Bis wir uns wiedersehen Alte Wunden
Löwe und Einhorn Schritte auf deinem Grab
Solch sorglose Zeiten Das Ende meiner Freiheit
Zu lange vergangen  

Andrego reist in seiner Funktion als Geheimer Rat im Dienste der Horas nach Gareth, ursprünglich, um einige Lieferungen abzuwickeln und am Garether Hof die Stimmung zu sondieren, als Galotta eine Höllenmaschinerie sendet, um Gareth in Angst und Schrecken zu versetzen. Hintergründig erweist sich dies als Versuch seines Reichserztruchseß Ugo von Wertlingen, seinen Sohn zu erreichen und ihn zu bitten, in die Schwarzen Lande zu reisen. Ludo von Wertlingen, bester Freund Prinz Brins, ist jedoch durch seinen Eid an die Totenwache über Brin in der Stadt des Lichtes gebunden. Und so bittet er die Helden, die ihm die Botschaft überbrachten, an seiner Statt nach Yol-Ghurmak zu reisen. Andrego stimmt zu, und sein Versuch, seine Entschuldigung vor seiner Frau Serina - und somit auch vor sich selbst - zu rechtfertigen, ist hier zu lesen.
(Geschichte inspiriert von 'Kreise der Verdammnis')

Bis wir uns wiedersehen

Ein Brief Andregos an seine Frau

Der Dame
Serina von Garlischgrötz
zu Montana

Hochgeehrte Serina,

Die Feder sträubt sich beinahe in meinen Händen, dir zu schreiben, was ich dir berichten muß, weiß ich doch, dass es dir weder gefallen wird, noch dir wahrhaftig gerecht wird. Wie kann ich dir etwas erklären, von dem ich fürchte, dass du es nicht verstehen kannst, allein, weil du meine Situation niemals gekannt hast, allein, weil du keine Schwester hattest, die wie sie war.
Doch ich will am Anfang dieser schweren Geschichte beginnen, um dir begreiflich zu machen, was geschah, und wo ich mich in nur Tagesfrist befinden werde.

Wie du weißt, befinde ich mich zur Zeit in der Kaiserstadt Gareth, im Auftrage Ihrer Horaskaiserlichen Majestät. Ich will dir nicht viel von den Lappalien - ja, so muß ich es im Augenblick aus meiner Perspektive nennen - berichten, die mich ursprnglich hier her führten, es soll gengen zu sagen, dass Erfolg durchaus nicht unmöglich scheint

Mag sein, dass die Ereignisse, die mich zu diesem Brief führten, meinen Worten vorauseilen, dass der unübertreffliche Aventurische Bote dir bereits geschildert hat, was ich aus der Kaiserstadt zu erzählen weiß, doch vergib mir, wenn ich es dennoch berichte, hägt es doch eng mit dem zusammen, was zu tun ich im Begriffe bin.

Ich hatte eine seltsame Begegnung hier in den Gassen Gareths, die ich in ihrem Zeitpunkt und ihrer Art nur als die Hand der Himmlischen selbst erkennen kann, ein weiterer Faden in Nandus' unendlichem Muster. Ich überquerte gerade den Platz der Zwölfgötter um dem Signor di Meraldi meine Aufwartung zu machen, als über der Stadt Gareth eine Fratze erschien, aus Wolken und Zauberei geboren, die die Züge des Verräters Galotta trugen.
Panik brach aus, und in der Hektik zog ich einen kleinen Jungen gerade noch rechtzeitig von der Straße fort, ehe ein außer Kontrolle geratenes Fuhrwerk ihn beinahe berrollt hätte. Dennoch nahm statt des Kindes zunächst die Erscheinung meine Aufmerksamkeit in Anspruch, und ich hörte, wie die Fratze Galottas am Himmel Drohungen gegen die Stadt Gareth ausstieß, gar ihren Untergang in sehr naher Zeit prophezeihte.
Ich weiß nicht, wie ernst diese Drohnungen aus Transysilien zu nehmen sind, doch habe ich die Erfahrung gemacht, dass den Worten der Erben Borbarads, so sie Unheil prophezeihen, meist eine gewisse Wahrheit anhaftet.

