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Nezahet ben Nebahad Perdija Rosenschreck Rondrigo vom Berg Thisdan von Falkenwind
Thoössa Averiakis Umbosch Unterberg Yann Sertun Zoe Schattengrund

Yann Sertun

Herkunft
Svelttal
Profession
Phexgeweihter
Aussehen
schwarzhaarig in diversen Frisuren, wache blaue Augen, mittelgroß
Gespielt von
Conny
Gespielte offizielle Abenteuer:
Staub und Sterne
Grenzenlose Macht
Erben des Zorns
Fest der Schatten
Sphärenklänge
Unter dem Adlerbanner
Shafirs Schwur
Winter des Wolfes
Die letzten Tage von Ysilia
Siebenstreich
Kreise der Verdammnis (Führt in den Bereich "Materialien, Rezensionen")
Schlacht in den Wolken
Aus der Asche
Geschichten
Warunker Sterne (Führt in den Bereich "Geschichten über Yann")
Yann2
Über den Charakter

Geboren wurde Yann als Nahnuk Tuljow zusammen mit seinem Zwillingsbruder Enan irgendwo im Svelltal. Seine Eltern waren arme fahrende Händler, die gerade wieder von Dorf zu Dorf zogen um ihre Waren feil zu halten. Für die ländliche Bevölkerung waren Erlebnisse mit Banden von plündernden und mordenden Orks nicht alltäglich, aber doch eine ständige Gefahr, und Nahnuk und sein Zwillingsbruder Enan hatten erst acht Götterlaufe gesehen, als eine dieser Schreckgeschichten für sie wahr wurde.

Als die Familie an einem lauen Frühlingsabend wieder einmal ihr Nachtlager auf einer kleinen Lichtung aufschlug, und Nahnuk und Enan in einem nahen Bach Wasser holen sollten, hörten sie plötzlich gellende Schreie vom Lager her. Sie rannten zurück und als sie die Lichtung erreichten, konnte Nahnuk seinen vor Schreck erstarrten Bruder gerade noch in ein Gebüsch ziehen, bevor die Orks sie bemerken konnten. Nahnuks Blick wurde sofort zu seinen Vater gezogen, der mit gespaltenen Schädel regungslos auf der Erde lag, während ihr älterer Bruder Lares sich mit einem Stock verzweifelt gegen zwei Orks zur Wehr setzen versuchte. Vergeblich! Eine riesige Axt fuhr ihm in die Brust. Die zwei Orks gesellten sich zu dem halben Dutzend anderer, die die wenige Ware der Familie durchwühlten. Es schien Ewigkeiten zu dauern bis die Orks weiterzogen, und Nahnuk endlich nach seiner Mutter und dem Baby suchen konnte. Aber seine Hoffnungen erfüllten sich nicht. Die beiden lagen erschlagen wenige Meter von der Lichtung entfernt. Bis auf seinen Zwillingsbruder waren alle tot!

Enan lag immer noch wie erstarrt im Gebüsch, und in den nächsten Tagen wurde dieser Zustand völliger Regungslosigkeit nur von gelegentlichen, plötzlichen Weinkrämpfen unterbrochen. So blieb es an Nahnuk, seine Familie zu bestatten. Der Boden war zu hart, um Gräber auszuheben, deshalb konnte er nur Steine auf die Körper häufen und hoffen, dass dies ausreichen würde, um wilden Tiere fernzuhalten. Mit den wenigen Lebensmitteln, die die Orks zurückgelassen, machte sich Nahnuk nun mit Enan auf, das nächste Dorf zu erreichen. Sie wären aber sicherlich verhungert, wenn sie nicht einer Gruppe Abenteurer direkt in die Arme gelaufen wären. Diese hatten Mitleid mit den verängstigten Kindern und nahmen sie mit nach Lowangen.

