Hesindeverlassenes

Eine weitere Anekdote aus einer befreundeten Heldengruppe: Eine Gruppe recht von sich überzeugter Helden wandert ahnungslos durch den Andergastschen Forst gen Norden. Auf ihrem Wege begegnet ihnen Albrecht von Stinhas samt Gefolge, ein Andergastscher Ritter reinsten Wassers, nicht besonders helle aber sehr mutig, auf dem Weg an die Andergast-Nostrische Front wider das Übel der Welt. Als er des merkwürdigen Völkchens (Magier, Novadi...) ansichtig wird, schwant ihm nichts gutes - möchten das gar Nostrianers sein. Auf die forsch vorgebrachte Frage, ob es sich bei den Fremden denn um Nostrianer handele, konnte sich der Novadi ein scherzhaft vorgebrachtes 'natürlich' nicht verkneifen. Allein, die hohe Kunst der Ironie war dem Recken fremd, und so versprach all dies nichts Gutes...
In gerechtem Zorne wollte schon der Ritter seine Mannen gegen die Eindringlinge senden, als der Novadi ein Duell vorschlug. Gewänne er dies, so wäre es wohl vollkommen offensichtlich, daß er kein Nostrianer sein könne - denn welcher Nostrianer würde schon gegen einen Andergaster gewinnen?
Das leuchtete dem Ritter ein, und da der Novadi ein formidabler Kämpfer ist, war die Angelegenheit schnell erledigt.

Eine schöne Anekdote aus dem Leben der Nesthäkchen: Die Konstellation der Helden ist in so fern interessant, daß der Magus Peranor, ein wenig trottelig und ziemlich lebensuntauglich, höhere Kreise für selbstverständlich hält, während der Rest sich doch eher der Unterschicht zuordnet. Es begab sich also in Drol, daß Peranor die Helden in das beste Hotel am Platze einlud - natürlich war keiner von ihnen standesgemäß gekleidet. Safira und Aigald blieben erst mal draußen, während Zepherina sich das ganze natürlich auf keinen Fall entgehen lassen wollte. Sie betrat also mit Peranor das Hotel, wurde auf ihre unpassende Kleidung hingewiesen. Das ließ die Hexe natürlich nicht auf sich sitzen, bat um einen Platz zum Umkleiden und warf sich in Schale. Während der Portier sie wegführte, hatte Safira sich ein Herz gefaßt und betrat ebenfalls das Hotel. Sie war natürlich ähnlich unpassend gekleidet, eine Diskussion entspann sich. Als der Portier schließlich bemerkte: "Meine Dame, Ihr seid ein wenig... unpassend gekleidet für dieses Etablissement..." lief Safira rot an, begann zu stottern. "Ein Eta.. Eta.. oh.. tschuldigung, ich dachte, das hier wäre ein Hotel..."
Diesen Augenblick wählte Zeraphina, um in Schale geworfen und mit Charismaattributo den Raum wieder zu betreten...
Die Gruppe beschloss dann einvernehmlich, an einem anderen Ort zu nächtigen....
Erststufige Helden sind was feines - man kann alle Fehler machen

Vielleicht ist es auch einmal an der Zeit, auf die etwas ungewöhnlicheren Mitglieder der DSA-Runde zu sprechen zu kommen. Da ist zunächst einmal Flappi, die RL-weibliche-IG-männliche RL-Plüsch-IG-echte Eule von Perdija, die ständig so zerzaust aussieht, weil sie meistens draußen rumschwirrt, um mit der Fledermaus in Arnos Innenhof nächtliche Touren zu ziehen. Dann der Knuddelfant, ein Elefant geradezu idealer Größe, dessen knuddelergonomische Form es geradewegs unmöglich macht, ihn während ergreifender Szenen nicht auf dem Schoß zu haben. Das ist praktisch, wenn man bedenkt, daß wir vor einiger Zeit herausfanden,daß sich dieser Elefant davon ernährt, geknuddelt zu werden. Geschieht das nämlich nicht oft genug, so frißt das arme Tier vor lauter Verzweiflung allerlei kleinere Gegenstände, die er jedoch, aufgrund der Unfähigkeit sie zu verdauen, meist an anderen, fast immer jedoch an schwer erreichbaren Stellen der Wohnung wieder ausspuckt - anders ist die Würfel- und Bleistiftfluktuation nicht zu erklären.
Und dann ist da noch Sylmian. Die Katze, die eigentlich gekauft wurde, um im Geburtspaket für den Sohn eines befreundeten Physikerpaares als Schrödingerkatze in der Box zu dienen. Wie genau es geschah, daß ich eine zweite Katze kaufte, die ins Paket packte und Sylmian behielt, kann ich leider aufgrund einer akuten Gedächtnislücke nicht mehr genau sagen, Tatsache ist allerdings, daß diese Katze derart unheimlich ist, daß mittlerweile klar ist, daß er versucht, aus der Rollenspielrunde heraus die Weltherrschaft an sich zu reißen. Bemerkenswert ist vor allem Sylmians Fähigkeiten, bei allen Spielrunden, bei denen man ihn - aus Paranoia - aus dem Zimmer verbannte, um ihn vor nützlichen Informationen fernzuhalten (Borbaradkampagne, Jahr des Feuers), irgendwie plötzlich doch wieder im Zimmer war... alles sehr mysteriös...

