Das Gesicht am Fenster
Bernhard Hennen
Das Gesicht am Fenster
Eine Laune des Schicksals und die Suche nach seinem berühmten Ahn verschlägt den Liebfelder Tikian nach Al'Anfa. Schon lange hatte er sich vorgenommen, die Umstände des Verschwindens seines Verwandten Jacomo aufzuklären. Doch zunächst sind da viel naheliegendere Probleme. Daß er ein Sklave ist, zum Beispiel. Oder daß die Magierin, an die er eigentlich sein Herz verschenkt hatte, sich nun auf dem Silberberg herumtreibt, als Leibmagierin eines der Granden. Oder wer das Gesicht am Fenster ist, das er bisweilen des Nachts sieht...

Al'Anfa mag zum Rollenspielen insbesondere für den Meister bisweilen ein schwieriges Pflaster sein, in einem Roman wie diesem entfaltet es seine ganzen Farben. Durch die Augen Tikians sieht der Leser Al'Anfa als Schmelztiegel verschiedenster Kulturen, als Zusammenkunft unglaublich reicher und unglaublich armer Menschen, als Stadt, in der unter der Oberfläche nichts, aber auch gar nichts ist, wie es auf den ersten Blick zu sein scheint.
Tikian selbst ist in dieser Welt ein Fremdkörper, ein Edler, direkt aus einem Mantel-und-Degen-Film, ehrenhaft bis fast zur Stupidität, ein Frauenheld, aber gleichzeitig auf eine charmante Art loyal. Seine Tugenden zähnlen nicht viel in diesem Raubtier von einer Stadt, das merkt er schnell und hält trotzdem daran fest. Dieses Aufeinanderprallen verschiedener Lebensweisen macht einen Großteil der Dynamik des Romanes aus.
Die Charaktäre, die Hennen verwendet, sind sehr lebhaft gezeichnet, niemals nur gut oder böse, niemals nur klug oder dumm, und ganz nebenbei wird hier auch auf herrlich subtile Weise das Wirken der Dämonen verdeutlicht.
Die Auflösung der Geschichte Jacomos, der Tikian ja eigentlich hinterherjagt, kam mir persönlich ein bißchen plötzlich und schnell, es blieben am Ende zwar keine Fragen offen, mehr davon gelesen hätte ich trotzdem gern. Vielleicht war es letztendlich für die Seitenzahl eine Geschichte zu viel - ein rächender Moha, ein verruchtes Bordell, in dem Dämonisches vor sich geht und eben jene Geschichte aus der Vergangenheit, dazu noch Tikian und seine Frauengeschichten, das war vielleicht auch einfach ein Strang mehr, als das Buch vertrug.
Nichtsdestotrotz habe ich es mit sehr viel Genuß gelesen und würde es auch in jedem Falle weiterempfehlen.

Gelesen von Ute

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