Einen der Abenteurer, ein älterer Gelehrter, rührte die Geschichte der beiden und nahm die beiden auf in seine kleine Wohnung nahe der Akademie der Verwandlungen. Den freundliche, bescheidene Mann hatte das viele Lesen schon kurzsichtig gemacht. Mit seiner starken Brille, seinen langen grauen Haaren und dem langen Bart fühlte sich Nahnuk immer an eine Eule erinnert. Magister Treublatt, wie er hieß, beschäftigte sich mit den Sagen und Legenden der Gegend und hatte es sich zur Lebensaufgabe gemacht, ein Buch über die Lokalheilige Travianne zu schreiben. Der Gute versuchte, wie ein Vater zu den beiden verstörten Kindern zu sein. Enan schien sich auch allmählich damit abzufinden, dass seine Eltern tot waren und fasste Vertrauen zu Magister Treublatt, der ihn in die Kunst des Schreibens und der Wissenschaft einweihte. Nahnuk dagegen begann, sich immer mehr in sich selbst zurückzuziehen. Er war trotzig, reagierte auf jede Freundlichkeit aggressiv und trotz aller Bemühungen des guten Magister Treublatt verbrachte er bald mehr Zeit auf der Straße als zu Hause. Seine geschickten Finger und sein wendiger Körper machten ihn schon bald unentbehrlich für eine der vielen Straßenbanden von Lowangen. Zweimal wurde er erwischt, zweimal konnte er wieder ausbüxen. Als er sich, im Alter von zehn Jahren, durch das Fenster eines Lagerhaus zwängte, erwartete ihn auf der anderen Seite ein Mann von etwa 30 Jahren in unscheinbarer Kleidung. Seine klugen Augen und seine lässige Haltung, wie er spöttisch an der Wand lehnte, verrieten Nahnuk sofort, dass der Fremde wohl kein Bediensteter des Kaufmanns war, dem das Lagerhaus gehörte und den er austricksen konnte. Fieberhaft suchte Nahnuk nach einem Ausweg. Diesmal würde ihn Magister Treublatt wohl nicht vor der Strafe für Diebstahl schützen. Aber zu seiner ´┐Żerraschung dachte der Fremde nicht daran die Wache zu rufen, sondern sprach ihn mit Namen an und bot ihm ein "Arbeitsverhältnis" an. Nahnuk erfuhr nie, wie er den Fremden auf sich aufmerksam gemacht hatte noch konnte er sagen, was ihn bewog anzunehmen und dem Fremden, der sich Pagol nannte, zu folgen. So verließ Nahnuk Lowangen und begleitete Pagol in viele Städte Aventuriens.

Das erste Jahr war hart, denn Pagol machte in mit dem rauhen Grundsatz Phexes bekannt, der da heißt: "Phex hilft dem, der sich selbst hilft". Nahnuk war auf sich allein gestellt, wenn er wieder einmal seinen schlanken Körper durch einen engen Kamin zwängte, um an die Kostbarkeiten eines reichen Kaufmanns zu kommen. Hilfe von Pagol war nicht zu erwarten, falls er sich erwischen ließ. Trotzdem blieb Nahnuk bei Pagol; vielleicht weil dieser seinen Schmerz zu verstehen schien und ihm trotzdem nie Fragen zu der Vergangenheit stellte. Es gab nie Mitleid, sondern nur Anerkennung oder Strafe für das Geleistete in der Gegenwart. "Willst Du die Anerkennung der anderen, musst du besser sein als sie." Nahnuk bekam seinen Anteil, erfuhr aber nie was mit Pagols Geld geschah und was hinter den merkwürdigen Objekten steckte, die sie ab und zu stahlen. Erst nach diesem ersten Jahr zeigte Pagol zum ersten Mal, dass Nahnuk für ihn mehr war als nur die schlanke Verlängerung seiner Hand um seinen Reichtum zu mehren, und die er jederzeit durch einen neuen Straßenjungen ersetzen konnte, sobald Nahnuk versagen oder zu gross werden würde. Statt dessen nahm er nun Nahnuk als Schüler auf und lehrte ihn viel über die Kunst des Stehlen. Zum Erstaunen des Jungens schlüpfte Pagol, der nun plötzlich viele andere Namen benutze in unzählige Rollen mit einer Leichtigkeit, die schon fast überirdisch war. An einem Tag war er der verwöhnte Adlige, der auf Kosten seiner erstaunten Gastgebern ein köstliches Mahl verlangte und auch bekam! Erst am nächsten Morgen kam den Leuten in den Sinn, dass es vielleicht doch keinen lange verschollenen Cousin gab und dass die Schmuckschatulle doch gestern schwerer gewesen war. In der nächsten Nacht schlüpfte Pagol ohne Scheu in die Lumpen eines Bettlers um die Gewohnheiten eines reichen Kaufmanns zu studieren. All dies brachte er Nahnuk bei, der sich ab nun Faras nannte, weil sein ursprünglicher Name zu auffällig war.