Ab und an lässt es sich ja nicht vermeiden, daß die Heldengruppe Bekanntschaft mit den Achaz schließt, den seltsamen Bewohnern der Echsensümpfe und der maraskanischen Eilande. Wenn man eine Gruppe hat, die zu den Freunden des gepflegten - und manchmal auch ziemlich ungepflegten Wortspiels gehört, kann das schon mal zu einer Geduldsprobe für den Meister werden. "Sag mal, wenn eine Echse verheiratet ist, und sich dann aber von der anderen trennt, ist das dann eigentlich deren Echs(Ex)?" "Echsakt. Nicht jedes dieser Echsperimente kann ja funktionieren." "Echsemplarisch könnte man sich da ja mal ein Beispiel ausdenken."
Und so geht es weiter... stundenlang...

Man stelle sich folgende Situation vor: Eine Burg, mitten in den Nordmärker Wäldern, fernab jedweder größeren Stadt, umgeben von den kleinen Katen eines Dorfes. Es ist Nacht, eine schwarze, wolkenverhangene Nacht, in der sich ein junger Almadaner in finsterer Absicht heranschleicht. Ausspionieren will Rajian Altando di Majani die Burg, um herauszufinden, ob sich hier die Ursache findet für die verschwundenen Kinder in der Umgebung. Leise schleicht der Halbelf voran, sanft wie Katzenpfoten sind die Schritte auf dem blühenden Laub.
Zumindest so lange, bis er versucht, an dem Faß vorbeizugehen, das hinten an einer der Hütten lehnt, und dessen harter Rand unsanfte Bekanntschaft schließt mit den Zehen unseres Helden. Wie Feuer schießt Schmerz sein Bein hinauf, und nicht ganz gelingt es ihm, den Laut des Schmerzes zu unterdrücken.
Dies wiederum ruft die Jägerin auf den Plan, die in der Kate wohnt, und sie ist rechtschaffen überrascht über den nächtlichen Gast, der doch für seine Anwesenheit eine so plausible Erklärung bietet. Auf die Frage, was er denn da tue, berichtet di Majani in blumigsten und eindringlichsten Worten von seiner tiefen Liebe und Zuneigung zu der Schloßherrin (von der er nicht genau wußte, ob es denn eine gibt), und daß sein armes Herze sterben müsse, gäbe sie ihm nicht wenigstens den Anflug einer Hoffnung, sie doch eines Tages besitzen zu können.
Nun begab es sich so, daß tatsächlich eine junge Frau auf dem Schloss weilte, doch mehr als Gefangene denn als Schlossherrin, und die Jägerin war darüber wohlinformiert. Sie warnt den jungen Galan vor der Gefahr, die mit seinen Ambitionen verbunden sei, doch echter Almadaner der er ist, läßt er sich davon mitnichten abschrecken, ach nein, sein Herz entbrennt gar noch mehr ob der bedauernswerten Schönheit.
Etwas überfordert von soviel Edelmut läßt die Jägerin ihn ziehen, mit guten Ratschlägen und schwerem Herzen, und di Majani geht weiter seiner Wege...
Eine Geschichte aus der Reihe: Wie rede ich mich aus meinem Schleichenpatzer raus...

Liebfelder sind, wie allgemein bekannt, im allgemeinen ein wenig empfindlich, was ihre Ehre angeht. Ähnliches läßt sich auch über die Wüstensöhne des Stammes Novad sagen. Als also Lessandreo ya Tegalliani di Wanka, seines Zeichens sehr von sich selbst überzeugter Esquirio ihrer Majestät, der Horas, mit dem Novadi Rayad ben Zachan zusammentraf, war das Desaster quasi vorprogrammiert. Ein Wort gab das andere, und man verabredete sich zum Duell mit standesgemäßen Waffen vor einer Taverne. Neugierig lief das Volk zusammen, und Lessandreo, in gerechtem Zorne, errang einen großen Sieg wider seinen Gegner. Während er noch mit dem Kampfe beschäftigt war, war Damian, ein Streuner reinsten Wassers, nicht faul und sammelte von Umstehenden Geld als Lohn für das ihnen gebotene Spektakel. Und als schließlich der Novadi gedemütigt im Staube lag, konnte es sich die Hexe Perdija nicht verkneifen, der versammelten Menge anzukündigen, man werde den Kampf zur allgemeinen Ergötzung in einigen Stunden noch einmal durchführen, doch diesmal würde der Liebfelder sich herablassen, auch einmal den Novadi gewinnen zu lassen....
Eine der Sternstunden der Heldensagen des heiligen Lessandreo...

Überhaupt war Lessandreo ya Tegalliani di Wanka stets für eine Überraschung oder eine gute Geschichte zu haben... Da gab es diese Gelegenheit vor seehr langer Zeit, als die Heldengruppe, bestehend damals aus ihm sowie Drei-Finger-Damian, Zoe Schattengrund und Perdija Rosenschreck durch Albernia reiste und einen Bären sah, der sich über ein kleines Mädchen beugte. Man wollte zur Hilfe eilen, doch Perdija löste die Situation auf typisch hexische Weise, in dem sie mit einem Sanftmutzauber den Bären beruhigte. Lessandreo hielt das dennoch nicht davon ab, bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit zu berichten, wie er sich alleine heldenmütig gegen das schreckliche Monster stellte.
Die Gruppe griff das begeistert auf, ebenso die jeweiligen Meister, so daß die Heldensage des heiligen rondrianischen Recken Lessandreo mittlerweile in aller Munde ist und in verschiedenen Versionen in allen ecken und Enden Aventuriens kursiert. Ein kleiner Trost dafür, daß Lessandreo selbst, der sich immer zum Helden berufen fühlte, zwar viele der größten Helden des Zeitalters kannte, ihm selbst jedoch die meisten höheren Weihen des Heldendaseins verwehrt blieben...
Und dennoch vermissen wir Lessandreo mit jeder Stunde...