Was ist Rollenspiel? Ein Spieleabend Rollenspieler Rollenspiele

Was ist Rollenspiel?

Zunächst und vor allem einmal ist Rollenspiel genau das, was durch das Wort bereits ausgesagt wird - ein Spiel. Die Motivation dafür ist der Spaß der Spielenden, es geht um das gemeinsame Erlebnis und das gemeinsame Verbringen der Freizeit.

Um es in wenigen Worten zu beschreiben ist Rollenspiel eine Beschäftigung, bei der man in eine andere Identität schlüpft, um in der Gestalt einer anderen Person eine Situation zu erfahren.

Etwas lockerer formuliert ist Rollenspiel eine Beschäftigung, die dem Lesen eines guten Buches oder dem Schauen eines guten Filmes nicht unähnlich ist - mit dem wesentlichen Unterschied jedoch, daß man sich selbst als Protagonist innerhalb des Buches/Filmes befindet und Handlung und Ausgang in sehr wesentlichem Maße mitbestimmen kann.

Rollenspiel vereint eine Reihe von verschiedenen Elementen unterschiedlicher Wurzeln, so daß man zur genaueren Beschreibung des Rollenspiels auf seine Ursprünge zurückgreifen kann.

Die Wurzeln des Rollenspiels liegen - auch historisch - bei den Würfel- und Brettspielen. Die ersten Rollenspiele waren von der Armee für ihre Offiziere entwickelte Konfliktsituationen, bei denen es darum ging, nach definierten Regeln eine bestimmte (Kriegs) Situation möglichst geschickt zu lösen. Hiervon ist in den heutigen Rollenspielen noch einiges übrig. Die sich ergebenden (Kampf) Situationen werden auch heute noch in der überwältigenden Mehrheit der Rollenspiele durch Würfelwürfe reglementiert und entschieden. Gleichzeitig ist das Rollenspiel seit den Anfangstagen des neunzehnten Jahrhunderts jedoch deutlich komplexer geworden.

Die Simulationen der preußischen Offiziere finden noch heute in verschiedenen Simulationsspielen (wie zum Beispiel den Börsenplanspielen oder Wirtschaftssimulationsspielen am Computer) Verwendung, und auch im Rollenspiel ist noch einiges davon übrig geblieben. Einige Rollenspiele haben durchaus den Anspruch, eine in sich konsistente Welt mit eigenen Regeln zu erschaffen, durch die sich die Spieler dann nach Maßgabe der Gesetze der Welt frei bewegen können. Dies ist jedoch nur die eine Seite der Medaille.

Die Thematik der Rollenspiele hat sich von der reinen Schlachtsimulation hin zu sehr komplexen Geschichten gewandelt. Die Anleihen stammen meist aus Literatur oder dem Kino. Besonders beliebt und verbreitet sind das Genre der Fantasy (dessen bekanntester Vertreter in den Medien Tolkiens Herr der Ringe ist), das Genre des Science Fiction (in der Tradition von Star Trek oder Star Wars) oder das des Horror.

Zum Rollenspiel gehören - mittlerweile - auch aufgrund der Komplexität der Geschichten, die sich nicht mehr allein auf die Simulation einer Situation beschränken, sondern ein hohes Maß an Interaktion beinhalten, mittlerweile auch einige Elemente des Theaters. Gespräche und Konflikte zwischen verschiedenen Personen wollen 'ausgespielt' werden, so daß ein guter Teil der Zeit eines Spieleabends als ein leicht reglementiertes Improvisationstheater betrachtet werden kann.

Das Rollenspiel hat mittlerweile viele verschiedene Medien gefunden, auf denen es sich verbreitet hat. Die Gewichtung der oben genannten Elemente ist in jedem Medium ein wenig anders. Um nur einige zu nennen:

Der Klassiker - Pen und Paper
Die ursprüngliche Form des Rollenspielens - einige Spieler und ein Spielleiter, um einen Tisch gruppiert, mit Papier, auf dem die Eigenschaften der Charaktäre verzeichnet sind, Würfeln für die Kampfsituationen und Stiften zum Notieren. Hier gibt es Runden, die sich deutlich mehr noch auf die Simulationen verlegt haben, aber auch solche, die teilweise abendelang keinen Würfel in die Hand nehmen und das Rollenspiel sehr theaterlastig angehen.
Für Puristen - Liverollenspiel
Liverollenspiel ist vielleicht die anspruchsvollste Form des Rollenspieles, denn hier geht es wirklich ans Eingemachte. In entsprechende Gewandungen gehüllt trifft man sich draußen, zeltet irgendwo und eine meist recht große Gruppe an Spielleitern stellt das Szenario. Kämpfe werden wirklich ausgekämpft - wer nicht sportlich ist, sollte eher etwas zurückhaltenderes spielen, und wer nicht schleichen kann, eignet sich meist ziemlich schlecht für einen Dieb. Natürlich ist bei dieser Form des Rollenspiels der Theateranteil erforderungsgemäß hoch - schließlich stellt man ja im ganzen eine Rolle dar.
Neue Medien - Internetrollenspiele
Es wäre wohl sehr erstaunlich, hätte das Rollenspiel nicht auch längst das Internet erobert. Hier übernimmt die Spielleitung meist ein Server, dem die Regeln einprogrammiert werden, unterstützt von einer Gruppe Spielleiter, die Geschichten und Szenarien stellen. Hier findet sich vielleicht die am weitesten gestreuten Spielarten - von reiner Simulation bis zu reinem Theater ist eigentlich alles dabei.

Mittlerweile haben sich - allein bei Pen and Paper - eine immense Zahl an verschiedenen Spielesystemen entwickelt. Sie unterscheiden sich zum Einen in der betrachteten Welt, es gibt Fantasyrollenspiele, Horrorrollenspiele, usw, zum anderen aber auch deutlich im Regelwerk. Hier gibt es regelintensivere und regelfreiere Spiele, solche, deren Regeln versuchen, sich eher an der Realität zu orientieren und solche, bei denen es eher darum geht, das Spiele zu reglementieren, aber nicht unbedingt auf die realistischste Art und Weise. Hier ist es jedem angeraten, das Genre und System herauszufinden, das ihm am besten zusagt.

Es gibt eine Reihe von Gründen, sich mit Rollenspielen zu beschäftigen. Zunächst einmal ist Rollenspiel eines der kreativsten Spiele, mit denen man sich beschäftigen kann. Im Gegensatz zu Brettspielen, deren Regeln folgend nur recht wenig Platz zur eigenen Entfaltung bleibt, oder zu anderen Beschäftigungen wie Kino oder Lesen gibt sich hier die Möglichkeit, Phantasie und Kreativität auszuleben. Ohne Vorstellungskraft und Einfühlungsvermögen (ob in Situationen oder Personen) ist Rollenspiel nicht durchzuführen.
Das Spielziel beim Rollenspielen wird - bis auf wenige Ausnahmen - nicht durch das Gewinnen eines einzelnen, sondern vielmehr durch das positive Erlebnis für alle Beteiligten definiert. Es geht darum, gemeinsam eine Situation zu lösen oder ein Abenteuer zu 'knacken', nicht darum, über den anderen Spielern hinweg als der Sieger zu erscheinen. Dadurch wird Rollenspiel zu einem Gruppenspiel, das ohne Wettstreit auskommt. Das Gemeinschaftserlebnis ist für viele Rollenspieler eine der größten Motivationen, sich mit diesem Hobby zu beschäftigen. Als oft bedenklich wird empfunden, daß eine der Gründe für die Beschäftigung mit Rollenspielen auch in einer gewissen Weltflucht liegt. Aus nicht näher definierten Gründen versucht der Spieler, seinem realen 'Ich' zu entkommen und sich in eine Phantasiewelt zu flüchten, die ihm attraktiver erscheint. Ist dies nur in Ansätzen vorhanden, kann es sogar eine Erholung sein, nimmt es jedoch überhand, ist der Prozess problematisch. Mehr als nur ein Rollenspieler hat die Realität nur noch als lästiges Nebenher betrachtet - daß das tägliche Leben darunter leidet, muß wohl nicht erst erwähnt werden. Letztendlich ist aber gerade as Pen and Paper-Rollenspiel stark genug auf die Gemeinschaft ausgelegt, daß dies meist durch einen gewissen Gruppendruck wieder ausgeglichen wird - daß alle Mitglieder einer Gruppe gleichzeitig abgleiten ist selten. Bei Internetrollenspielen ist diese Gefahr dafür natürlich, schon allein aufgrund der Anonymität, umso mehr gegeben.

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