"Das Glück der Welt ist nicht gerecht verteilt, aber die Pfade des Herr Phex weisen den Weg, wie sich jeder seinen Anteil holen kann."

Nahnuk oder jetzt Faras merkte auch, dass Pagol unter den "Diener der Nacht", den Dieben, Einbrechern und Hochstaplern einen besonderen Rang genoss und als Pagol ihn, als er zwölf war, zum Phextempel in Lowangen brachte, um ihn offiziell sein Noviziat antreten zu lassen, bekam Faras Gewißheit, dass sein Lehrer ein Geweihter des Fuchsgottes war. In den nächsten Jahren lernte Faras (den Namen Nahnuk verwendete er kaum noch, es war ein Name der Vergangenheit, Faras ein Name der Gegenwart und Zukunft) von vielen Lehrern. Er erfuhr von den geheimen Bünden in den verschiedenen Städten, lernte die Zeichensprache Füchsisch und die verschiedenen phexgefälligen Tricks, um seinen Anteil zu bekommen.

Die Initiationsriten waren natürlich nicht öffentlich und ohne den ganzen Pomp anderer Kirchen. Aber als Faras die Worte des Hochgeweihten hörte, verblasste die Welt um ihn und Faras spürte, wie plötzlich wundersame Kräfte zu wirken begannen. Kräfte, die ihn seinem Gott für einen Augenblick so nahebrachten, wie es einem Sterblichen nur möglich war. Er war nun ein Geweihter und damit seinem Gott damit auf eine Weise verbunden, die kein anderer Sterblicher nachempfinden konnte. Wann immer sich Faras in seinem Leben fragte, welche Rolle im ewigen Weltenlauf sein Gott für ihn ausersonnen hatte, er wußte immer, dass er als Geweihter mehr als jeder andere Gläubige Werkzeug in den Händen seines göttlichen Herrn war, ein Werkzeug, das bereit sein mußte, seinen Zweck zu erfüllen, wenn sein Herr ihn dazu berief. Und er wünschte sich aus tiefsten Herzen, dass er die Aufgaben bewältigen konnte, um seinem Gott zu dienen.

In den nächsten Jahren besuchte Faras viele Städte des Mittelreiches und verließ sie oftmals sehr schnell wieder. Er schien von einer Unstetigkeit gepackt, die verhinderte das er lange an einem Ort blieb. Trotzdem genoss er diese Zeit. Es war wie ein Spiel, mit hohem Einsatz zwar, aber eine Herausforderung folgte der anderen. Gerne nahm er Aufträge seiner Kirche an, seltene Artefakte oder Kostbarkeiten zu besorgen. Er studierte die Eigenheiten der menschlichen Natur, die Schwächen, die Stärken; beobachtete die Gewohnheiten unterschiedlicher Völker und Kulturen und spielte mit ihnen.

Er war gerade in Perricum, als er bei einem phexgefälligen Wettkampf Lorinda kennen lernte. Diese Frau war die unmöglichste, frechste, dickköpfigste und komplizierteste Person auf Dere! Die beiden lieferten sich monatelang die verbissensten Kämpfe, bis diese Person die Unverschämtheit hatte, Faras zu helfen, als er auf dem nassen Dach ausrutschte! Und als sie sich an diesem vergifteten Schloss verletzte, mußte er einfach das Gegenmittel besorgen. Schließlich wollte er fair gewinnen. Wie das Leben so spielt, schlossen die beiden ein Jahr später den Traviabund. Lorinda war eine Halfelfe, die bei der spießigen Familie ihres menschlichen Vaters in Tiefhusen aufgewachsen war. Wie viele Halbelfen war sie gefangen zwischen den beiden Welten, ohne zu einer wirklich zu gehören. Sie träumte von Leben unter Elfen, aber als Faras und sie die Sippe ihrer Mutter in den Salamadersteinen besuchten, war da kein Verstehen, keine Gemeinsamkeiten, nur Fremdheit. Traurig floh sie mit Faras im Schlepptau, der ihr die Städte in den Tulamidenlanden zeigte.

