Das zerbrochene Rad
Ulrich Kiesow
Das zerbrochene Rad
Borbarad fällt über das angrenzende Tobrien her - und auch im Bornland, nördlich der Grenze, ist nichts mehr, wie es einmal war. Er sendet seinen Legaten aus, um durch Uriel von Notmark, einen eitlen, machtgierigen Adeligen, das Bornland unter seine Knute zu bringen. Doch Bronnjaren wie Thesia von Ilmenstein oder Graf Arvid von Geestwindskoje wenden sich gegen den Dämonenmeister. Doch der Kampf tobt auf mehr Ebenen, als ihnen lieb sein kann, und das alte Geheimnis der Geflügelten ist allzu lang in Vergessenheit geraten.

Das zerbrochene Rad ist Kiesows Epos über das Bornland und die bornische Seele und gilt in weiten Kreisen als der beste DSA-Roman, der bisher geschrieben wurde. Ich stimme dem nur vorsichtig zu. In der Tat ist Kiesow, was die Monumentalität seines Werkes angeht, in DSA-Kreisen unerreicht und auch das Gefühl, das er für seine Welt besitzt, wird sich wohl an anderer Stelle so einfach nicht mehr finden lassen. Mit viel Liebe zum Detail und großer Stilsicherheit in bezug auf seine Welt Aventurien beschreibt er die Vorgänge im Bornland und nutzt dabei die ganze Palette an Stimmungen von abgrundtiefer Verzweiflung bis hin zu Ausgelassenheit ebenso aus wie eine große Variabilität an möglichen Schauplätzen und Protagonisten. Er verwebt viele Geschichten am Ende zu einer einzigen, und nur nach und nach fügen sich verschiedene Puzzlestücke ins Bild. Der Roman ist sehr vorausschauend und stimmig geschrieben, Unlogik wird man hier wohl kaum finden. Insbesondere die Darstellung Thesia von Ilmensteins hat mir sehr gut gefallen - die mit den Jahren bitter gewordene, hochfahrende und stolze Kämpin des Bornlandes ist bei Kiesow eine wahrhaft schillernde Figur - und verdient es wohl auch nicht anders.
Die große Stärke des Romans - seine Detailliebe und Vielfalt - ist aber meines erachtens auch einer der großen Minuspunkte der Geschichte. Manchmal habe ich das Gefühl, daß er sich ein bißchen verliert, bei manchen Handlungssträngen dauert es arg lang, bis sie sich mit anderen treffen, bisweilen wirken sie auch banal. Am Ende fügt sich alles stimmig zusammen, aber bis dahin muß man einiges an Geduld aufbringen. Insbesondere wenn man das Buch in zwei Teilen liest, erscheint der erste Teil in diesem Licht etwas unbefriedigend. Nichtsdestotrotz ist das zerbrochene Rad ein in seiner Qualität wirklich herausragender Roman und ein Muß für jeden DSA-Fan.

Gelesen von Ute

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