann schenkst du mir deine Gnade? Ich kämpfe schon so lange. Nun kämpfe ich auch noch dagegen an, nicht den Rest meiner inneren Ruhe zu verlieren. Ich bin zu alt geworden, meine Seele beginnt zu hadern. Lass mich nicht enden wie Bruder Zyriak. Ich sehe all diese Kinder sterben… diese jungen Menschen, die die Begegnung mit Dir scheuen und fürchten. Die meine Gegenwart fürchten. Ich habe Ordenskrieger sterben sehen, die halb so alt waren wie ich… und lebe noch immer.’ Für einen Moment schloss sie die Augen, leerte ihren Geist und setzte ihr lautloses Zwiegespräch dann reumütig fort. ‚Vergib mir. Mein Hadern ist nicht recht. Ich weiß, dass ich noch eine Aufgabe zu erfüllen habe. Aber ich bin nur ein Mensch. Ich bin schwach… ich leide… und ich fürchte mich. Das Grauen der Warunkei entsetzt mich bis in die Tiefe meines Herzens. Herr… vergib mir, dass ich mich immer nach dem Kampfe sehnte und mir nun wünsche mir wäre der Weg eines einfachen Boroni vergönnt. Wenn mir die Jahre seit der dritten Dämonenschlacht im Sinn sind, so kann ich mich an kaum einen Monat erinnern, in dem ich nicht die Waffe in der Hand trug. Kriege sind so sinnlos… und es sterben immer die Unschuldigen zuerst. Vater der Stille… bitte leih mir von deiner Kraft damit ich auf deinem Pfad bleiben kann. Meine Kräfte sind am Ende.’
Sie erinnerte sich an den gestrigen Abend, als sie Liasanna danach gefragt hatte, was geschehen war. Als diese die Vision von Emer mit Yann und ihr teilte. Als sie die Halbelfe danach in die Arme geschlossen hatte und diese in Tränen ausgebrochen war… nichts hätte sie ihr sagen können. Natürlich erwartete Liasanna von ihr nicht ein großes Ausmaß tröstender Worte, die Umarmung alleine hatte ihr genügt. Aber Angwi hatten die Worte schlichtweg gefehlt, so erschöpft hatte sie sich gefühlt. Wie konnte sie die eigenen Sorgen momentan auf Liasannas Schultern laden? Sie war Priesterin… sie musste sich um die Seelenwunden der Halbelfe kümmern… und sie nicht mit dem eigenen Schmerz belasten. Aber wozu waren Freunde da… wenn nicht für solche Momente? Sie hatte doch bereits aus ihrer puren Gegenwart Kraft schöpfen können… nur hatte damals, beim Tod Bruder Zyriaks nur sie wirklich Trost gebraucht. Und nun… auch wenn man es Yann nicht ansah, gewiss war auch er aufgewühlt über die Zustände in Warunk. Nein, die eigenen Sorgen mussten warten.
Wie im Traum zog die Warnung Leomars zu einem raschen Aufbruch an ihr vorbei, sie folgte Yann und Liasanna hinaus und übernahm wortlos die Führung. Richtung Sankta Boronia. Vielleicht würden einige Stunden dort ihr Trost schenken. Als die Freunde ohne Bemerkung folgten, führte sie sie zielsicher durch den Nebel, schenkte den Boronis nur ein Nicken und betrat ohne Zögern die Tempelhalle, um sich in der Stille auf die Knie sinken zu lassen und die Augen zu schließen. Und für die nächsten Stunden suchte sie allein die Zwiesprache mit Boron, die ihr zwar die Sicherheit vermittelten, nach wie vor in seiner Gunst zu stehen und die auch so etwas wie neue Stärke geschenkt hatten… die jedoch eines nicht vermochten: Die tiefe Müdigkeit zu vertreiben, die sich in ihrem Herzen festgesetzt hatte.

Von Ragnhild Nitz

Querverweis zum Weiterlesen:
Die Ereignisse durch Liasannas AugenTag des Zorns (Führt in den Bereich "Geschichten über Liasanna")
Charakterbeschreibung Liasannas:Liasanna Mondenpfad (Führt in den Bereich "Charakterbeschreibung der Wegbegleiter")

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