Im Sommer des 19. Jahres nach Hals Thronbesteigung befand sich die beiden gerade in Khunchom, dieser pulsierenden, lebendigen Stadt an der Ostküste, als Gerüchte umgingen, dass Orks in Hunderttausenden ins Mittelreich einfielen, blutig und unaufhaltsam, nur tote Erde zurücklassend. Faras, der um die in viele zerstrittene Stämme umfassende "Kultur" der Orks wusste, hielt dies für ein Mär. Schließlich waren Orks nicht viel besser als Tiere, wie sollten sie einen Feldzug organisieren. Doch immer mehr Nachrichten erreichten Khunchom und auf dem Weg nordwärts Richtung Gareth erreichte den Geweihten die Nachricht vom Fall Greifenfurts. Nacht für Nacht quälen ihn nun Alpträume. Seine toten Eltern erschienen und vermischten sich mit Eindrücken, Farben, Formen seines Lebens. War das seine erschlagene Mutter, die dort im fahlen Gras lag oder war es Lowangen, das um Gnade flehte; war es sein Vater, der mit gespaltenen Schädel und ausgestreckten Armen auf ihn zueilte oder glichen seine Züge nicht denen Prinz Brins? Verzweifelt versuchte die kaiserliche Armee, das Eindringen der Orks ins Mittelreich aufzuhalten. Aber unaufhaltsam näherte sie sich dem Herzen. Faras war nur noch beseelt von dem Gedanken zu helfen, diesmal nicht mehr das kleine Kind zu sein, dass hilflos zuschauen muss; aber wie helfen, wenn alle Generale, alle Berater des Prinzen immer nur zu spät reagieren können. Jedes geplünderte Dorf, jede entstellte Leiche, jeder geschändete Tempel nährten Faras Verzweiflung. Wie konnten die Götter dies zulassen?... Doch dann, am 8. Phex geschieht das Wunder: Die Heere der Orks werden vor den Toren Gareths vernichtend geschlagen. Tiefer Scham brannte in dem Geweihten. Wie konnte er nur an den Göttern, an seinem Gott zweifeln? Hatte er nicht gespürt, wie unbegreiflich groß die Macht des Fuchsgottes war, als dieser ihn während der Weihung zum ersten Mal berührte? Wie konnte ein Sterblicher wie er den Plan der Götter verstehen? Und wie konnte er vergessen, dass Phex denen hilft, die sich selbst helfen? Bisher hatte er wehleidig und voller Selbstmitleid ausgeharrt, anstatt seinem Gott zu dienen.

So kam es, dass Faras Damion sich dem Kampf gegen die Orks anschloß. Greifenfurt wurde befreit. Und endlich wurden die Orks aus dem Mittelreich vertrieben.

Hoffnungsvoll kehrten er und seine Frau ins Svelltal zurück. Auch dort würde man sicherlich den Orks Herr werden. Doch wie sehr hatte sich Lowangen verändert, als er es nach zwei langen Jahren das erste Mal wieder betrat. "Blüte des Nordens" hatte man sie tituliert und noch bis vor kurzen schlug in der Stadt das Herz des Svelltschen Städtebundes. Doch nun war der Bund zerschlagen, die guten Handelsbeziehungen, die die Versorgung der Stadt sicherstellten, gab es nicht mehr, und das Land ringsumher war von den verhaßten Orks verheert und besetzt. Zwei Jahre hatte sich Lowangen unter der Belagerung der Orks befunden, doch die Bewohner verstanden es, den Angriffen der Schwarzbepelzten erfolgreich zu trotzen. Trotzdem waren sie bezwungen. Die hohen Tributzahlungen ließen die Stadt ausbluten und statt der früheren Lebensfreude fand Faras nur Verzweiflung. Harkhash Drush, der grausame Oberhäuptling der Thasch-Orks regierte blutig über das Land.