Ein eisiger Wind in den Gassen folgte seinen Worten, und in seinem Schlepptau brachte er ein unbeschreibliches Chaos.
All das, was unsere Sinne bisweilen für so selbstverständlich halten, die Zuverlässigkeit unserer Augen, unserer Ohren, wurde von einem bösen Zauber genarrt. Geister wandelten durch die Straßen, spiegelglatte Stellen verbargen sich unter scheinbar heilem Pflaster.

Doch zunächst bemerkte ich erstaunt, wer das Kind war, das ich da auf dem Arm hielt, denn auf mich zu stürzte, sich überschwänglich bedankend, keine andere als Perdija Rosenschreck, von der ich dir sicherlich auch nicht sagen muß, dass man sich von ihr berichtet, sie sei die Frau des sechsten Gezeichneten gewesen. Und dem Namen des Jungen folgend, der auf Lieto lautet, habe ich wohl seinen Sohn gerettet, und die Vergangenheit holte mich aufs fürtrefflichste ein. Sie war in Begleitung eines Magus und eines jungen Mannes, von dem ich später herausfand, dass es ich um Yann Sertun handelte. Von ihm ist mehrfach in den Aufzeichnungen meiner Schwester die Rede, ein bemerkenswerter Mann mit bemerkenswertem Mut und erstaunlichen Talenten, und gemeinsam mit ihm machte ich mich, nachdem wir die Dame Perdija und den Magus in Sicherheit brachten, auf, um den Vorgängen um uns herum auf den Grund zu gehen.

Ich will diesen Teil nicht über Gebühr auswalzen, es sollte genügen zu sagen, dass der Ursprung dieser Plage aus mehreren Teilen bestand. Üer die Stadt verteilt fanden sich Foki, kleine schwarze Steine, denen ein Zauber anhaftete, und in der Nähe des Immamstadions, in dem immer noch jene armen Seelen Zuflucht gefunden haben, denen der Dämonenmeister ihre Heimat raubte, befand sich ein Theater mit einem hohen Turm. Dort fanden wir eine Höllenmaschinerie aus den Schmieden Galottas, konstruiert vom Mechanikus Leonardo - verflucht sei wahrhaft der Tag, an dem Galotta sich ihn zu Diensten machte.
Wir stürmten, gemeinsam mit der Dame Rosenschreck sowie dem Magus, den Turm und es gelang uns, die Maschinerie unschädlich zu machen, doch ehe sie verging, öffnete sich ein Fach in dem wir eine Botschaft fanden, addressiert an den Edlen Ludalf von Wertlingen.

Ich nehme an du weißt, dass man von ihm berichtet, er sei der engste Freund des Prinzen Brin von Gareth gewesen, und so wacht er nun seit dessen Tod schon seit Jahren an seinem Sarkophag in der Stadt des Lichtes, einer Ehrenwache gleich. Es ist bekannt, dass sein Vater im Verlauf der Kriege das Reich verriet, und nun am Hofe Galottas als Reichserztruchseß, wie der Verräter ihn nennt, dient.

Es war nicht einfach, zu dem Herrn von Wertlingen vorzudringen, doch schließlich ließ man den Herrn Sertun und mich ein.

Der Inhalt der Botschaft, obwohl persönlich, berührt meine momentane Situation jedoch so direkt, dass ich gezwungen bin, ihn sinngemäß wiederzugeben, um dir begreiflich zu machen, meine Teuerste, in welcher Situation ich mich befinde.

Ugalf von Wertlingen, Reichserztruchseß Galottas, fleht seinen Sohn um Hilfe an. Geläutert und entsetzt von dem, was er vollbracht habe, wünsche er nichts sehnlicher, als die Flucht von Galottas Hof, doch schiene dies ihm kaum möglich, da sein Herr und Meister Verdacht schöpfte ob seiner mangelnden Treue.

Ich weiß was du sagen willst, Teuerste. Eine Falle.
Vielleicht - und ich will auch nicht abstreiten, dass dies mein erster Gedanke war, und nicht nur meiner. Doch Ludalf von Wertlingen bat uns, Herrn Sertun und mich, bei seiner und unserer Ehre, dem Ruf an seiner Stelle zu folgen, da ihn der Schwur an die Stadt des Lichtes bindet. Und er brachte das Argument, von dem du sicherlich wissen wirst, dass ich es als das grausamste empfinde - meine Schwester.