Faras und Lorinda waren sich im Klaren, dass sie allein die Orks nicht aus seiner Heimat vertreiben konnten. Aber was war es für ein bitteres Vergnügen, dem Orkhäuptling kleine aber schmerzende Stiche zuzufügen. Offensichtliche Übergriffe waren zu gefährlich. Die blinde Wut würde nur die Bevölkerung treffen. So begannen Fehden zwischen Orkclans, weil in einem Zelt kostbare Besitztümer eines der Harordakhäuptlings gefunden wurden. Hohe Einnahmen aus Wegezöllen schienen in die Tasche eines Brazoraghpriesters zu wandern. Das anschließende Blutgericht bewies durch die tödliche Niederlage die Schuld, auch wenn dieser Feigling sie hartnäckig bestritten hatte. Es folgten erbitterte Kämpfe unter den Okwach der Sippe, bis ein Nachfolger gefunden wurde. Dem Geweihten gelang es aber nie so nah an Harkhash Drush heranzukommen, um ihn seiner gerechten Strafe zuzuführen, geschweige denn, ihm einen kurzen, daher viel zu barmherzigen Tod zu gewähren.

Aber auch unter den Menschen gab es seltsame Vorkommnisse. So wachte der Zuhälter, der in Tiefhusen mit großen Erfolg Menschenfrauen an Orks verkauft hatte, eines Tages in zerlumpter Kleidung zwischen den Sklaven eines Stammes auf. Und mehrere Bürger, brachten mit blassen Gesichtern Gegenstände aus geschändeten Kirchen zurück, die während des Chaos "zufällig" in ihre Hände gefallen waren.

Doch es waren zu viele Orks. Und die Bewohner des Svelltals gewöhnten sich allmählich an die Lage. Was sollten sie auch tun. Das Leben musste weitergehen. Die Kinder wollten Essen haben und was versteht Alrik Schuhmacher schon von Krieg. Der Vertrag mit den Orks sicherte wenigstens das überleben.

Dann wurde eines bitteren Herbsttages Lorinda getötet. Orks erschlugen sie als sie eine befreundete Familie besuchte. Vielleicht wegen ihrer spitzen Ohren, vielleicht einfach nur so. Die nächsten Tage vergrub Faras sich in Verzweiflung. Warum nur hatte er sie gehen lassen? Warum war er nicht da gewesen, als sie ihn brauchte? Auch die Bilder der toten Eltern waren wieder da und ließen sich nicht bannen. Es gab nur diesen Schmerz und diese hilflose Wut. Nicht einmal Enan, seinen Bruder, lies er an sich heran. Nur langsam begann ein anderes Gefühl über die Verzweiflung zu kriechen: der Wunsch nach Rache und Faras klammerte sich daran wie ein Ertrinkender. Aber wie sich rächen? Er war alleine. Und diese opportunistischen Bürger Lowangens waren unerträglich. Wie konnten sie nur weiterleben im Angesicht der Orks. Wieso kämpften sie nicht weiter? Wie konnten sie fröhlich sein? Ihr Lachen schien ihn zu verhöhnen. Dies flüsterte die leise Stimme im seinen Ohr immer wieder. Sie begleitete ihn. Wie lange schon? Er wusste es nicht. Zuerst hielt er sie für einen Teil seines selbst. Sie kommentierte, was er tat, was um ihn herum geschah. Nun fing sie an Vorschläge zu machen. Zuerst einfach gehalten, "Eine zerbrochene Stierfigur könnte die Orks zögern lassen", wurden die Ideen immer brutaler.