Nun ist der Augenblick, da du die Hände ber dem Kopfe zusammenschlägst, ist es nicht so, Serina? Doch hör mich an, gib mir die Möglichkeit, dir begreiflich zu machen, warum ich letztendlich annahm.

Zunächst ist da die politische Seite. Du wirst verstehen - stelle dir vor, was für ein Verbndeter er wäre. Ich frage mich, können wir es uns wahrhaftig leisten, dieser ungeheuerlichen Möglichkeit den Rcken zu kehren? Ein Mann, der hoch in Galottas Vertrauen gestanden hat, der über so viele Dinge des Hofes zu Ysilia, wie ich es weiter nennen werde bis zum Tage meines Todes, Bescheid weiß.
Ich denke nicht, dass wir eine solche Wahl haben.

Und dann ist da noch eine andere Sache
Du weißt, Serina, wie sehr es mich verdrießt, wie Ihre Horaskaiserliche Majestät diesen Krieg gegen die Schwarzen Lande zu führen weiß. Zwar ist Weidleth ein Anfang, doch wie du weißt, habe ich immer dafür gesprochen, dass es nur ein Anfang sein kann, dass wir dort nicht aufhören können, nicht aufhören dürfen, ist doch auch unsere eigene Freiheit bedroht. Und du weißt, dass meine Stimme weitgehend ungehört verhallt, und wie sehr es mich ärgert. Aber hier, direkt vor meinen Füßen, ist die M´┐Żlichkeit, unbezahlbare Informationen zu erlangen, denk dir nur, Teuerste. Uns steht die KGIA zur Seite, das heißt, wir haben tatsächlich eine Möglichkeit, etwas zu erreichen, bedenke die Informationen, die es dem KuK bringen könnte. Welch Gutes diese Informationen tun können.

Und schließlich ist da - ja, noch Esybilla. Du hast einmal gesagt, Serina, du hättest stets den Eindruck, mich mit dem Geist meiner Schwester zu teilen, und ja, vielleicht ist dies sogar wahr. Ihr Schatten ist zu lang, ihr Abbild zu groß, als dass ich mich davor verstecken könnte, und ich habe sie zu sehr geliebt, um ihr den Rücken zu drehen, und nicht mehr zu ihr zu blicken. Was würde sie sagen, frage ich mich? Und habe ich das Recht, mich abzuwenden, wo meine kleine Schwester, die Schwester, die zu beschützen ich mir eigentlich geschworen hatte, schnurstracks und mutig vorangeschritten wäre?
Ich kann mich von ihr nicht befreien, ebenso wenig wie die Dame Perdija das Abbild Lietos abstreifen kann, und ich möchte es auch nicht. Sie ist Blut von meinem Blute, und ich weiß, wenn ich nur ein wenig ihr Bruder bin, so muß ich es tun.

Und was ist es, das er verlangt, er, der ihr Herr ebenso war wie er nun der meine ist? Ist es nicht auch meine Aufgabe, als Priester Nandus', als der, der ich bin, in seinem Sinne zu handeln und wertvolle Informationen zu sammeln, meinen Geist mit dem meines Gegners zu messen, und siegreich daraus hervorzugehen?

Ich kann nicht erwarten, dass du verstehst, was ich dir in hölzernen Teilen zu sagen versuche, Serina. Doch ich kann hoffen, dass du für meine sichere Rückkehr betest, zu jenen drei Himmlischen, die mir am Teuersten sind. Und sollte ich nicht zurückkehren, so vertraue ich darauf, dass du Lucio und Silviano zu dem besten machst, das sie werden können, und wenn du es über dein Herze bringst, so sorge doch dafür, dass sie ihren Vater auch ein wenig in guter Erinnerung behalten. Ich werde ihnen Briefe hinterlassen, für den Fall, dass ich nicht zurückkehre, sorge doch dafür, dass sie sie erhalten, wenn du die Zeit für gekommen hältst.

Gib acht auf dich, meine Teuerste, und so Nandus mir Weisheit und Geschicklichkeit verleiht, werden wir uns bald wieder sehen.

In tiefer Ergebenheit

Andrego Stragazza di Montana

Gegeben zu Gareth, im Winter

Querverweis zum Weiterlesen:
Ein Teil der Erlebnisse der Heldengruppe in Warunk unter Im Schatten der Toten (Führt in den Bereich "Geschichten über Yann")

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