Irgendwann begriff Faras, wer da mit ihm redete. Er wusste nicht, wie es zu diese Erkenntnis ausgelöst wurde. Vielleicht legte ein Reiz schon längst bekanntes Wissen frei oder der Herr der Rache fand es an der Zeit sich zu offenbaren. Faras wusste, dass er schockiert sein sollte, Angst haben sollte, aber all diese Gefühle waren wie abgetötet. Das Einzige, was er empfand, war leichte Neugier. Erstaunt analysierte er sich, betete und besuchte brav den Tempel. War es nicht das, was man jetzt von ihm erwartete, aber wieso schien ihn das alles nicht zu betreffen? Es war wie eine längst überflüssige Tradition ohne Leben. War es nicht eigentlich egal. Vielleicht war er schon tot. Oder ein Rachedämon. Denn nur der Gedanke an Orks schien wieder etwas in ihm zu wecken. Machte ihn wieder lebendig. Und das Angebot Blakaraz ihm bei seiner Rache zu helfen anzunehmen, schien so ... Nicht verlockend, nicht verführerisch. Einfach logisch.

Nahnuk weiß bis heute nicht, warum er nicht angenommen hat. Aber er konnte einfach nicht zustimmen, auch nicht ablehnen. So schwieg er. Und spürte plötzlich die Wut und die Enttäuschung des Dämon. Diese Wut durchschwemmte seinen Körper und brach die Barrieren um sein Herz. Plötzlich hatte er all die Gefühle, die ihm fehlten. Angst, Trauer, Einsamkeit, Wut brachen über ihn herein. Und vor allem Scham. Wie konnte er es soweit kommen lassen? Er, den Phex als seinen Diener gewählt hatte. Wieso hatte er all das vergessen? Dieses berauschende Gefühl, wenn er Phex nah war. Diese Sehnsucht danach IHM zu gefallen. Die Wärme und Freude, die alles überstrahlte. Dieses Band, von dem er geglaubt hatte, es würde ewig bestehen. Nun hatte er es durchschnitten. Wie konnte ER ihm jemals vergeben?

Erst viel später erwachte er durch einen konstanten Schmerz in den Armen. Was war passiert? Er wollte sich wieder fallen lassen, in das schwarze Nichts des Vergessens, aber Körper und Geist wehrten sich. Okay, was ist passiert? Langsam kehrten Erinnerungsfetzen zurück. Er war weggelaufen. Nur weg, als könne man vor sich selbst weglaufen. Waren da nicht auch Orks? Mühsam öffnete er die Augen. Er war an einen Pfahl gefesselt. Ebenso wie zwei anderen Menschen. Ein Ork in roten Kleidern mit unzähligen Naben und einem Kupferamulett wiegte sich einige Schritt vor ihm in Trance, ein blutiges Messer in der Hand. Einige Orks beobachteten diesen Tairach-"Priester" schweigend und besorgt. Später begann das Ritual. Nahnuk füllte die Schmerzen der zahlreichen Wunden, Tairach zu ehren. Das war also die Strafe! Irgendwann betäubte der Blutverlust die Schmerzen und es begann Dunkel um ihn zu werden.

Aber etwas hatte sich verändert. Er musste laufen! Dabei war er so müde. Endlich roch er den Geruch von Menschen. Er taumelte auf den verstörten Bauern zu, der ihn erstaunt und unschlüssig anstarrte, ihn aber dann doch hochhob, während Nahnuk endlich ohnmächtig wurde.

Als er wieder erwachte, lag er in einer kleinen Kate. Sämtliche Mitglieder der Großfamilie starrten ihn an und schienen ihn auch die nächsten Tage, als er sich langsam erholte, immer mit ängstlichen Augen zu verfolgen und bei jeder seiner Bewegungen zusammenzuzucken. Erst nach einiger Zeit bekam er heraus, warum. Der Bauer hatte einen verwundeten Fuchs mitgebracht, der in so fordernd angesehen hätte und dann wäre er plötzlich ein Mensch gewesen und der gnädige Herr möge sie bitte nicht in Frösche verwandeln.

Nahnuk grübelte lange darüber nach, was geschehen war. Hatte er unbewusst seine Kräfte gebündelt um zu fliehen? Aber hieß das nicht, dass Phex ihn noch nicht aufgegeben hatte. Oder hoffte er zuviel. Vielleicht hatte ein vorbeiziehender Elf das Ritual beobachtet und seine Hexenkräfte angewandt.

Von Conny

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